Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!

Vom Funken zur Flamme

Russen und Deutsche erinnern sich an den vor zehn Jahren gestorbenen Pfarrer Hartmut Kania

Teltow. In einer heiligen Messe und am Grab von Pfarrer Hartmut Kania in Teltow gedachten am 17. März, seinem zehnten Todestag, Menschen aus Deuschland und Russland dieses Priesters.

Jesus sagt:

"Er hat Mission auf seine Art gemacht. Durch sein Vorbild und dadurch, dass er den Menschen geholfen hat, leibliche Not zu wenden, sind nicht wenige Menschen zum Glauben gekommen", sagt Caritasdirektor Rudolf Hupe. Am 17. März steht er mit vielen Weggefährten von Monsignore Hartmut Kania am Grab des Priesters, Gründers und langjährigen Präsidenten der Caritas St. Petersburg. Außerdem war er Vorsteher der Herz-Jesu-Gemeinde, Vorsitzender der Geschäftsführung des Malteser Hilfsdienstes in St. Petersburg und Direktor der nationalen Caritas Russlands.

Pater Hartmut liebte Russland und die Menschen

Mit dieser Aufzählung sind noch längst nicht alle seine Titel und Betätigungsfelder genannt. Natalia Anatolewna Pewzowa, heute Caritasdirektorin in St. Petersburg, ist mit einer Delegation nach Teletow gekommen. Sie erinnert sich: "Pater Hartmut liebte Russland und verstand die Menschen, die in diesem Land wohnen. Er wollte, dass wir keine Obdachlosen, keine verwahrlosten Kinder und keine verstoßenen Alten mehr haben." Aus Anlass des zehnten Todestages hat Natalia Pewzowa ein besonderes Erinnerungsstück mitgebracht. "Zum Gedächtnis an Monsignore Hartmut Kania 2011 * 2012" steht auf dem Kalender im A3-Format, der zur Erinnerung hergestellt wurde. Das Besondere an diesem Kalender: Er beginnt und endet mit dem Monat seines Todes. Zwischen den Bildern sind die verschiedenen Projekt beschrieben, die Pfarrer Kania iniziiert, ausgebaut und am Leben erhalten hat. Jeden Monat eines: wohltätige Tafel, Altenpfl egestation, Kinder in Not, Unterstützung für junge Menschen mit Behinderung, Informations- und Beratungszentrum für Suchtkranke und ihre Angehörige, um nur einige zu nennen.

"Wenn Pfarrer Kania in Deutschland war, dann hat er alles aufgemischt, um an Unterstützung zu kommen. Für die Nöte dieser Welt war ihm kein Weg zu weit", erinnert sich Caritasdirektor Hupe. "Er kam, war fünf Minuten bei mir, dann ging er sofort zu Johannes Brosdetzko. Mit ihm hat er ,organisowitschka‘, wie er das nannte." Brosdetzko hat für Hartmut Kania in Deutschland bis hin nach Russland die Türen geöffnet. Er erinnert sich besonders an seine erste Aktion: "Am 27. Dezember 1991 bekam ich einen Hilferuf aus St. Petersburg von Pfarrer Kania. Er hatte dort gerade mit seiner Arbeit als Seelsorger begonnen, sah die Not der Menschen und rief sofort zur Spendenaktion ,Kinder sammeln für Kindern‘ auf. Die Resonanz in den Gemeinden des Bistums war überwältigend."

Kein Sprit mehr für die Flugzeuge

Die Pakete wurden auf dem russischen Militärfl ugplatz in Finsterwalde gelagert. Es gab eine verbindliche Zusage des Verteidigungsministeriums in Moskau, dass zwei IL 76, extra aus Rußland kommend, die etwa 100 Tonnen Hilfsgüter abholen. "Was keiner ahnte: Zu dieser Zeit war die Sowjetunion in Aufl ösung. Es gab kein Sprit mehr für die Flugzeuge. Nun begannen die Telefonleitungen von Cottbus aus in alle Richtungen zu glühen." Die Bemühungen von Johannes Brosdetzko bewegten den damaligen Bundesminister Ignaz Kiechle. Das Bundeskabinett beschloss, mit dem Technischen Hilfswerk zu helfen. Dieses sandte einen Konvoi von zwölf Fahrzeugen aus Bayern nach Finsterwalde. Soldaten der Roten Armee verluden die Pakete. Drei Tage später war die Ladung bei den Hilfsbedürftigen.

Die Paketaktionen, an denen viele Gemeinden des Bistums wie auch zahlreiche evangelische Gemeinden teilnahmen, mussten eingestellt werden. "Umgerechnet fünf Euro pro Bananenkarton an Porto zu nehmen, war den Spendern nicht mehr zuzumuten. Es wurde von Mal zu Mal teurer", so Caritasdirektor Hupe. Hilfe wird nun anders organisiert, inzwischen sind Geldspenden möglich.

Die Menschen in St. Petersburg nennen Pfarrer Kania noch heute "Otez Hartmut - Vater Hartmut". Einige seiner Schützlinge kamen durch seine "lebendigen Taten der Nächstenliebe" wie es im Kalender heißt, wieder auf Kurs. Michail, auf dem Bild vor einem Leninbild stehend, sagt: "Die Begegnung mit Vater Hartmut hat mein Leben vollkommen verändert, dass er der Funke war, der zur Flamme wurde und andere entzündete."

Spendenkonto für die Caritas St. Petersburg: Caritasverband Diözese Görlitz e. V. Konto Nr. 2 08 28 48 22 bei der LIGA Bank Dresden, Bankleitzahl: 75 09 03 00


Von Raphael Schmidt

Aktuelle Buchtipps