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Auf zwei Minuten

Die kostbare Perle

Man kann das Glück finden, aber nur durch Nicht-Streben und Nicht-Handeln. Das Glück ist ein Geschen

Pater Damian Meyer In unserer Leistungsgesellschaft sind wir versucht, die harten Forderungen und Umgangsregeln des täglichen Lebens auf unser Verhältnis zu Gott anzuwenden. "Der Himmel muss durch harte Opfer verdient werden" oder ähnliche Sätze hört man manchmal von frommen Christen. Aus dem unverdienten Liebesangebot Gottes ist dann ein System von vielerlei Moral- und Gesetzesvorschriften geworden. Am Anfang aber steht die Einladung Gottes an alle, am Tische in seinem Reich Platz zu nehmen. Jesus ist gekommen, damit wir "Leben in Fülle" haben. In den Gleichnissen vom Schatz im Acker und der kostbaren Perle hat er gezeigt: Das Reich Gottes oder das "Himmelreich" ist ein Geschenk Gottes an uns. Ein Geschenk, das uns schon jetzt in diesem Leben gegeben wird, wenn wir es nur in der Einfalt des Herzens annehmen. Ohne angestrengte Aktivität. Besonders der heilige Paulus betont immer wieder in seinen Briefen: Alles ist Gnade, von Gott geschenkte Gabe.

Es gibt erstaunlicherweise gewisse Entsprechungen im Denken zwischen dem altchinesischen Philosophen und Dichter Tschuang-tse (viertes Jahrhundert vor Christus) und Paulus. Der Chinese kritisiert den heroischen, sich selbst aufopfernden Funktionär, den tugendhaften Supermann, wie er in der Schule des Konfuzius hochstilisiert wurde. Er sagt: Man kann das Glück finden, aber durch Nicht-Streben und Nicht-Handeln (wuwei). Es ist Geschenk, Paulus würde "Gnade" sagen. Und Tschuang-tses Geschichte von der verlorenen Perle lässt uns die Verwandschaft, nämlich den Geschenkcharakter, zum Gleichnis vom Kaufmann, der edle Perlen sucht, erkennen:

Der Gelbe Kaiser wanderte nördlich des Roten Wassers zum Berg Kwun Lun. Er beugte sich über den Rand der Welt und schaute weit in die Runde. Auf dem Weg nach Hause verlor er seine nachtfarbene Perle. Er schickte die Wissenschaft aus, seine Perle zu suchen. Die Wissenschaft fand sie nicht. Er schickte die Kritik aus, seine Perle zu suchen. Die Kritik fand sie nicht. Er schickte die Logik aus, seine Perle zu suchen. Die Logik fand sie nicht. Dann fragte er das Nichts, und das Nichts hatte die Perle. Der Gelbe Kaiser sprach: "Seltsam fürwahr: Das Nichts, welches nicht ausgeschickt war und nichts unternahm, um zu finden, hatte die nachtfarbene Perle."

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 18.01.2002

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