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Bistum Erfurt

Aus dem Tod wächst neues Leben

Kinder begegnen dem Tod und lernen mit der Trauer umzugehen - Jahrestreffen der Erzieherinnen

Erzieherinnen Heiligenstadt (as) -Der dreijährige Olliver steht etwas verloren vor den vielen Kränzen mit den Schleifen. Seine Mutter weint. Sie hat ihm erklärt, dass der Opa nicht mehr wieder kommt. Dafür aber hat er jetzt keine Schmerzen mehr und ist von seiner schweren Krankheit erlöst.

Früher oder später kommen Kinder mit dem Tod in Berührung. Dabei müssen sie nicht nur mit dem Verlust fertig werden, sondern auch mit der Trauer der Erwachsenen zurechtkommen. "Kinder begegnen dem Tod" -Das war auch das Thema einer Tagung für Erzieherinnen im Heiligenstädter Marcel-Callo-Haus am vergangenen Wochenende. Die 24 Teilnehmerinnen gingen gemeinsam auf die Suche danach, wie man offen auf Fragen zum Tod eingehen und Kinder behutsam begleiten kann. Das Treffen findet einmal im Jahr statt, das Thema wird von der Gruppe bestimmt.

"Kinder müssen lernen Abschied zu nehmen und mit ihrer Trauer umzugehen", sagt der Referent des Wochenendes, Walter Kettler. Der Theologe arbeitete 25 Jahre am Institut für Lehrerfortbildung im Bistum Mainz. Kinder, so Kettler, müssen nicht nur lernen die Endgültigkeit der Todes zu begreifen, sondern sollen auch "die Schwäche der Erwachsenen" mitbekommen. "Man stößt Kinder nur in Verwirrung, wenn man sie sozusagen bewahren will", Besonders wichtig sei es, sie in ihrer "kleinen Trauer" ernst zu nehmen, zum Beispiel beim Verlust eines Haustieres. Ein Begräbnisritual erleichtere den Abschied. Das tote Tier "versorgen, nicht entsorgen" lautet Kettlers Credo. Dadurch lernten die Kinder auch, mit dem größeren Verlust eines Menschen fertig zu werden. Das eigentliche Problem der Vermittlung aber sieht der Theo-loge im öffentlichen Umgang. Das Thema werde in der Gesellschaft weitgehend tabuisiert und verdrängt. "In der Werbung werden vor allem schöne, gesunde Menschen gezeigt. Da ist auch noch die Oma topfit und macht nicht den Eindruck, als ob sie irgendwann sterben müsste", sagt Kettler. Den Tod aber als einen Bestandteil des Lebens zu zeigen und auf die christliche Hoffnung hinzuweisen, darauf kommt es ihm besonders an. "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt es keine Frucht", zitiert er die Bibel.

Den schwierigen Umgang der Gesellschaft mit dem Tod bestätigt auch Marion Weber, Leiterin der Caritas-Frühförderstelle in Heiligenstadt. Die Einrichtung bietet Hilfsangebote für Kinder mit Entwicklungsstörungen oder mit einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung. Die Mitarbeiter sind auch in Kindergärten unterwegs. "Dabei haben wir die Erfahrungen gemacht, dass sich auch die Erzieher scheuen, das Thema Tod aufzugreifen", sagt die Heiltherapeutin. Eine Lösung sieht sie darin, dass das Problem um Sterben und Tod zu einem festen Bestandteil in der Arbeit der Kindertagesstätten wird. Der Besuch von Friedhöfen an bestimmten Festtagen, die Arbeit mit Medien wie Kinderbücher zum Thema oder das gezielte Gespräch mit den Eltern seien dabei nur einige Möglichkeiten. Wichtig sei auch die Einbeziehung gestalterischer Elemente, die zeigen, dass aus dem Tod neues Leben wächst. In kleinen Gruppen entwerfen die Erzieherinnen selbst "Symbole des Lebens", die, so Kettler, in jedem Kindergarten hängen sollten.

So wird deutlich: Krankheit, Sterben und Tod gehören zum Leben. Eindrucksvoll schildert dies eine Kinderfabel, die Walter Kettler den Erzieherinnen vorstellt. Ein Frosch und ein Schwe../../inchen finden eine tote Amsel. Zunächst glauben sie, dass das Tier krank ist. Andere Tiere kommen dazu. "Sie ist tot", sagt der Hase, "alles Leben stirbt einmal, auch wir". Die Tiere wollen die Amsel beerdigen. Sie legen sie auf eine Bahre und tragen sie zu Grabe. Alles ist still. Die Tiere gehen zusammen weg, dann spielen sie fröhlich, lachen und scherzen bis zum Abend. Auf einem Baum sitzt eine Amsel und pfeift ihr Liedchen -das Leben geht weiter.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 18.01.2002

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