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"Sie bringen frischen Wind"

20 Jahre BDKJ-Diözesanverband / Forum über Chancen der Jugendverbandsarbeit

Roßbach. Die Chancen verbandlicher Jugendarbeit im Bistum waren Thema eines Forums für Haupt- und Ehrenamtliche am Christkönigs- Wochenende im Jugendbildungshaus Roßbach. Anlass war das 20-jährige Bestehen des Diözesanverbandes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

Eine große Runde bot den Rahmen für Kurzvorträge und eine angeregte Diskussion über die katholische Jugendverbandsarbeit. Nougatcremes aus Ost und West (Bildmitte) standen dabei für zunächst unterschiedliche Geschmäcker der Jugendlichen/Jugendarbeit in Ost und West und das in 20 Jahren gewachsene Miteinander.

"Jugendverbandsarbeit heißt, Jugendlichen Räume zu eröffnen", sagt Klaus Skalitz. Der heute 56-Jährige war 1990/91 erster BDKJ-Diözesan-Vorsitzender im damaligen Bischöflichen Amt Magdeburg und ist ehrenamtlich noch immer in der Pfadfinderarbeit aktiv. "Kirche braucht die Kinderund Jugendverbandsarbeit. Denn unsere Kirche braucht als hierarchisch organisierte Institution immer wieder den frischen Wind demokratischer Kultur." Diese Kultur werde in den Verbänden gepflegt, betont Skalitz, und fügt hinzu: "Leider ist die Förderung der katholischen Jugendarbeit im Pastoralen Zukunftsgespräch (PZG) des Bistums zwar intensiv diskutiert worden, aber nicht in ein Abschlussdokument eingeflossen, und dies, obwohl die Jugendverbandsarbeit den missionarischen Auftrag der Kirche nachweisbar erfolgreich umsetzt."

Jugendverbände pflegen demokratische Kultur

Angesichts von zunehmend weniger hauptamtlichen Seelsorgern befähigt die verbandliche Kinder- und Jugendarbeit zu selbstbewusstem, ehrenamtlichem Engagement, sagt Skalitz. Dieses brauche jedoch Freiräume. "Engagierte Christen sehen sich nicht mehr nur als Helfer, sondern sind auch zu mehr Verantwortung bereit und erwarten dafür von den Hauptamtlichen Hilfe und Unterstützung."

Ordinariatsrat Thomas Kriesel, für Personaleinsatz und Personalentwicklung im Bistum verantwortlich, warnt vor zu hehren Vorstellungen von der Jugendverbandsarbeit im Bistum. Zugleich hält Kriesel, der von 1994 bis 2000 selbst Diözesanjugendseelsorger und BDKJ-Diözesanpräses war, Jugendverbände durchaus für eine Möglichkeit katholischer Jugendarbeit hierzulande. Dabei müsse aber auch im Blick sein: "Je kleiner wir werden, um so vielfältiger wird die Kirche. Und trotzdem gilt es die Einheit zu wahren." Innerhalb der Vielfalt hätten die Jugendverbände im Bistum ihren Platz, so Kriesel. Alle kirchlichen Sozialstrukturen hätten jedoch ihre je eigene Zeit und niemand könne sagen, was in 20 oder 50 Jahren sein wird. "In der hiesigen Situation müssen die Verbandsgruppen gemeinsam mit den Gemeinden ihren Weg gehen. Dies ist zum Beispiel bei den Pfadfindern oder der KJG aber durchaus gelebte Praxis", betont Kriesel.

1989/90 seien sich die Verantwortlichen der Jugendseelsorge zunächst unsicher gewesen, wie am besten mit der neuen Freiheit umzugehen sei, berichtet Klaus Skalitz aus seiner damaligen Referententätigkeit in der Jugendseelsorge. Die dann begonnene Jugendverbandsarbeit habe zu einem Lernprozess von demokratischen Spielregeln wie Antragsverfahren oder Abstimmungsgepflogenheiten geführt. Insofern seien die katholischen Jugendverbände ein guter Transmissionsriemen für den demokratischen Aufbau der Gesellschaft in den neuen Bundesländern gewesen. "Aber auch 20 Jahre danach kann es vielleicht Aufgabe des BDKJ sein, ein stabiles Demokratiebewusstsein wachzuhalten, zum Beispiel bei der Mitwirkung im Katholikenrat des Bistums", sagt Skalitz.

