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Aus der Region

Die Weihekandidaten aus dem Bistum Erfurt

Priesterweihe 2000

Heiko Husmann St. Martin, WitterdaHeiko Husmann, St. Martin Witterda:

"Jesus kann man sehen in den Augen der geringsten Schwestern und Brüder und wenn der Priester die Hostie erhebt". Dieser Satz, den ihm ein Priester vor vielen Jahren gesagt hat, ist Heiko Husmann (36) nahegegangen und hat ihn auf seinem Lebensweg begleitet - "auch wenn er theologisch vielleicht nicht ganz korrekt formuliert ist.". Die Suche nach Gott und die Frage, wo Gott ihn wohl brauchen könnte, war ihm bereits wichtig, als er sich, noch in seiner mecklenburgischen Heimat, entschied, Alten- und Krankenpfleger zu werden. Ausschlaggebend war damals für ihn die Beobachtung, dass viele alte Menschen von ihren Familien einfach abgeschoben wurden. In Gebesee baute er nach der Wende eine Sozialstation mit auf und wurde Pflegedienstleiter.

Nach einigen Jahren entschied er sich für einen praxisbegleitenden Theologie-Studiengang, das "Ahlener Modell" für Priesteramtskandidaten in Münster. Währenddessen arbeitete er in einer großen Ruhrgebietspfarrei mit. Auch dort fand er Gott immer wieder ganz besonders in der eucharistischen Anbetung und in der Begegnung mit armen und einfachen Menschen, mit Asylbewerbern, Obdachlosen oder mit Menschen, die niedergedrückt sind und keine Kraft haben, sich von Alltagszwängen zu befreien. Eine Zeit lang hat Heiko Husmann versucht, sich ganz bewusst nicht sozial zu engagieren. Er wollte offen bleiben für alle Aspekte, die zur Priesterberufung gehören. Doch immer wieder ist er zurückgeführt worden auf seinen ursprünglichen Weg. Anders als bei einem Sozialarbeiter lautet seine entscheidende Frage jedoch nicht: "Wo ist die menschliche Not, die ich beheben will?" sondern: "Was will Gott von mir?" Dabei sind ihm Elisabeth von Thüringen, Franz von Assisi, Charles de Foucauld, aber auch viele Zeitgenossen sehr nahe, "in deren Leben aufstrahlt, wie Gott ist".

Nach dem Studium kehrte Heiko Husmann ins Bistum Erfurt zurück, machte sein Diakonatspraktikum in Meiningen. Sowohl im Bistum Münster als auch in Erfurt hat er immer wieder gehört: "Die Menschen sind gleichgültig geworden gegenüber dem Glauben." Er selbst teilt diesen Eindruck nicht. In Ost wie West hat er viele Menschen kennengelernt, die Sehnsucht nach Gott haben, die ihre Fragen allerdings anders stellen als in der Kirche bisher üblich. Er wünscht sich für die Christen hierzulande mehr Mut, Glaubenserfahrungen mitzuteilen.

Roland Genau, St. Ursula, GeismarRoland Genau, St. Ursula Geismar:

In seiner Kindheit hat sich Roland Genau (29) in der Kirche oft gelangweilt, wie wohl die meisten Kinder. Er erinnert sich aber auch noch gut daran, dass er immer wieder fasziniert war von den biblischen Wunderberichten. "Jesus ist einer, der den Menschen Gutes tut" - das ist ein Gedanke, der seit dieser Zeit "hängengeblieben" ist. Sein Anliegen ist es, einen zwar ehrfürchtig anzubetenden aber gleichzeitig nahen Gott zu verkünden. In diesem Zusammenhang steht auch sein Primizspruch, den er aus Moses Berufungsgeschichte gewählt hat: "Nun geh, ich werde mit dir sein". Als Wegbegleiter hat er Gott immer wieder erfahren: "Im Losgehen entscheide ich mich für ein Risiko. Doch nur so kann ich erleben, dass ich gehalten werde." Die Entscheidung für Priestertum und Zölibat ist für ihn in diesem Sinne ein "Losgehen". Dabei vertraut er nicht nur auf seinen spirituellen Rückhalt, sondern auch auf einen guten Freundeskreis. Den Auswirkungen weniger heilsamer Gottesbilder-Verkündigung hat sich Roland Genau übrigens in seiner Diplomarbeit über "Ecclesiogene Neurosen" zugewandt.

Die Idee, Priester zu werden, mit der er sich schon als Schüler beschäftigt hatte, war zunächst in den Hintergrund getreten, als er in Erfurt den Beruf des Kochs lernte. Es bedeutete für ihn einen graviernden Lebenseinschnitt, aus dem katholischen Eichsfeldmilieu am Fuße des Hülfensberges in ein Plattenbau-Lehrlingswohnheim zu kommen. Die Fragen der anderen Lehrlinge nach dem Glauben verstand er schließlich zunehmend als Herausforderung, sich mehr Wissen über den eigenen Glauben anzueignen. Auf diese Weise wurden seine Wege wieder in Richtung Theologiestudium gelenkt. Im Norbertinum machte er Abitur, dann studierte er in Erfurt und zwei Semester lang in Tübingen.

Bei seinen Gemeindepraktika in Dingelstädt und Arnstadt hat er ein breites Spektrum der Seelsorge kennengelernt, angefangen von der Arbeit mit Kindergartenkindern bis hin zu Trauergesprächen. Gerade diese Bandbreite fand er attraktiv. Am Pfarrhausherd wird man den gelernten Koch in seiner künftigen Kaplansstelle allerdings wohl seltener finden. Spaß macht ihm das Kochen jedenfalls nur im Team.



Siehe auch: Mehr zur Priesterweihe gibt es bei der Pressestelle des Bistums im Internet

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 24 des 50. Jahrgangs (im Jahr 2000).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 11.06.2000

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