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Anstoss

Musik für einen fröhlichen Gott

Guido Erbrich

Sir Colin Mawby ist ein alter seriöser Herr, der durchaus so aussieht, wie man sich einen englischen Sir vorstellt. Außerdem ist er einer der bedeutendsten englischen Gegenwartskomponisten. Sir Mawby wurde von der Queen geadelt und bekam vom Papst einen Orden. Er wird sich darüber gefreut haben, wichtiger nimmt er sich dadurch nicht. Als ich ihn mit "Sir" anrede, unterbricht er mich lächelnd: "Sag einfach Colin."

Im vergangenen Jahr wurde in Magdeburg eine Messe von ihm uraufgeführt, die er der Biederitzer Kantorei, einem evangelischen Kirchenchor, der sich sehr ökumenisch versteht, gewidmet hat. In seiner Messe ist das Frohe der christlichen Botschaft hörbar, denn ihr liegt ein fröhliches Gottesbild zugrunde. Colin Mawby ist sich sicher, dass der Gott der Liebe nicht wie ein Rachengel in die Schar der Sünder hinunterdonnert um Zittern und Zähneklappern zu verbreiten.

"Als ich Kind war, habe ich einmal zwei Pfund gestohlen", erzählt Colin Mawby. "Das war damals eine Todsünde. Später, als Erwachsener galt das schon als lässliche Sünde. Und heute zerreißt sich niemand mehr den Mund darüber. Ist es die Gnade Gottes, die mit den Jahren größer geworden ist? Oder ist es unser menschlicher Blick auf Gott, der mehr und mehr versteht, was es heißt, dass Gott die Liebe ist?"

Dieser Gott hat Verständnis für die Fehler seiner Geschöpfe. An uns Menschen liegt es, die Klarheit über unsere Stärken und Schwächen zu gewinnen. Buße ist dann die ehrliche Erkenntnis: "Schade, das hätte ich besser gekonnt." Diese Trauer über die eigene Unzulänglichkeit ist eine andere Buße als ein Lippenbekenntnis unter Strafandrohung.

In Colin Mawbys Missa solemnis ist es so, als ob wir Menschen Gott in dieser Musik anlächeln und spüren können, er lächelt zurück. Den Komponisten freut dieser Vergleich und er erzählt von einem Erlebnis, das er hatte, als der Papst 2010 England besucht: "Da wurde ein großer Gottesdienst in der Westminster Cathedral gefeiert. 300 Priester zogen mit dem Papst ein - aber nur ein einziger hat gelächelt. Ist das nicht ein wenig traurig?", fragt Mawby. Es geht um die Frohe Botschaft, die verkündigt wird. Niemand erwartet, dass alle lachend gehen, aber dass nur einem diese Frohe Botschaft anzusehen ist, ist schon erstaunlich.

Guido Erbrich, Roncalli-Haus, Magdeburg

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