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Aus der Region

Ostern in Weimar: Nicht ohne Goethe

Thüringer Bräuche in der Osterzeit

Weimar (mh) -Welche Tradition begründete Johann Wolfgang von Goethe am Gründonnerstag in Weimar? Was haben Huhn, Storch und Kuckuck in Thüringen mit den Ostereiern zu tun? Und warum wird Ostern in jedem Jahr an einem anderen Termin gefeiert? -Antworten auf diese Fragen und noch viel mehr interessante Hintergründe zur Kar- und Osterzeit und ihren Bräuchen erfährt in diesen Tagen der Besucher des Stadtmuseums Weimar. "Osterbräuche in Thüringen und anderswo" heißt eine kleine Ausstellung, die Renate Ragwitz zusammengestellt hat.

"Viele Bräuche rund um das Osterfest sind heute noch lebendig oder wurden in den letzten Jahren wieder belebt", sagt Frau Ragwitz. Die Hintergründe aber seien häufig in Vergessenheit geraten -vor allem auch dann, wenn sie etwas mit Christentum und Kirche zu tun haben. Hier will die Ausstellung Wissen vermitteln. Vor zwei Jahren gab es bereits eine ähnliche Ausstellung über Weihnachtsbräuche. "Das hat uns gezeigt, wie notwendig diese Art der Wissensvermittlung ist", sagt Frau Ragwitz. "Jetzt weiß ich endlich, was es mit dem Nikolaus oder was es mit den Barbarazweigen auf sich hat" -das waren damals Reaktionen, die sie oft von Besuchern gehört habe.

Viele Ostdeutsche wissen nicht mehr, dass Ostern das höchste Fest der Christenheit ist. Dass es an die Stelle eines germanischen Frühlingsfestes getreten ist, dürfte vielen genauso unbekannt sein wie der Grund für den Wechsel des Ostertermins: Er hängt damit zusammen, dass Ostern am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert wird, der im heute gebräuchlichen Sonnenkalender jeweils auf einen anderen Tag fällt.

Viele auch heute noch übliche Osterbräuche gehen auf vorchristlich- germanische Zeiten zurück, erklärt Renate Ragwitz. Beispiele sind das Osterfeuer, das mit seinem Licht und seiner Wärme die noch schwache Frühlingssonne unterstützen soll. Auch der Gebrauch von Klappern und Ratschen im katholischen Gottesdienst zwischen Gründonnerstag und der Feier der Osternacht geht wahrscheinlich auf die Germanen zurück. Sie feierten mit ähnlichen "Instrumenten" einst am Gründonnerstag ihr höchstes Fest zu Ehren des Donnergottes Donar. Und schließlich könnte auch der Name Ostern selbst germanische Ursprünge haben: Zwar kann der Name auch mit der Himmelsrichtung Osten -für den Aufgang der Sonne -zusammenhängen. Wahrscheinlicher ist aber eine Ableitung vom Namen der germanischen Frühlingsgöttin Ostra. Schließlich hat auch das heute wohl wichtigste Ostersymbol -das Ei -vorchristliche Wurzeln. Schon damals war es Symbol des Lebens und der neuen Kraft.

Zwar ist es nicht so bekannt, wie das sorbische Osterei, aber auch in Thüringen gibt es eine ganz spezielle Tradition der Verzierung: das Binsenei. "Einiges Geschick ist notwendig, um aus dem Halm der Binse -einer Pflanze, die auf feuchten Wiesen und in Ufernähe wächst -das Mark herauszuschälen", erklärt Renate Ragwitz. In unterschiedlichen geometrischen Formen wird dieses Binsenmark dann auf das Ei geklebt.

Im Vergleich zu anderen Bräuchen sind die historischen Ursprünge für das Verschenken von Eiern zum Osterfest vergleichsweise jung. Eier gehörten einst zu den Abgaben an den Grundherren. Knechten und Mägden stand daran ein gewisser Anteil zu. Die geistlichen Grundherren verschenkten zu Ostern Eier an Pfarrer, Küster, Lehrer oder Totengräber. Ein Wandel vollzog sich in der Zeit der Reformation: Das Ei wurde zu einer Ostergabe an Menschen, die man gern hatte. Hier kommt dann auch der Hase als Überbringer der Liebesgabe ins Spiel. In Thüringen leisteten aber auch andere Tiere -darunter Huhn, Storch und Kuckuck -diesen Dienst.

"Natürlich kommt man in Weimar auch zu Ostern nicht an Goethe vorbei", meint Renate Ragwitz. Er hat nämlich eine eigene Tradition begründet: das Haseneier-Suchen am Gründonnerstag. Jedes Jahr lud er an diesem Tag Kinder in seinen Garten ein, wo er für sie Eier versteckt hatte. Dieser Brauch ist bis heute lebendig -genauso wie der traditionelle Weimarer Osterspaziergang mit dem ehemaligen Parkdirektor. Ausführliche Informationen bietet die Ausstellung natürlich auch zu den jüdischen Hintergrund und zur christlichen Bedeutung des Osterfestes bis hin zu den gottesdienstlichen Feiern dieser Tage.

Wer sich selbst in der Ausstellung
informieren will, kann das
noch bis zum 7. April im Stadtmuseum
Weimar in der Karl-Liebknecht-Straße 5.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 13 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 29.03.2002

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