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Aus der Region

Papst will Rosenkranz neu beleben

Johannes Paul II. erwartet Impulse für den Frieden und die Familie

Vatikan - Es braucht Mut, für den Rosenkranz eine Lanze zu brechen. Papst Johannes Paul II. weiß, dass es um das Ansehen dieses Gebets nicht zum Besten bestellt ist. Dennoch hat er mit dem am 16. Oktober veröffentlichten Dokument "Rosarium Virginis Mariae" - "Der Rosenkranz der Jungfrau Maria" - den Zeitraum bis Oktober 2003 zum "Jahr des Rosenkranzes" erklärt und zugleich eine Verteidigung des betrachtenden Gebets vorgelegt, die durch die Bescheidenheit ihres Tons und ihren Innovationsglauben überrascht.

Johannes Paul II., in dessen geistlicher Praxis der Rosenkranz seit Kinderzeiten einen zentralen Platz einnimmt, knüpft an die Neubelebung dieses Meditationsgebets die Hoffnung auf Frieden und eine Erneuerung des geistlichen Lebens in den Familien. Der pastoralen Initiative räumt der Direktor des Missionswerks der Montfortaner, Pater Hermann Josef Jünemann, durchaus Chancen ein: Als Exerzitienbegleiter erfahre er, dass viele Christen das Gebet suchten, aber alleine Schwierigkeiten damit hätten. Das Rosenkranzgebet, das von den Montfortanern besonders gepflegt wird, sei leicht zu erlernen und vermittle durch die Christusbetrachtung den "zentralen Inhalt christlicher Spiritualität, dass der Christ Christus ähnlich wird". Pfarrgemeinden müssten "die ideologischen Scheuklappen ablegen und den Mut haben, das Gebet neu zu entdecken und zu institutionalisieren".

Auf welche Resonanz die Anregung des Papstes stößt, ist fraglich. Joachim Schwind, Sprecher der Fokolar-Bewegung in Deutschland, ist sich der "psychologischen Sperren" bewusst, die dem Rosenkranz selbst in geistlichen Gemeinschaften entgegenstehen. Er sei jedoch "froh über die ökumenische und biblische Fundierung" des Schreibens. Die Fokolar-Bewegung werde den Text auf seinen Gehalt "abklopfen". "Ich möchte nicht verschlafen, was der Papst vielleicht für einen Impuls für das geistliche Leben setzt." Dazu zählt der Wunsch Johannes Pauls II., die traditionellen Zyklen des Rosenkranzes, den "freudenreichen", den "schmerzhaften" und den "glorreichen", um einen weiteren mit fünf "lichtreichen" Geheimnissen zu erweitern. Mit diesen Ergänzungen - der Jordantaufe, der Hochzeit von Kanaa, der Reich-Gottes-Verkündigung, der Verklärung und der Einsetzung der Eucharistie - soll das Rosenkranzgebet ein innerliches "Mitgehen des Weges Christi" ermöglichen.

Offensichtlich antwortet Johannes Paul II. mit diesem Schreiben auch auf eine wachsende Nachfrage nach Mystik, die viele Christen "auf Grund geringen Wissens um die kontemplative Gebetstradition des Christentums" zu nichtchristlichen Quellen führe. Indessen unterstreicht der Papst die für das Christentum charakteristische Verbindung von Mystik und Politik. Die Christus-Meditation mache das "Antlitz Christi in den Brüdern" sichtbar und dränge dazu, die Probleme der Welt "mit den Augen der Verantwortung" zu sehen. Mit besonderem Nachdruck regt der Papst das Rosenkranzgebet für Familien und Jugendliche an. Nach den Erfahrungen der Weltjugendtage sei er sicher, dass die Jugend auch in diesem Punkt die Erwachsenen überraschen könnten. "Warum nicht ausprobieren?"

Burkhard Jürgens

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.10.2002

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