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Bistum Dresden-Meißen

Malermeister Lichtner und

Südafrika

Günter Lichtner bei der ArbeitIn ihren traditionellen bunten Kleidern führen Zulufrauen die Prozession an. Tanzend und singend ziehen sie in die Kirche, gefolgt von den Priestern und zwei Bischöfen. Dieser Sonntag im August ist ein großer Tag für die Missionsstation im südafrikanischen Kwa Zulu Natal, denn die Gemeinde feiert die Wiedereinweihung der frisch restaurierten Kirche.

Traditionelle katholische Elemente verbinden sich mit afrikanischer Überschwänglichkeit, und die Gesänge der Zulus machen den Gottesdienst für Malermeister Günter Lichtner aus Ostritz zu einem unvergesslichen Erlebnis. Er hatte zusammen mit 17 weiteren Malern aus Deutschland eine Einladung für diesen Tag erhalten. Am Ende des Gottesdienstes wartet auf sie ein besonderer Höhepunkt: Der Bischof von Dundee, Michael Rowland, würdigt ihr Engagement beim Wiederaufbau der Kirche. Zwei Jahre lang hatte die Gruppe den Innenraum der Kirchen kostenlos restauriert.

Angefangen hat die abenteuerliche Geschichte für Günter Lichtner so unscheinbar, dass er sie fast übersehen hätte. Anfang 1998 erschien im Malerfachblatt auf der letzten Seite eine kleine Anzeige: "Herausforderung in Südafrika: Gesucht werden Freiwillige für die Restaurierung der Missionskirche ,Maria Ratschitz' in Südafrika ...". "Meine Frau ergriff die Initiative", berichtet Günter Lichtner. Sie holte Informationen ein und plötzlich ging alles ganz schnell. "Eine Entscheidung musste fallen. Und eine reichliche Woche später saß ich im Flugzeug nach Südafrika."

Sein Ziel war die Missionsstation Maria Ratschitz (siehe Kasten) knapp 500 Kilometer östlich von Johannesburg. Gegründet vor rund 100 Jahren von Trappistenmöchen, stand sie bald in großer Blüte. Der Beginn der Apartheid-Politik Ende der 40er Jahre bereiteten dem ein Ende. Für die Missionsstation und ihre Kirche begannen Jahre des Verfalls. Als sich Südafrika Anfang der 90er auf den Weg zur Demokratie begab, wurde auch für die inzwischen verwahrloste Missionsstation ein neues Kapitel aufgeschlagen. Vor drei Jahren wurde ein handwerkliches Ausbildungszentrum errichtet. Auch die frühere Wohnstätte der Trappisten ist wieder aufgebaut und beherbergt einen kleinen Konvent von drei Ordensfrauen, die sich vor allem um Aids-Kranke kümmern.

Über das Ausbildungszentrum gab es Kontakte nach Deutschland, zur Kolpingsfamilie in Oggersheim. Und Hilmar Brucker, Restaurator und Kirchenmaler aus Oggersheim, entdeckte während eines Besuches in Südafrika die vernachlässigte Kirche. Zusammen mit dem Malerverband Rheinland-Pfalz startete er die Hilfsaktion, von der Lichtner aus der kleinen Anzeige erfuhr.

Elf Stunden dauerte der Flug von Deutschland nach Johannesburg. Weiter ging es mit dem Auto: "Wir fuhren durch eine faszinierende Landschaft und bekamen einen ersten überwältigenden Eindruck von der unendlichen Weite des afrikanischen Kontinents." Ein herzlicher Empfang zur Ankunft und dann "konnten wir die Kirche, die wir nur von Fotos kannten, zum ersten Mal im Original sehen."

