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Zehn Gebote im Spiel entdecken

Neues Projekt will Kindergartenkindern soziales Handeln nahebringen

Zwickau. Die Zehn Gebote zu verstehen ist ein Kinderspiel. Davon geht ein Projekt des Christlichen Sozialwerkes und der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen aus. In einer Zwickauer Kita wurde kürzlich gezeigt, wie man das alte Regelwerk Kindern vermitteln kann.

Kinder der Zwickauer Tagesstätte Arche Noah gestalten ihre Schatzkisten.

Die Studentinnen Natalie, Svenja und Friedrike machen sich als erstes mit Emelie, Joan, Lena, Franz, Leon und Jerome bekannt. Die Mädchen und Jungen der Kita "Arche Noah" sind vier Jahre alt, jeder bekommt ein Namensschild. Dann taucht Opa Willy auf, eine Handpuppe, und fängt an zu erzählen. Von den Glückssteinen, die ihm eine Fee gebracht hat, und von dem Brief, in dem stand: Wenn du traurig bist, musst du die Glückssteine in die Hand nehmen und drücken - dann geht es dir besser.

Opa Willy ist begeistert und will die Glückssteine den Kindern zeigen. Doch er sucht sie vergeblich in seiner Tasche. Wie können sie nur verschwunden sein, fragt er sich: "Geklaut!", vermutet Leon. Sucht doch mal hier im Zimmer nach den Säckchen mit den Steinen, schlägt Tim vor, eine zweite Puppe. Nach ein paar Minuten hat jedes Kind ein Säckchen entdeckt. "Wie fühlt man sich, wenn man etwas weggenommen bekommt?", möchte Natalie Stiller wissen. "Da bin ich traurig", antwortet Lena. Jeder darf ein Säckchen mit Glückssteinen behalten. "Damit die Steine nicht verloren gehen, braucht man eine Schatzkiste", sagt Tim. Die sechs Holzkisten liegen schon bereit, zu jeder gehört ein Schloss. Mit Farbe, Buchstaben, Aufklebern gibt jedes Kind seiner Kiste ein unverwechselbares Aussehen. "Dieses Gefäß schafft eine Intimsphäre, jedes Kind hat etwas nur für sich. So soll es lernen zu differenzieren: Dinge, die nur mir gehören, Dinge, die anderen gehören, Dinge, die allen gehören", erklärt Friederike Schulte die Schatzkiste.

Kinder sollen erleben: Soziales handeln tut gut

In neun weiteren kleinen Gruppen geht es um die anderen Gebote. Es wird miteinander gesprochen, gespielt und etwas gebastelt, was jedes Kind zur Erinnerung mit nach Hause nehmen kann. Das Projekt trägt den Namen "Wieso - was ist eigentlich sozial?". "Soziales Handeln kann man den Kindern mit Sanktionen beibringen - wenn du dich nicht an die Regeln hältst, dann bekommst du eine Strafe. Bei unserem Ansatz sollen die Kinder selbst erleben, dass es gut tut, sozial zu handeln, und deshalb den Inhalt der Gebote beherzigen", so Professorin Elisabeth Jünemann. Unter ihrer Leitung wurden die Gebote auch auf besondere Weise ausgelegt. Das sechste Gebot steht beispielsweise dafür, dass jeder einhalten muss, was er mit anderen vereinbart hat, verlässlich sein muss.

Parallel zur Gruppenarbeit erläutert die Theologin den Erzieherinnen das Projekt. Es liegt in Hand der Einrichtung, "Wieso?" in ihre Arbeit aufzunehmen, auf diese kindergerechte Art, die Zehn Gebote den Mädchen und Jungen ans Herz zu legen. In Kürze stehen dazu entsprechende Arbeitshilfen und Modulkisten mit Utensilien für jedes Gebot bereit. In vier Bistümern hat die Gruppe seit dem Frühjahr ihr Projekt vorgestellt. "Die Idee fällt auf sehr fruchtbaren Boden", beschreibt Elisabeth Jünemann ihre Erfahrungen.

Vorbehalte Zwickauer Eltern wurden zerstreut

In Zwickau hatten im Vorfeld einzelne Eltern Vorbehalte. Sie befürchteten, dass ihrem Kind sozusagen der christliche Glaube übergestülpt wird. Doch das konnte zerstreut werden. "Wir wollen zeigen, das sind unsere christlichen Werte, das ist uns wichtig. Darüber wollen wir reden, ohne vordergründig zu missionieren", sagt Peter Leuwer, Geschäftsführer des Christlichen Sozialwerkes (CSW). Das CSW, der Träger dieser Kita, hat dieses Projekt initiiert und trägt es - unter anderem stammen die Schatzkisten und andere Arbeitsmittel aus den Behindertenwerkstätten des CSW.

Die Eltern finden am Nachmittag des Projekttages eine Broschüre zu "Wieso?" im Fach. Zum siebenten Gebot steht beispielsweise: "Dinge, die uns nicht gehören, dürfen wir anderen nicht einfach wegnehmen. Die brauchen sie, um gut und froh leben zu können. Die gehören ihnen ganz allein." Jerome hat seine Schatzkiste frohen Herzens nach Hause getragen, berichtet seine Mutter Sindy Massalsky: "Er hat gesagt, die Kiste ist für seine Schätze, für seine Geheimnisse, die keiner erfahren soll." Sie selbst sieht das Projekt durchweg positiv.

Von Gert Friedrich

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