Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!

Ein wacher Zeitgenosse

Der heilige Norbert von Xanten im Machtgefüge zwischen Kirche und Kaiser

Magdeburg. Zu Lebzeiten des heiligen Norbert erreichte der Machtkampf zwischen Papst und deutschem Kaiser seinen Höhepunkt. Dieser "Investiturstreit" um 1100 prägte das Leben Norberts von Xanten.

Kirchenhistoriker Rolf Decot sprach in Magdeburg über Norbert von Xanten und die reformorientierte Zeit, in der er lebte

Die Auseinandersetzung zwischen Papst- und Kaisertum über die Einsetzung von Bischöfen (Investitur) hatte sich 1076 auf das Äußerste zugespitzt. Beide Parteien hatten ihr Gegenüber für abgesetzt erklärt, Papst Gregor VII. exkommunizierte seinen Widersacher Kaiser Heinrich IV. Der Bußgang des deutschen Kaisers im Januar 1077 zum Papst nach Canossa offenbarte, dass es dem weltlichen Herrscher an Unterstützung mangelte, und stärkte damit das reformorientierte Kirchenoberhaupt.

Die Einsetzung von Bischöfen war aber nur ein Problem, was neben Simonie (Ämterkauf) und Priesterehe im elften Jahrhundert gelöst werden sollte, schilderte Rolf Decot in einem Vortrag im Magdeburger Gemeindehaus St. Petri. Unter dem Titel "Glaube und Politik. Norbert von Magdeburg im historischen Umfeld seiner Zeit" informierte der Mainzer Kirchenhistoriker über die Rolle des Kanonikers Norbert in einer der größten kirchlichen Reformbewegungen.

Die Kirche im Hochmittelalter sollte grundlegend erneuert und von weltlichem Einfluss befreit werden. Diesen "Kampf um die rechte Ordnung", wie es Decot formulierte, erlebte auch der heilige Norbert von Xanten mit und wurde ein Anhänger dieser Reformbewegung.

Norbert schloss sich den Reformern an

Norbert war als Kind in einem Xantener Chorherrenstift aufgewachsen und bekam Zugang zum erzbischöflichen und sogar kaiserlichen Hof. Allerdings habe ihm die weltliche Lebensweise zunehmend missfallen. Er brach schließlich mit dem Kaiserhof Heinrichs V., auch weil durch das Reichsoberhaupt keine Einigung im Investiturstreit erzielt werden konnte, erklärte Decot. "Norbert war in kirchlichen Sachen Gregorianer", so der Historiker über den Anhänger des Reformpapsttums "und er stand vollkommen auf der Höhe seiner Zeit."

Diese "spirituell unglaublich lebendige Zeit" des 11. und 12. Jahrhunderts war auch geprägt von einer Eremiten- und Wanderpredigerbewegung, die noch grundlegendere Reformen im klösterlichen Bereich anstrebte. Nach einem dramatischen Bekehrungserlebnis 1115 verschenkte der Chorherr Norbert sein Geld und Gut und schloss sich dieser Bewegung an. Er scheiterte aber, seinen Xantener Stift zu reformieren, wanderte umher und predigte in Frankreich, sollte bald ein Kloster im Süden reformieren und scheiterte abermals an der Unwilligkeit der Kanoniker.

Der Bischof von Laon hatte wohl vom Papst den Auftrag erhalten, auf den eifrigen Wanderprediger in seinem Gebiet "aufzupassen", vermutet der Mittelalterexperte Decot. Er schenkte ihm Land für eine Klostergründung, aber die erhoffte Bodenständigkeit des Priesters blieb aus. "Er war ein unruhiger Zeitgenosse und reiste weiter umher", so der Geschichtsprofessor.

Als Erzbischof setzte Norbert Reformen durch

Der Ordensgründer der Prämonstratenser kam 1125 nach Rom, wo sich die Gregorianer durchgesetzt hatten, und erhielt alsbald "den ersten freien Bischofsstuhl", so der Historiker. Trotz dieser scheinbaren Wendung in seinem Leben setzte Norbert nun als Erzbischof von Magdeburg seine Klosterreformen durch. "Er hat in Magdeburg mit harter Hand regiert und machte sich unbeliebt", beschrieb Rolf Decot diese späte Zeit im Leben Norberts. Für den Kirchenhistoriker belegt es Norberts "Kontinuität im Grundanliegen der vita canonica".

Die Prämonstratenser zählen heute weltweit etwa 1300 Mitglieder in rund 70 Klöstern.

Die Reihe über den Patron des Magdeburger Bistums und seinen Orden wird fortgesetzt.

Informationen dazu: www.norbertjahr.de

Von Uwe Naumann

Aktuelle Buchtipps