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Freude am Schaffen wecken

Advent und Weihnachten im Museum für sächsische Volkskunst / Wiedereröffnung des Hauses

Dresden. Advent und Weihnachten im Jägerhof sind eine eigene Dresdner Tradition, die auf den Freund der sächsischen Volkskunst Oskar Seyffert (1862 bis 1940) zurückgeht. Pünktlich zum ersten Advent wurde das von ihm gegründete Museum wiedereröffnet.

Christa Hippe ist beruflich seit Jahren mit dem Museum verbunden. Im Vorfeld der Wiedereröffnung half sie mit, den Jägerhof in eine weihnachtliche Stimmung zu setzen. Der Baumschmuck wird in jedem Jahr von den Dresdnern und anderen Sachsen selbst gefertigt.

"Die Volkskunst ist im Westen tot", sagt der Direktor des Museums für Sächsische Volkskunst, Igor Jenzen aus Anlass der Wiedereröffnung seines Hauses zum ersten Advent. In der jungen Bundesrepublik war sie mit Blick auf das Dritte Reich verpönt und wurde durch Heimatfilme und Volksmusik ersetzt. In der DDR jedoch wurde die Volkskunst als Ausdrucksform der "werktätigen Massen" bewusst gefördert und mit neuem Inhalt gefüllt. Jensen erinnert allerdings an ideologische Verzerrungen, die es auch in diesem Kulturbereich gegeben hatte. Was sich jedoch erhalten hat, ist die Freude vieler Menschen, selbst aktiv zu werden. Jenzen: "Volkskunst ist etwas, das immer stattfindet, wenn Menschen etwas Kreatives tun. Das sollten wir nicht unterschätzen. Unsere Aufgabe dabei ist es jetzt, nicht die Asche zu hüten, sondern wir wollen das Feuer neu entfachen." Dieses Selbermachen konnte und kann der Anfang sein zu einem Schaffen, das entweder sich selbst genügt oder ein Publikum findet. Dabei erinnerte er an die vielen Frauen und Männer, die seit Jahren im Advent und in der Weihnachtszeit in das Museum kommen und hier ihr Können präsentieren. Es wird geklöppelt, geschnitzt, Weihnachtsbaumschmuck hergestellt und vieles mehr.

"Weihnachten im Jägerhof" hat eine Tradition, die bis auf den Gründer des Hauses, Hofrat Oskar Seyffert, zurückgeht. Dieser entdeckte vor über 100 Jahren die Kunst der einfachen Leute und stellte ihre Ursprünglichkeit heraus. Anders als beim Kunsthandwerk, so Seyffert, ist die Volkskunst in besonderer Weise beseelt, sie drückt etwas aus, spricht den Menschen im Innersten an. Allerdings war Oskar Seyffert in strengem Sinn kein Wissenschaftler, betont Direktor Jenzen, sondern näherte sich als Maler und Lehrer an der Kunstgewerbeschule dem Thema an. Und bei der Konzeption des Museums - es wurde 1896 von Seyffert gegründet und 1913 im Jägerhof eröffnet - war es dem Hofrat besonders wichtig, nicht nur Exponate zu zeigen, sondern vielmehr Bilder vom einfachen Leben.

Bei der Neukonzipierung der Ausstellung - diese und die bauliche Sanierung im Erdgeschoss wurden mit Mittel aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung finanziert- war es dem Team um Igor Jensen möglich, an diese Bilder anzuknüpfen. So konnte die im Jahr 2006 erworbene Stube eines abgebrochem Lausitzer Umgebindehauses dazu genutzt werden, um die von Oskar Seyffert konzipierte "Großschönauer Damastweberstube" wieder in der Ausstellung zu zeigen.

Igor Jenzen, der Direktor des Museums, zeigt Fotos der von Oskar Seyffert konzipierten Lausitzer Stube, die jetzt wieder Teil der Ausstellung ist.


Wichtig ist jedoch an erster Stelle, den Besuchern zu erklären, was Volkskunst eigentlich ist. Dabei geht es um die Regionalgebundenheit genauso wie um den Themenbereich Tod, Glaube Liebe - und wie diese den Alltag der Menschen bestimmen. Igor Jenzen verweist zudem auf die Familienfreundlichkeit seines Museums, auch dies eine Tradition, die auf den Gründer zurückgeht. "An allen Stellen hier im Erdgeschoss befinden sich Überraschungen und Angebote für unsere kleinen Gäste", freut sich Jenzen.

Museum für Sächsische Volkskunst im Jägerhof Dresden (Köpckestraße 1): Täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, montags geschlossen, 24. Dezember von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Von Holger Jakobi

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