Dach und Mauerwerk waren bereits von einheimischen Handwerkern saniert worden. Doch die Innenrestaurierung der Wandmalereien erforderte erfahrenere Fachleute, die sich dann auch schnell an die Arbeit machten: Die wenigen noch erhaltenen Ornamente, Friese, Medaillons, Vignetten, Bänder und Striche waren mit Fotos dokumentiert worden. Was nicht mehr erkennbar war, musste neu entworfen und gezeichnet werden. Zahlreiche Pausen wurden auf Transparentpapier gezeichnet, viele Schablonen geschnitten, ehe mit der Rekonstruktion der rund 1100 Quadratmeter Wand- und Deckenfläche begonnen werden konnte. Notwendige Materialen mussten teilweise aus Deutschland eingeführt werden. Und natürlich gab es so manches Problem: "Wir brauchten dringend Transparentpapier für das Anfertigen der Pausen", berichtet Günter Lichtner. "Der zuständige Architekt hatte zugesagt, uns zu unterstützen, aber mit der Pünktlichkeit gab es Probleme. Ein Sprichwort machte auf unserer Baustelle die Runde: ,Uns Südafrikanern hat der liebe Gott unendlich viel Zeit gegeben, aber euch Deutschen die verdammte Pünktlichkeit.'"

Kreuzweg, Madonnen- und Heiligenfiguren hatte man damals beim Verlassen der Missionsstation vorsorglich in einer Scheune eingelagert und so vor totaler Zerstörung und Diebstahl gerettet. Auf der Oberfläche begann aber auch hier schon eine leichte Versprödung der Farbschicht. Und im Fußbereich der Figuren hatten Ratten ihre Spuren hinterlassen. Über Vermittlung eines Architekten in Johannesburg erhielten die Restauratoren von einem Zahnarzt Gips mit dem sie die fehlenden Stellen ergänzten. Teile des Schnitzwerkes - beispielsweise verschiedene Blätter - wurden aus dem Blech von leeren Bier- und Coladosen wiederhergestellt.

Der Hauptaltar und die beiden Seitenaltäre waren zur Grundinstandsetzung in die auswärtige Restaurierungswerkstatt gebracht worden. Während die Seitenaltäre in ursprünglicher Form wieder hergestellt wurden, erhielt der Hauptaltar - um ihm mehr Glanz und Ausdruck zu verleihen - Blattgoldeinlagen.

Natürlich verbachten die deutschen Helfer ihren Aufenthalt in Südafrika nicht nur mit Arbeit. "Sehr bald hatte es sich herumgesprochen, dass wir hier am Werke sind", berichtet Lichtner. Und so kamen immer wieder Besucher. Ob Weiße oder Farbige - sie alle waren neugierig. "Trotz der nicht immer einfachen sprachlichen Versändigung entstanden zahlreiche interessante Kontakte." Und bald folgten Einladungen in die benachbarten Farmen zum so genannten "Sonnenuntergangsdrink". "Natürlich haben wir den getestet und so ergaben sich ganz nebenbei Einblicke in das Leben auf einer südafrikanischen Großfarm."

Nach Wochen intensiver Arbeit war ein wertvolles Kulturdenkmal für die Nachwelt gerettet. "Eine bemerkenswerte Aktion mit einer Prise Abenteuer, einer ordentlichen Portion Improvisation und mit einem Ergebnis, das von bester Handwerksqualität und vom künstlerischen Wert zeugt", ist sich Lichtner sicher.

"Ich hatte die Chance und das große Glück, an einem einzigartigen Kulturdenkmal mitzuarbeiten und so tief in eine andere Kultur einzutauchen", sagt Lichtner. Was bleibt? Zum einen die Erinnerung an ein Land der großen Kontraste, voller atemberaubender und einzigartiger Naturschönheiten, aber auch die Freude, zur Wiederbelebung eines traditionsreichen Ortes christlichen Wirkens beigetragen zu haben. "Damit beginnt eine neue Zeit für ,Maria Ratschitz'. Die alte Missionsstation wird wieder zu einer pulsierenden Kirchgemeinde, die ihren Dienst für die Welt leisten will."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 50. Jahrgangs (im Jahr 2000).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 12.11.2000

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