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Bistum Erfurt

Auf der Suche nach Zeichen im Menschen

Die abstrakte Kunst von Franz Bernhard versucht Aussagen über die Religion zu finden

Gestürztes Kreuz: Das Werk Franz Bernhards vereint Stabiles und Zerbrechliches. Das Leben ist aufrechte Bewegung, aber auch Verfall und Vergänglichkeit.

Erfurt (as) -Die Werke des Künstlers Franz Bernhard sind keine leichte Kost. Seine Skulpturen, aus Holz und Eisen hergestellt, wirken abstrakt und unwirklich. Dennoch ist Bernhard immer auf der Suche nach "menschlichen Zeichen", die aber gerade die Schwierigkeiten darstellen: "Formprobleme", wenn es um den Menschen geht.

Unter dem Titel "Kunst und Religion im Gespräch" lud das Katholische Forum am 21. März zu einer "Annäherung" an die Werke Franz Bernhards ein, die in der Kunsthalle der Landeshauptstadt zu sehen waren. Mit dabei: Der Erfurter Fundamentaltheologe Michael Gabel, der sich in seinem Denken auch von Franz Bernhard inspirieren lässt. Vor allem um "Aspekte christlich- ethischer Deutung" ging es in dem Dialog zwischen den Kunstliebhabern.

In der Tat sind Bernhards Skulpturen gewöhnungsbedürftig -eine Kunst, die zunächst nicht gerade zum Betrachten einlädt: "Als ich das erste Mal eine Figur Bernhards sah, war ich sprachlos", gesteht dann auch Kai-Uwe Schierz von der Kunsthalle in Erfurt. Die Figuren seien nichts Gegenständliches und es falle auf, "dass das Menschliche schwer zu finden ist".

Im Mittelpunkt steht der Mensch

Dennoch ist der Mensch das Thema:: "Die Figuren verzichten auf den Sockel und damit auf ihre Schutzfunktion", erläutert Schierz. Damit versuche der Künstler außerdem, sein Werk mit dem Betrachter auf eine Ebene zu stellen: "Die Voraussetzung für den Dialog".

Franz Bernhard, 1934 in Böhmen geboren, zählt zu den bedeutendsten Bildhauern der Gegenwart. Er ist nicht nur in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten, sondern mit großformatigen Stahlskulpturen auch im öffentlichen Raum präsent. Bernhard ist Einzelgänger -weit abseits von den großen Kunstzentren arbeitet er seit 1972 in einem kleinen Dorf in der Oberpfalz. Was man seinen oft als "Figuren" betitelten Skulpturen nicht ansieht, erschließt sich erst in der Deutung: Ausgangspunkt ist der Mensch. "Seine Figuren", sagt Kai-Uwe Schierz, "variieren menschliche Grundformen von Haltungen wie Stehen, Sitzen, Liegen". Mit der abstrakten Figur versuche der Künstler neue Aussagemöglichkeiten zur menschlichen Existenz, die er als Körper- Raum-Beziehung formuliere. Was aber ist das christliche -oder vorsichtiger das religiöse -Moment im Werk des Künstlers? Abgesehen von der Formgebung, die Stabiles und Zerbrechliches vereint, sind die Materialien, Metall und Holz etwas "Ursprüngliches", "das, woraus die Welt besteht". So versucht sich Professor Michael Gabel der Kunst Bernhards zu nähern. In der Terminologie des deutschen Philosophen Martin Heidegger ist der Mensch in seine Existenz "geworfen". "Dort, wo er tätig ist, gestaltet er die Welt", so Gabel. Die Materialien, die der Künstler verwende, geben -wieder im Sinne Heideggers -etwas vom menschlichen Dasein wider: Alte Eisenbahnschwellen, altes Bauholz, Stoffe also, die ihre Zeit gehabt haben, die aufrechte Bewegung, aber auch den Verfall und das Vergängliche zeigen. In der Skulptur "Gestürztes Kreuz" wird diese Deutung besonders sichtbar -das Kreuz symbolisiert nicht nur Lebenswege, sondern selbst das Scheitern des Gottessohnes auf dem Weg zur Schädelstätte -seit dem Mittelalter ein beliebtes Motiv in der christlichen Ikonographie. Gabel: "Das entscheidend Christliche ist hier das vollzogene Scheitern, ohne aber dass es das Ende darstellt." Die Kunst Bernhards lade somit ein, sich auf das Scheitern, aber auch auf das Leid einzulassen, ohne dies als das Ende und als den Schlusspunkt zu verstehen.

Plastik, Zeichnung und Radierung -das sind die Medien mit denen der Künstler dem Menschen auf der Spur ist und die sich im Laufe seines Schaffens beeinflusst haben. Franz Bernhard sagt über seine Kunst: "Jede Epoche der Geschichte fand ihren ureigenen Ausdruck. Das muss auch für unsere Zeit möglich sein."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 13 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 29.03.2002

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