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Hoffnungszeichen in alten Schlossmauern

Orgelweihe in der St. Hubertuskirche in Hubertusburg

Die Orgel der Schlooskirche wird derzeit restauriert Wermsdorf / Hubertusburg (jak) - Junge Wermsdorfer Gemeindemitglieder können sich an keine Zeit mehr erinnern, zu der nicht für eine neue Orgel gesammelt wurde. So wurden noch bis zum Jahr 1989 20 000 Mark der DDR angespart und auf ein Konto der Bautzner Orgelbaufirma Eule überwiesen. Nach Einführung der D-Mark war dieses Konto nur noch die Hälfte wert und der Traum von der Orgel rückte wieder ein Stück weit in die Ferne. Das jetzt das lang Ersehnte Wirklichkeit wird, ist neben den vielen kleinen und großen Spendern - sie brachten bis heute zirka 49 000 Mark auf - dem Freistaat Sachsen zu danken, der die finanzielle Hauptlast als Eigentümer der Schlosskirche St. Hubertus trägt.
Wolfgang Trommer vom Staatshochbauamt Leipzig kam kürzlich nach Wermsdorf, um sich zusammen mit Pfarrer Christoph Eichler den Fragen von Journalisten zum neuen Instrument zu stellen. Dabei erinnerte Eichler unter anderem auch an das Engagement von Ursula Lehmann vom Schlossmuseum, die immer wieder für die Orgel warb und einen großen Teil der Spenden zusammentrug. Auf die juristischen Grundlagen nach denen Sachsen in der Verpflichtung ist, sich um die in seinem Eigentum befindlichen Kirchen zu kümmern, wies Wolfgang Trommer hin. Da ist zum einen der Vertrag zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Vatikan, und zum anderen die darauf aufbauenden Verträge der Pfarreien St. Hubertus in Wermsdorf, der Hofkirche in Dresden sowie den Pfarreien an den Schlosskapellen Pillnitz und Moritzburg. Die Verträge regeln unter anderem das Nutzungsrecht durch die katholische Kirche. Trommer betonte weiter, dass in Wermsdorf bisher die Kirchenfenster sowie Nebenräume saniert wurden. Die in den Kirchenbau investierten Gelder belaufen sich in den Jahren 2000 und 2001 auf zirka 620 000 Mark.
Mit der Rekonstruktion und Restaurierung des Mitte des 18. Jahrhunderts von Tobias Schramm aus Dresden gefertigten Instrumentes wurde die Bautzner Orgelbaufirma Eule beauftragt. Schramm schuf das Werk für die alte Dresdner Garnisonkirche. Bereits 1749 wurde die Orgel nach Schloss Hubertusburg gebracht, wo sie bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg spielbar war. Bei Plünderungen wurde fast die gesamte Mechanik zerstört, das Gehäuse beschädigt, sämtliches Pfeifenwerk ausgeräumt und die Balgbelederung durchschnitten. "Glücklicherweise", so die Firma Eule in einer Information, "blieben von allen Mechanikteilen je ein Beispiel bewahrt, so dass eine vollständige Rekonstruktion der Mechanik möglich ist. Vom Pfeifenwerk fanden wir nach gründlichem Suchen zwei zerstörte Metallpfeifen, des Weiteren existieren noch 21 Holzpfeifen von ehemals 100 Stück." Nach Fertigstellung soll die Hubertusburger Orgel mit ihren über 500 klingenden Pfeifen wieder so klingen wie im Jahr 1749. Insgesamt belaufen sich die Kosten für die Orgel auf zirka 350 000 Mark.
Die katholische Schlosskirche gehört trotz ihrer derzeit noch vorhandenen baulichen Mängel zu den schönsten des Freistaates. Nach ihrer Fertigstellung wurde sie seit dem 5. Oktober 1747 - mit Unterbrechungen während des Nationalsozialismus und nach dem Zweiten Weltkrieg - regelmäßig von katholischen Christen genutzt. Auch die Plünderung des Schlosses Hubertusburg im Siebenjährigen Krieg und die Befreiungskriege überstand die Kirche unbeschadet. Da die Wettiner nach dem Tod des Kurfürsten Friedrich August II. das Interesse an Hubertusburg verloren, folgten in den übrigen Schlossräumen Nutzungen als Landesgefängnis, Frauenarbeitshaus sowie Hospital- und Landeskrankenhaus.

Für die kirchliche Entwicklung in der Region war Hubertusburg in all den Jahren ein fes-ter Punkt und eine gute Ausgangsbasis. Erinnert sei an dieser Stelle an den 1850 von Kap-lan Eduard Machaczek gegründeten Katholikenverein. In ihm sollten sich die katholischen Christen des Pfarrgebietes enger zusammenschließen. Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche für viele Heimatvertriebene ein neues geistliches Zuhause. Heute, so Pfarrer Christoph Eichler, unterscheidet sich das katholische Leben nicht von anderen Gemeinden. Und leider zieht die Jugend oft weg, dorthin wo es Ausbildung und Arbeit gibt. Dennoch gibt es Hoffnungszeichen. So kann Pfarrer Eichler auf erstaunlich viele Kinder verweisen, die mit ihren Eltern im Pfarrgebiet wohnen. Besonders engagiert sind dabei die Muttis, die sich in einem Kinderpastoralkreis zusammenfanden. Zudem kommen immer wieder gerne Kinder- und Jugendgruppen ins Hubertusburger Pfarrhaus.

Wie es mit dem Schloss selbst weitergeht, ist leider noch offen. Wolfgang Trommer vom Staatshochbauamt hat die Hoffnung, dass die alten Mauern neben dem kleinen Museum einst das Landesarchiv beherbergen können. Bis dahin ist es sicher ein noch langer Weg. Die ersten Schritte sind jedoch gegangen, so erhielt die gesamte Anlage ein neues Dach, in diese Instandsetzung flossen allein 14 Millionen Mark. Sicher wird auch die neue Orgel dafür sorgen, dass Hubertusburg nicht mehr länger das vergessene Schloss bleibt. Pfarrer Eichler berichtet, dass daran gedacht ist, regelmäßig Orgelmusiken mit einem geistlichen Wort anzubieten.

Orgelweihe mit Bischof Joachim Reinelt ist am Pfingstmontag um 10 Uhr, im Anschluss Firmung.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 19 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 10.05.2001

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