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Aus der Region

Keiner Frage ausgewichen

Aus einem Gespräch zwischen dem Dresdner Bischof Joachim Reinelt und dem Journalisten Friedhelm Berg

Miteinander im Gespräch: Bischof Joachim Reinelt (links) und der Journalist Friedhelm Berger.

Dresden (mh) -"Leicht hat er es mir nicht gemacht", gesteht der Dresdner Bischof Joachim Reinelt. Dafür aber kann sich das Ergebnis sehen lassen, sind sich alle Beteiligten einig. Gemeint ist das Gespräch, das der Journalist Friedhelm Berger mit Bischof Reinelt geführt hat und das jetzt als Buch erschienen ist. "Im Gespräch" heißt eine Buchreihe des Augsburger St.-Ulrich-Verlages. Und der jüngste Titel heißt "Provokation und Aufbruch" und enthält das Interview zwischen Reinelt und Berger. Übrigens wurde in der vergangenen Woche noch ein zweiter Band vorgestellt: "Unter besonderem Schutz ...Familie im Kreuzfeuer" war das Thema des Gesprächs zwischen dem Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur (kna) Helmut S. Ruppert und dem Berliner Kardinal Georg Sterzinsky (siehe Seite 1). Ansonsten sind in der Reihe schon mehrere namhafte Amtskollegen von Reinelt und Sterzinsky vertreten, unter anderem die Kardinäle Miloslav Vlk (Prag) und Jean-Marie Lustiger (Paris).

Wir wollen Theologie ohne Fußnoten machen

"Theologie ohne Fußnoten" wolle man dem Leser mit dieser Reihe bieten, betonte Verlags-Geschäftsführer Dr. Dirk Hermann Voß. Und das Interesse daran scheint groß. Darauf ließ die Zahl der Teilnehmer bei der Dresdner Buchvorstellung schließen.

Dieses Interview zu führen und daraus das Buch zu machen, war anfangs für beide Seiten nicht ganz einfach. Das zeigte sich an diesem Abend. Friedhelm Berger, ehemaliger Chefredakteur der Münchner Boulevard- Zeitung "tz": "Auch ich hatte vor meiner ersten Begegnung mit Bischof Reinelt so meine Bedenken. Wie wird der Bischof auf das durchaus heikle Buchthema reagieren? Wird er den direkten, oftmals frotzelnden und mitunter sehr persönlichen Fragen eines knallharten Journalisten ausweichen und sich stattdessen in frommen Bibelsprüchen ergießen?", gesteht er im Vorwort seines Buches. Und Bischof Reinelt bekennt: "Ich habe mir öfter gewünscht, dass er andere Fragen stellt." Im Laufe des Gespräches aber änderten beide ihre Meinung. Berger: "Ich habe einen Bischof erlebt, den sich die Katholiken von heute nur wünschen können: unkompliziert, offen für jeden Dialog, ehrlich, verblüffend mitreißend in seinen Antworten, bescheiden im Auftreten ..." Und Bischof Reinelt stellte im Nachhinein fest: "Das waren die Fragen, die heute auf den Nägeln brennen." Dabei sei er keiner auch noch so unbequemen Frage ausgewichen, bestätigt sein Gesprächspartner: Bei der ein oder anderen Frage habe er zwar mal geschluckt, schließlich aber doch geantwortet -auch auf die Frage nach dem Umgang mit der eigenen Sexualität.

Die Flut hat gezeigt, dass das Evangelium lebt

"Deutschland, heidnisch Vaterland?", "Kirche raus aus dem Versteck!" oder "Bioethik: der Mensch als Hühnerei?" -das sind einige Themen, auf die die beiden in ihrem Buch zu sprechen kommen. Ein Schwerpunkt dabei sind die Erfahrungen aus der Wendezeit, aber auch die Erlebnisse im vereinten Deutschland. Welche Antwort kann Kirche auf die Herausforderung der Konsumtempel, der Spaßreligion und des Sexkultes geben? Bischof Reinelt fordert einen neuen geistigen Aufbruch aus dem christlichen Galuben. "Wenn es nicht bald diesen Aufbruch gibt, denn befürchte ich einen geistigen Zusammenbruch."

Hoffnungszeichen gibt es. Bischof Reinelt nennt sie zum Beispiel in seiner letzten Antwort, in der er im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe sagt: "Die Sachsen sind schlagartig zu Freunden geworden, die sich gegenseitig unter die Arme greifen. Da kann man nur sagen: Das Evangelium lebt. Nicht nur bei den Getauften, sondern der Geist der Liebe zum Nächsten hat die allermeisten ergriffen. Katastrophen können zeigen, wie viel Gutes im Menschen steckt. Hoffen wir, dass es nicht immer erst der Katastrophe bedarf, um uns zum Gutsein zu befreien."

Am Ende der Buchvorstellung erhielt dann der Bischof von dem Journalisten noch eine Antwort auf eine Frage, die ihn die ganze Zeit beschäftigt habe. Berger erzählte, welche Rolle der Glaube in seinem Leben spielt: Katholisch getauft und aufgewachsen sei er. Als Kind und Jugendlicher war er in der Kirche aktiv, habe aber später den Kontakt verloren. Jetzt gehe er wieder öfter zur Kirche -veranlasst auch durch das Gespräch, das er mit dem Bischof geführt hat.

Bischof Joachim Reinelt im Gespräch
mit Friedhelm Berger:
Provokation und Aufbruch,
Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2002,
ISBN 3-929246-83-X

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.10.2002

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