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Spezial

Wie der Wein ins Elbtal kam

Am Wegesrand: "Zisterzienser und der Wein" ist das Thema einer Sonderausstellung in der Hoflößnitz

Am Elbhang gelegen: Im Schloss Hoflößnitz in Radebeul bei Dresden wird in vielfältiger Weise an den Weinbau und den Weingenuss herangeführt.

Am Anfang stand die Überlegung, wie der Wein ins Elbtal kam. Urkunden belegen, dass das Zisterzienserkloster Altzella -im Mittelalter Hauskloster und Begräbnisstätte der Wettiner -über einige Weinberge in der heutigen Ortslage von Radebeul sowie an anderen Orten -bei Meißen und in der Nähe von Leitmeritz -verfügte. Grund genug für die Leute vom Schloss Hoflößnitz in Radebeul, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Leiterin Ingrid Zeidler -sie hatte die Idee und begleitete das Projekt -machte sich zusammen mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Mike Huth auf den Weg um alle Klöster, die mit Altzella in Verbindung standen, zu besuchen und um dort zu schauen, welche Bedeutung der Wein für sie hatte und hat. Heraus kam die Ausstellung "Kutte und Kelter -Die Zisterzienser und der Wein", die bis zum 3. September im Kavaliershaus von Schloss Hoflößnitz gezeigt wird. Die museale Gestaltung übernahm Matthias Blumhagen.

Altzella ist das vorletzte Kloster in einer Reihe von Gründungen, die auf das Kloster Morimond -welches wiederum 1115 von Citeaux aus gegründet wurde -in Frankreich zurückgehen. Weitere Stationen waren dann Kamp (1123), Walkenried (1129) und Pforta (1132). Altzella wurde 1175 gegründet, erste Nachrichten über den Weinbau gibt es für dieses Kloster um das Jahr 1185 herum.

Auf ihrer Fahrt machten Ingrid Zeidler und Mike Huth die Erfahrung, dass Klöster nicht außerhalb der Welt stehen und das wirtschaftliche Dinge bis heute eine wesentliche Rolle beim Erhalt dieser Gemeinschaften spielen. Andererseits erlebten sie die noch besiedelten Klöster wie das um 1900 von Trappisten wiederbelebte Citeaux, das Karmeliterkloster Kamp oder das ebenfalls besuchte Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich als Orte mit einem ganz besonderen Klima, das ihnen ein Gefühl des Aufgehobenseins vermittelte. Ingrid Zeidler berichtet weiter: "In den Begegnungen mit den Mönchen erfährt man keine Einordnung, es geht nicht um irgendeinen Rang sondern um den Menschen."

Ingrid Zeidler ist der Meinung, dass die religiöse Seite in der heutigen Welt durch Begegnung und die Kenntnis darum an Bedeutung gewinnen wird. Was für sie auch ein Grund war, das Ausstellungsprojekt zu verwirklichen. Begleitend zum Thema haben die Besucher weiter die Möglichkeit, sich über ein Video an die Lebensweise der Zisterzienser gestern und heute anzunähern. Neben den bereits genannten Klöstern geht es unter anderem auch um die einzige Tochter von Altzella, das Kloster Neuzelle mit seinem erst kürzlich neu aufgerebten Weinberg, sowie um die beiden Frauenklöster St. Marienstern und St. Marienthal im Bereich des Bistums Dresden-Meißen. Das Schloss Hoflößnitz wird heute von einer Stiftung verwaltet, die von der Stadt Radebeul gegründet wurde. Aufgaben sind unter anderem der Gesamterhalt der Anlage als Weingut, der Weinbau sowie die Öffnung für Besucher. Ingrid Zeidler betont: "Die Hoflößnitz soll als lebendiges Kulturdenkmal von Rang erhalten werden." Anerkennung erfährt die Stiftung und ihr Konzept durch den Kulturraum Elbtal, der Schloss Hoflößnitz unterstützt.

Abschließend noch ein Blick in die Geschichte. Von 1401 bis 1886 ist die Anlage mit dem sächsischen Herrscherhaus Wettin verbunden: Markgraf Wilhelm der Einäugige erwarb damals das Presshaus in der Lößnitz. Kurfürst Johann Georg I. ließ schließlich das Berg- und Lusthaus -das heutige Schloss -erbauen. Auch sein Sohn, Kurfürst Johann Georg II. fand Gefallen am Anwesen, feierte hier jährlich die Weinlese und nutzte das Schloss zu repräsentativen Zwecken. Die Bemalungen der Gemächer und des Saales im ersten Obergeschoss haben sich bis heute erhalten. Eine Besonderheit sind Deckenmalereien im Saal. Auf 80 Tafeln werden brasilianische Vögel gezeigt. Einen weiteren Höhepunkt mit Festlichkeiten erlebte die Hoflößnitz unter August dem Starken und seinem Sohn Kurfürst August III.. 1834 wurde die Anlage in ein Staatsweingut umgewandelt. Nach der Reblauskatastrophe übernahm der russische Generalmajor Fürts von Suckanoff-Podkolzine das Grundstück. Aus seinem Besitz gelangte es schließlich zuerst an einen Heimatverein und schließlich in kommunalen Besitz.

Holger Jakobi

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 29 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 18.07.2002

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