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Organist, Rendant, Kommunionhelfer

Konrad Teuber engagiert sich seit mehr als 50 Jahren ehrenamtlich für seine Schkopauer Gemeinde

Schkopau. Ab Sonntag gehört die St.-Annen-Gemeinde Schkopau zusammen mit weiteren Gemeinden zur neuen Pfarrei St. Norbert Merseburg. Für Konrad Teuber, der die kleine Gemeinde besonders prägte und noch prägt, enden damit auch 50 Jahre, in denen er die Kirchenrechnung erstellte.

Konrad Teuber an der Orgel der Schkopauer Kirche. Foto: Uwe Naumann

Er spielt seit 55 Jahren Orgel, macht Küsterdienste, hält die Wort-Gottes-Feiern, spendet die monatliche Krankenkommunion, erstellte 50 Jahre die Kirchenrechnung, ist seit 30 Jahren im Kirchenvorstand und seit 25 Jahren Kommunionhelfer. Für Konrad Teuber scheinen diese Dienste selbstverständlich: "Ich bin im Pfarrhaus aufgewachsen", sagt der 69-Jährige, "da gehört das einfach dazu."

Im Zweiten Weltkrieg in der Grafschaft Glatz (heute Südpolen) geboren und später vertrieben, kam Teuber als Jugendlicher 1952 nach Gommern. Seine Mutter war Haushälterin bei Vikar Arnold Borgmeier. Der junge Konrad begann 1955 auf dem Harmonium zu spielen und mit dem Vikar "die Dörfer abzugrasen", erinnert sich der jetzige Rentner an die Anfänge seines Orgelspiels. Mit der Versetzung des Vikars 1956 nach Schkopau zogen dann auch die Teubers mit ins Pfarrhaus im Dunstkreis des Buna-Werkes.

Das riesige Chemie-Kombinat brauchte Tausende Arbeiter, die in etlichen Lagerbaracken um Schkopau herum wohnten. Unter ihnen waren rund 1500 Katholiken, was der 1948 gegründeten katholischen Gemeinde einen enormen Zulauf bescherte. Bis zum Mauerbau 1961 sei die Mitgliederzahl aber wieder auf etwa die Hälfte gesunken und auch die persönlichen Verbindungen zwischen Chemiewerk und katholischer Kirche seien durch die West-Flüchtlinge allmählich weggebrochen.

Mit der Erhebung zur Pfarrvikarie 1960 habe sich Konrad Teuber "gemeinsam mit dem Vikar in die Kirchenrechnung reingekniet", woraufhin der junge Mann zum Rendanten bestellt wurde. Schließlich sei es auch sein Berufswunsch gewesen, bei der Sparkasse zu arbeiten. Weil das aber nicht ging, lernte er Laborant und wurde Chemieingenieur im Buna-Werk.

Bis 1969 wohnte Teuber als rechte Hand des Pfarrers oder als "junger Pastor", wie er auch genannt wurde, im Schkopauer Pfarrhaus. Dann heiratete er seine Frau Gabriele, zog wenige Meter von der kleinen Holzkirche entfernt in ein eigenes Haus und bewährte sich dort als dreifacher Familienvater. In der St.-Annen-Gemeinde engagierte er sich zudem im Familienkreis, im Kirchenvorstand und als Kommunionhelfer.

Nach der Wiedervereinigung 1990 sei es für die Schkopauer Katholiken schwieriger geworden, so Konrad Teuber: Der Pfarrer ging in den Ruhestand, und die Pfarrstelle wurde nicht neu besetzt, viele Menschen zogen weg, hatten Probleme mit der Arbeit und blieben der Kirche fern. "Vom alten Familienkreis lebt keiner mehr und der junge", womit der Rentner lächelnd seine Generation meint, "ist auch nicht mehr. Es war kein Bedarf mehr da."

Heute gibt es noch etwa 200 Katholiken in Schkopau, davon sitzen etwa 30 sonntags in der Kirchenbank. "Viele fahren auch nach Merseburg zur Messe", beschreibt Teuber die örtlichen Verhältnisse. Er weiß, dass er allein die rückläufigen Mitgliederzahlen nicht stoppen kann. Trotzdem lobt der Merseburger Pfarrer Dietrich Letzner seinen jahrzehntelangen Einsatz. "Gemeinden hängen oft an solchen Einzelpersonen. Ohne ihn und seine Frau würde die Gemeinde kaum existieren."

Am Sonntag nun wird die St.- Annen-Gemeinde Schkopau feierlich mit in die neue Pfarrei St. Norbert Merseburg integriert. Für den Gottesdienst, bei dem Bischof Gerhard Feige zugleich junge Leute firmt, hat der ehemalige Chemieingenieur des Buna-Werks auch schon etwas Repräsentatives ausgesucht, was er dem Bischof überreichen möchte: "Plaste und Elaste." Und so, wie das Buna- Werk zwar von einem großen Konzern übernommen wurde, aber unter anderem Namen doch weiterexistiert, könnte die St.- Annen-Gemeinde vielleicht auch weiterleben - mit Konrad und Gabriele Teuber, aber zukünftig ohne eigene Kirchenrechnung.

Von Uwe Naumann

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