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Zdislava, ein Vorbild lebendigen Glaubens

In Nordböhmen erinnern Schloss Lämberg und das Kloster in Deutsch Gabel an die heilige Zdislava

Die heilige Zdislava: Fürsprecherin für Tschechen und Deutsche

Eigentlich hätten die Waldsteins die Laurentiuskirche über dem Grab der heiligen Zdislava in Deutsch Gabel bauen müssen. Doch da man annahm, dass Zdislava zur Familie Berka von Dubá gehörte, machten sich diese in der Barockzeit an den Neubau. Heute aber weiß man, dass Zdislava mit den Waldsteins verwandt ist. Entworfen wurde die von Frantisek Antonin Berka von Duba in Auftrag gegebene Kirche durch den Architekten Johann Lucas Hildebrandt aus Wien. Der Bau selbst wurde durch zwei italienische Baumeister ausgeführt. Frantisek Antonin selbst erlebte die Fertigstellung ebenso wenig wie seine Schwester und Alleinerbin. Erst 1729 konnte die Kirche eingeweiht werden. Heute ist der Dominikanerorden nach Deutsch Gabel zurückgekehrt. Ihm obliegt somit die Pflege des Andenkens der heiligen Zdislava, die das Kloster einst gründete und die dem Orden als Tertiarin angehörte. Es wird überliefert, dass Zdislva einst selbst mit Hand an den Bau legen wollte, was sie nachts tat, um die Bauarbeiter nicht zu stören.

Die heilige Zdislava gehört in den "tschechischen Himmel" genauso wie Wenzel, Johannes Nepomuk oder Agnes von Prag. Und obwohl sie erst am 21. Mai 1995 heilige gesprochen wurde, riss die Verehrung in all den davor liegenden Jahrhunderten nicht ab. Besonders das Volk erinnerte sich immer wieder an die Heilige. Man pilgerte zum Grab, suchte und fand ihre Fürsprache.

Zdislavas Heimat ist Mähren. Seit frühester Jugend entwickelte sie ein besonders religiöses Leben und hatte den Wunsch, Ordensfrau zu werden. Ihr Bestimmung lag jedoch darin, Ehefrau und Mutter zu werden. In der Gegenwart wird besonders auf dieses beispielhafte Familienleben verwiesen. Sie lebte als Burgherrin und Heilige auf Lämberg in Nordböhmen. Verheiratet war Zdislava mit dem Ritter Havel aus dem Geschlecht der Markwartinger. Vier Kindern schenkte sie das Leben. Sie sorgte sich um ihre Standesaufgaben und verlor dabei niemals ihre tiefe christliche Prägung. Dabei gehörte für sie die Sorge für die Armen genauso zum Glauben, wie ihr stetiges Bemühen um seine theologische Vertiefung. Wie die heilige Elisabeth von Thüringen sah Zdislava in den Armen Jesus Christus selbst. So wurde auch ihr die Nächstenliebe zum täglichen Programm. Zdislava war erfüllt von einer grenzenlosen Liebe zu Gott und zu den Menschen. Darin lag die Triebfeder für ihr Beten und Handeln. Stationen aus ihrem Leben, die dies veranschaulichen, wurden in der Barockzeit gemalt. Sie befinden sich heute in der Gruft der heiligen Frau.

Für die tschechische Kirche ist die heilige Zdislava heute sehr wichtig. Ihrer Verwirklichung eines Lebens nach dem Evangelium inmitten von Alltag und Familie wird beispielhaft betont. Ebenso wird unter anderem darauf hingewiesen, dass sich die heilige Frau den geistigen Strömungen ihrer Zeit anschloss. Die dominikanische und die franziskanische Spiritualität prägten ihr Leben, ließen ihr Christentum zeitgemäß werden. Die Christen werden eingeladen, sich vom Geist Zdislavas anstecken zu lassen. Sie sollen ihrem Vorbild gemäß nicht nachlassen, Gott und die Menschen zu lieben und sind eingeladen, sich aus diesem Geist in der Gesellschaft zu engagieren. Ebenso verehren zahlreiche katholische Christen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Sudetenland vertrieben wurden die heilige Zdislava. Somit wurde sie zu einer grenzüberschreitenden Heiligen, die beide Völker einen kann. Unter anderem war ihr Grab so Ziel der Teilnehmer des jüngsten Treffens der Ackermanngemeinde.

Holger Jakobi


Gebet: Gott, durch dich wurde Zdislava zu einer wahren Christin. Lass auch uns nicht nachlassen, dich zu suchen. Gib, dass sich die Familien erneuern, indem sie ihrem Beispiel folgen. Durch Christus unsern Herrn. Amen. Wir bitten die heilige Zdislava um ihre Fürsprache, besonders im Anliegen um die Versöhnung und die Zukunft von Tschechen und Deutschen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 18 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 02.05.2002

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