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Aus Lutherhalle wird Lutherhaus

Neue Dauerausstellung ab März

Wittenberg (epd) -Das laute Fräsen, Bohren und Hämmern hätte dem Reformator höchstwahrscheinlich missfallen. Martin Luther (1483 bis 1546) galt zwar als geselliger Mensch. Doch Ruhe und Besinnung soll er besonders im Garten hinter dem Wittenberger Haus gesucht haben, das für rund 40 Jahre sein Wohnsitz war. Nun aber gönnen sich die Handwerker kaum eine Pause. Nach fast zweijährigen Bauarbeiten wird das weltweit größte reformationsgeschichtliche Museum am Freitag wiedereröffnet. Eine neue Dauerausstellung ist ab März 2003 zu sehen.

Der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen- Anhalt, Stefan Rhein, läutet die neue Museums-Epoche mit einer Änderung des Namens ein. "Aus Lutherhalle wird Lutherhaus!", kündigt er energisch an. Nach der Einrichtung eines Museums war das Bauwerk ab 1883 "Lutherhalle" genannt worden. Rhein will sich von der alten Bezeichnung vor allem deshalb trennen, weil die künftige Schau nahezu im ganzen Gebäude gezeigt und die bisherige Ausstellungsfläche von 900 auf 1.800 Quadratmeter verdoppelt wird.

Die Kosten für den Umbau und die Sanierung beziffert der Direktor auf etwa fünf Millionen Euro. Für die neue Ausstellung mit modernsten Klima- und Sicherheitsanlagen sind weitere 2,7 Millionen Euro veranschlagt. Der Besuchereingang, ein Aufzug sowie Büros, Kasse, Garderobe und Toiletten befinden sich künftig in einem Neubau am Westgiebel. Neue Ausstellungsthemen sollen beispielsweise der Alltag der Familie Luther und die Wirkungsgeschichte des Reformators von 1546 bis in die Gegenwart sein, sagt Rhein.

Gezeigt werde im Rahmen des Rundgangs in einem besonderen Kinoraum auch eine Collage, die aus 14 Spielfilmen über Luther zusammengesetzt wurde. Als besondere Kostbarkeiten unter den insgesamt mehr als 1000 Exponaten kündigt Rhein illustrierte Bibelhandschriften aus dem 11. Jahrhundert sowie Original- Handschriften von Giordano Bruno und Friedrich Schiller an. Zudem würden Einblicke in die Vermarktung des Reformators während des 19. Jahrhunderts gegeben. Schließlich habe es damals in fast jedem Pfarrhaus Luther-Souvenirs wie Tassen, Spazierstöcke, Stickereien oder Büsten gegeben.

Bei den Bauarbeiten machten Experten einige archäologische Entdeckungen. So wurde der aus wabenförmigen Ziegeln bestehende Küchenfußboden Luthers, von dem rund vier Quadratmeter erhalten sind, freigelegt. Zudem förderten die Handwerker aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammende Kacheln, Haushaltsgegenstände, Kinderschuhe, Gefäße und farbiges Glas zu Tage. Sie fanden außerdem um 1505 entstandene Wandreste des ehemaligen Augustinerklosters, dessen Bestandteil das lutherische Haus ursprünglich war.

Bis zur Eröffnung der Dauerausstellung am 7. März 2003 bietet die Stiftung im Lutherhaus bauhistorische Führungen an. Verschiedene Exponate werden noch bis Ende dieses Jahres unter anderem im Wittenberger Cranachhaus und im Alten Rathaus präsentiert, bevor sie zum Wiederaufbau in das Museum zurückgebracht werden.

Insgesamt besteht der Fundus des Museums aus 20 000 Drucken, 15 000 Grafiken, 8000 Handschriften sowie 3000 Münzen und Medaillen. Zur Stiftung Luthergedenkstätten gehören neben dem Lutherhaus und dem Wittenberger Melanchthonhaus auch das Geburtshaus und das Sterbehaus Luthers in Eisleben. Die Museen sind seit 1997 Weltkulturerbe der Unesco.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.10.2002

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