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Aus der Region

Doch nicht unheilbar religiös?

Religiöse Situation in Ostdeutschland war Thema beim Forum in Schmochtitz

Schmochtitz (mh) -Sieht die religiöse Situation in Europa künftig so aus, wie sie sich heute schon im Osten Deutschlands darstellt? Zwar ist die Antwort offen, dennoch beschäftigten sich die Teilnehmer des zehnten Forums für schulischen Religionsunterricht in Schmochtitz (Bericht oben) einen halben Tag lang mit Ostdeutschland. Schließlich gehe es nicht darum, das Bild von Religionsunterricht der Zukunft zu idealisieren, sondern um eine realistische Sicht, betonte der Präsident des Forum, Ernst Blöckl. Eingeladen waren deshalb zwei Experten für Religion und Kirche in Ostdeutschland: der Theologe Eberhard Tiefensee und Dompfarrer Reinhard Hauke, beide aus Erfurt.

In Westeuropa gebe es neben Katholiken und Protestanten inzwischen als dritte Konfession die "Konfessionslosen", denn: "Ostdeutschland ist so areligiös, wie Bayern, Polen oder Spanien katholisch ist", sagt Tiefensee. Entgegen der Behauptung, dass der Mensch unheilbar religiös sei, mache er auch zwölf Jahre nach der Wende die ostdeutsche Beobachung, "dass das gesellschaftliche Leben ohne Religion funktioniert" und dass der einzelne Mensch in religiöser Hinsicht auch kein Defizit bemerke. Selbst Grenzsituationen bildeten keinen Anlass zu religiöser Ein- und Umkehr.

Mit Blick auf den pastoralen Umgang mit dieser Situation warnte Tiefensee vor der "Abwertung der anderen Seite: Die These, dass mit schwindender Religiosität auch ein Werteverfall einhergehen, ist bisher nicht bestätigt." Nötig sei deshalb eine Neubesinnung auf die Funktion von Religion in der modernen Gesellschaft: Die Kirche sei "nicht dazu da, die Volksmoral zu heben". Ihre Aufgabe bestehe darin, den "Blick auf die unverfügbare Dimension von Wirklichkeit offen zu halten". Tiefensee warnte zugleich vor Globalprojekten wie der "oft beschworenen Neuevangelisierung Europas". Sie lägen außerhalb der Kräfte. Besser sei stattdessen, es auch im Umgang mit der Konfession der Konfessionslosen mit einer Art Ökumene zu versuchen.

"Die Seelsorge soll hilfreiche Angebote für alle Menschen guten Willens machen." Das ist eines der Leitmotive für das Handeln des Erfurter Dompfarrers Hauke. Mit seinen so genannten "Erfurter Projekten" hat er bundesweite Beachtung gefunden. Neben dem nächtlichen Weihnachslob für Nichtchristen am Heiligabend und der so genannten Lebenswendefeier für ungetaufte Jugendliche als Alternative zur Jugendweihe gehören dazu auch ein ökumenischer Segnungsgottesdienst für Paare am Valentinstag und ein monatliches Totengedenken. Die Kirche habe eine Fülle von Heilszeichen, die persönlich zugesprochen werden können. "Das ist das, was die Menschen suchen", fasste Hauke seine Erfahrungen zusammen. Basis der Erfurter Projekte sei dabei auch die Erkenntnis, "dass die Menschen nach authentischen Zeugen suchen, die ihnen helfen, das Leben zu deuten". Glaubensweitergabe sei immer dann erfolgreich gewesen, wenn sich die Missionare mit der Kultur, dem Denken und den Wünschen der Menschen auseinandergesetzt hätten.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 15 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 12.04.2002

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