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Besonders geprägt vom Erlebnis Weltkirche

Andreas Kutschke aus Dresden studierte ein Jahr in Rom

Andreas Kutschke: Auch bei Ungetauften großes Interesse und Offenheit.

Obwohl die Kirche und vor allem ihr karitatives Wirken von Anfang an ganz selbstverständlich zu seinem Leben gehörten -die Entscheidung, Priester zu werden, hat Andreas Kutschke relativ spät getroffen. Am 7. November 1973 geboren, ist er im Umfeld des katholischen Altenpflege- und Kindererholungsheim in Thammenhain (Pfarrei Wurzen) aufgewachsen. Ordensschwestern, ein Hausgeistlicher und der Dienst als Messdiener waren so für ihn von Kindheit an selbstverständlich. Genauso selbstverständlich waren für ihn zumindest noch teilweise die typischen Erfahrungen, die viele Christen in der DDR gemacht haben: Keine Jugendweihe -kein Abitur.

Die Wende kam da gerade rechtzeitig: Ein befreundeter Priester gab Andreas Kutschke den Rat, im Spätberufenenseminar im Fockenfeld das Abitur zu machen. Als er -als erster Ostdeutscher -dorthin ging, gab es die DDR noch. Die volkskirchliche geprägte Oberpfalz, Mitschüler, die ganz klar auf dem Weg zum Priestertum waren, die jährlichen Primizfeiern der Neupriester, die dieses Seminar einmal besucht haben -das alles führte ihn zwangsläufig zur Auseinandersetzung mit der Frage: Ist der Priesterberuf etwas für mich? Und nach vier Jahren Fockenfeld hieß die Frage konkret: Soll ich ins Priesterseminar gehen?

Ist es wirklich Berufung oder war es nur die besondere Atmosphäre des Hauses? Um Klarheit darüber zu bekommen, absolvierte Andreas Kutschke ein "Kontrastprogramm": ein Jahr Grundwehrdienst bei der Bundeswehr. Anschließend ging er ins Priesterseminar Erfurt. Besonders geprägt hat ihn 1997/98 ein Jahr, das er in Rom verbracht hat. Und die Eröffnung des Heiligen Jahres 1999, bei der er als Helfer dabei war. "Das Erlebnis Weltkirche, die vielen Aufbrüche, die es überall gibt -das relativiert manches Problem vor Ort."

Die ostdeutsche Diaspora erlebte Andreas Kutschke als Praktikant in Leipzig-Connewitz und als Diakon in Chemnitz St. Josef. Am Montessori-Schulzentrum in Leipzig unterrichtete er Religion auch für Nichtchristen. Die Probleme fangen dabei schon mit der "binnenkirchlichen Sprache" an. Eine Beispiel: "Auf den Satz, Martin Luther habe die heilige Anna angerufen, hieß die Reaktion eines Schülers: ,Wie? Hatte Luther ein Handy?'"

Die Mitarbeit in der offenen Kinder- und Jugendarbeit des Don-Bosco-Hauses war ein Schwerpunkt seines Diakonates in Chemnitz: "In einem solchen Ausmaß habe ich die sozialen Probleme nicht erwartet. Das war für mich anfangs schon schockierend." Dem stehen die positiven Erfahrungen gegenüber, die er bei den Gesprächen mit den meist ungetauften Kindern und Jugendlichen gemacht hat: "Keine Spur von Ablehnung -statt dessen große Offenheit und viel Interesse."

Übrigens: Nicht nur für seinen Weg zur Priesterweihe war der einjährige Romaufenthalt wichtig. Auch für eines seiner Hobbys hat er dort wichtige Erfahrungen sammeln können: "Ich koche gern -am liebsten italienisch."

mh

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 20 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 16.05.2002

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