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Aus der Region

Es geht um mehr als Unterhaltung

Ausbildung von Drehbuch-Autoren

Die Katholische Medienakademie veranstaltet seit zehn Jahren "Fernseh-Autoren-Werkstätten". Talentierte Frauen und Männer lernen hier das Schreiben von Drehbüchern (siehe Bericht). Zu den Mitinitiatoren gehört Jesuitenpater Dr. Eckhard Bieger, der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für ZDF und Kinderkanal.

Frage: Pater Bieger, warum bildet die Kirche Drehbuch-Autoren aus?

Bieger: Die Fernsehsender investieren in Filme und Serien das meiste Geld und bringen dafür die meiste Sendezeit auf. Mit den "Fernseh-Autoren- Werkstätten" versuchen wir, diesen Bereich mitzugestalten. Wir bilden Autoren aus, die zumindest etwas vom christlichen Menschenbild vermitteln wollen. Wenn sie darüber hinaus in Filmen oder Serien versuchen, die religiöse Dimension darzustellen, ist das natürlich noch besser. Aber das ist nicht immer möglich und schon gar nicht einfach. Solange es Leute gibt, die auf diesem Hintergrund an unseren Autoren-Werkstätten teilnehmen, sollte die Kirche diese Chance nutzen und sie unterstützen.

Frage: Sie sprechen von einer Chance. Kritiker werden entgegnen, die Ausbildung von Drehhbuch-Autoren sei keine Aufgabe der Kirche. Was antworten Sie auf diese Kritik?

Bieger: Vordergründig sehen sich die Zuschauer eine Serie an, weil sie sich unterhalten lassen wollen. Aber es geht um mehr als nur Unterhaltung. Die Unsicherheiten des modernen Lebens, das tägliche Hin und Her erzeugt für den Einzelnen ein hohes Maß an Orientierungsbedarf. Aus Umfragen wissen wir, dass viele Menschen die Serien auch deshalb sehen, weil sie für ihr Leben Orientierung suchen. Die Hälfte des Inhalts einer Serie, vor allem die Tiefenschärfe in der Darstellung der menschlichen Wirklichkeit, hängt vom Drehbuchautor ab. Die Serien mit dem riesigen dazugehörigen Apparat werden von den Fernsehsendern finanziert. Dafür müssen wir als Kirche keinen Pfennig einsetzen. Aber wir können über diese Serien etwas von unserem Verständnis vom Menschen, von unseren Werten transportieren, wenn wir die Autoren ausbilden. Wenn die Kirche sagt, das ist nicht unsere Aufgabe und das ist uns egal, dann brauchen wir uns auf der anderen Seite auch nicht über das schlechte Programm zu beklagen.

Frage: Also künftig mehr kirchliche Verkündigung über Filme und Serien als über das "Wort zum Sonntag" und die Gottesdienst- Übertragungen, weil diese Verkündigungssendungen sowieso in der Krise stecken?

Bieger: Die Polemik kommt nach meiner Beobachtung aus der Kirche selbst. Die öffentlich- rechtlichen Anstalten planen keine Abschaffung des "Wort zum Sonntag" oder der Gottesdienst-Übertragungen. Wer sich heute das "Wort zum Sonntag" ansieht, der will es auch tatsächlich sehen. Wer es nicht sehen will, zappt innerhalb weniger Augenblicke auf einen anderen Sender und schaltet erst wieder zurück, wenn die Sendung kommt, die ihn interessiert. Was die Gottesdienst-Übertragungen -beim ZDF bin ich dafür zuständig -betrifft, kann ich sagen: Im Vergleich zum Anfang der 90er Jahre hat sich die Zuschauerzahl verdoppelt. Viele, die sich heute einen Gottesdienst im Fernsehen ansehen, tun das nicht, weil sie aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht selbst in die Kirche gehen könnten. Es sind vielmehr Leute, die sich neu für Religion interessieren. Hier liegt für die Kirche ein riesiges Potential. Die Tatsachen sprechen also gegen die innerkirchliche Polemik. Die Kirche sollte die Chancen nutzen und noch mehr in die Verkündigungsendungen investieren. Übrigens: Auch aus Verkündigungssicht spricht etwas für das Engagement bei Serien und Fernsehfilmen. Jüdische und christliche Religiosität wird wesentlich durch das Erzählen von Geschichten vermittelt. Das Grundbuch beider Religionen ist die Bibel und die zentralen Texte der Bibel sind Erzählungen. Wenn ein Autor aus dieser Inspiration heraus einen Film macht, kann das durchaus Verkündigung sein. Wie erfolgreich das sein kann, zeigt die große Reihe der Bibelverfilmungen in den letzten Jahren, die weltweit ein Millionenpublikum gefunden haben.

Frage: Kirchliche Radiosender gibt es inzwischen. Was halten Sie von einem eigenen katholischen Fernsehsender, wie ihn jüngst der Kölner Kardinal Joachim Meisner angeregt hat?

Bieger: Im Hörfunkbereich haben Radio Vatikan oder auch das Kölner Domradio ihre Berechtigung. Was das Fernsehen betrifft, wird man von der Kirche ein eigenes Spartenprogramm erwarten, wenn es einmal 100 oder gar 500 Fernsehsender gibt. Hier sollten sich die Verantwortlichen aber keinen Illusionen hingeben. Das Problem ist die Finanzierung, die von der Kirche kaum zu bewältigen ist. Eine Finanzierung über Gebühren scheidet aus, denn diese Gelder gehen an ARD und ZDF, die dafür die Verpflichtung haben, Religion ins Programm zu nehmen. Wer einen eigenen Kirchenkanal will, muss eine halbe bis eine Milliarde Euro mitbringen, die das jährlich kostet. Dieses Geld wird man anderswo wegnehmen müssen. Natürlich gibt es Möglichkeiten, die Kosten zu reduzieren, indem man beispielsweise Beiträge der öffentlich-rechtlichen Sender ausstrahlt oder Beiträge aus dem Ausland übernimmt. Denkbar wäre auch eine Finanzierung durch Werbung. Hier gibt es aber gegenwärtig schon eine Krise, die sogar in absehbarer Zeit noch zum Ende des ein oder anderen privaten Fernsehsenders in Deutschland führen könnte. Es stellt sich also die Frage nach den kirchlichen Prioritäten. Ich glaube, die Verantwortlichen in der Bischofskonferenz wollen den bisherigen Weg weitergehen. Ein Spartenkanal wird irgendwann kommen, aber er wird kein vorrangiges Investitionsprojekt der Kirche sein.

Fragen: Matthias Holluba

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 29 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 18.07.2002

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