Zunächst sei 1990 überlegt worden, die Pfadfinder als einheitlichen Verband zu installieren, was sich im Nachhinein als "großer strategischer Fehler" herausgestellt habe. Denn die markante Kleidung (Kluft) der Pfadfinder habe viele zusätzlich - neben der Frage, ob man sich überhaupt Organisationen anschließen sollte - verschreckt, weil sie sie an Pioniere und FDJ erinnerte. Zudem hatten engagierte Seelsorger schnell auch eigene Kontakte zu anderen Jugendverbänden und haben sie in die Region geholt, erinnert sich Skalitz.

Derzeit vertritt der BDKJ-Diözesanverband die Bistumsverbände der Deutschen Jugendkraft (DJK), Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG), der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ), der Kolpingjugend und der Malteser Jugend. Die Arbeit des Dekanatsverbandes Wittenberg ruhe wegen der veränderten Dekantsstrukturen, solle aber in einen vor der Gründung stehenden neuen Dekanatsverband Dessau- Roßlau eingehen, hieß es.

Jugendverbandsarbeit hat ihren festen Platz im Bistum

Klaus Tilly, Referent im Fachbereich Pastoral in Kirche und Gesellschaft und davor im Jugendseelsorgeamt tätig, erinnerte daran, dass es angesichts der kleinen Zahlen im Bistum nur punktuelle Jugendverbandsarbeit und auch kaum Angebote verschiedener Verbände an einem Ort gibt. Zudem leisteten die katholischen Jugendverbände hierzulande keine ausschließlich klassische Verbandsarbeit.

Für Diözesan-Jugendseelsorger und BDKJ-Diözesanpräses Stefan Hansch gilt es in nächster Zeit, sich die bestehenden Strukturen anzuschauen und zu entscheiden, was es zu lassen oder auch zu stärken und auszubauen gilt.

Zu Beginn des Forums hatte Doktorand Sebastian Holzbrecher von der Theologischen Fakultät Erfurt über katholische Jugendarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus gesprochen. Anfang des 20. Jahrhunderts habe es eine rege, von Laien geführte Jugendbewegung in Vereinen, Bünden und Burschenschaften gegeben, die in die Gesellschaft hinein zu wirken bestrebt war. Deren Arbeit wurde von den Nazis 1936 verboten. Katholische Jugendarbeit fand nun nur noch im Rahmen der Seelsorge in der Gemeinde statt.

Über die katholische Jugendarbeit in der DDR berichteten Doktorand Hartmut Spring und Pfarrer in Ruhe Wolfgang Janotta. Auf Beschluss der Bischöfe seien nach 1953 bewusst Jugendabende, -sonntage und -wallfahrten etabliert worden, um so die Glaubens-, Gebets- und Bußerziehung der jungen Leute zu sichern, so Spring. Eine katholische Jugendverbandsarbeit war nicht möglich. Die SED-Diktatur habe die Arbeit der Jugendseelsorge begrenzt und behindert. Dennoch hätten engagierte Seelsorger den jungen Leuten Zugänge zu neuen Formen der Liturgie (Jugendkreuzweg), zur Ökumene oder zu Formen der Wiedergutmachung nach dem Krieg (Aktion Sühnezeichen) erschlossen. Pfarrer Janotta berichtete von seiner erfolgreichen - auch für ungetaufte junge Leute offenen - Jugendarbeit. Wichtig sei dabei immer das Engagement der jungen Leute selbst gewesen, denen er zum Beispiel in Klostermansfeld dafür Räume und Möglichkeiten eröffnete.

Von Eckhard Pohl

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