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Bistum Görlitz

Treffen evangelischer Zisterziensergemeinden und -gemeinschaften

Doberlug

Vertreter evangelischer Zisterzienser-Gemeinden in DoberlugDoberlug (dw) - Die einzigen Zisterzienser-Männerklöster in Deutschland, die seit ihrer Errichtung ohne Unterbrechung bestehen, sind evangelisch. In den niedersächsischen Klöstern Loccum und Amelungsborn bestehen Konvente, die sich nicht nur das Erbe der Reformation zu eigen gemacht haben. Ihre Mitglieder haben nach wie vor auch das zisterziensische Erbe vor Augen und im Herzen. Der Abt von Amelungsborn und der künftige Abt von Loccum gehörten zu den rund 100 Teilnehmern einer Tagung evangelischer "Zisterziensererben" vom 21. bis 24. Mai im ehemaligen Zisterzienserkloster Doberlug-Kirchhain.

Am achten "Treffen der evangelischen Kirchengemeinden, Klöster, Konvente und Kommunitäten an Zisterzienserkirchen in Deutschland" - so der offizielle Name der jährlichen Tagungen - hätte eigentlich auch der Generalprokurator des Zisterzienserordens teilnehmen wollen. Seine kurzfristige Absage verband er mit Grüßen von Maurus Evestra, dem Generalabt des Ordens. Er teilte mit, dass die evangelische Bewegung in der neuen "Carta caritatis" erwähnt werden soll, der Verfassung der Zisterzienser aus dem Jahre 1098, die derzeit in Rom überarbeitet wird. Auch in das Adressbuch des Ordens seien die evangelischen Freunde bereits aufgenommen worden. Der Görlitzer Bischof Rudolf Müller begrüßte die Zusammenkunft auf dem Boden seiner Diözese ebenfalls. Vieles, was durch die Zeitläufte bereits verschwunden war, werde durch diese innere Erneuerungsbewegung nun in anderer Form wieder belebt.

Die ökumenische Aufgeschlossenheit der evangelischen "Zisterziensererben" war sogar für Passanten auf den ersten Blick zu erkennen: An der Doberluger Ziserzienserkirche hatten sie während ihres Treffens nicht nur die violett-weiße Fahne der evangelischen Kirche, sondern auch die gelb-weiße der katholischen Kirche gehisst. Ökumenische Offenheit sprach aber auch aus vielen Wortbeiträgen, insbesondere aus dem Referat des hannoverschen Altbischofs Horst Hirschler über die Konsequenzen der im November unterzeichneten gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre für die Gemeinden.

Hirschler, der seit vielen Jahren in Loccum lebt und dort in Kürze Abt werden soll, gehörte zu den Mitautoren der gemeinsamen Erklärung. Ohne die Schwierigkeiten bei der Entstehung des Textes und bleibende Unterschiede zwischen den Konfessionen zu verschweigen, legte er den Schwerpunkt auf Versöhnliches. So begrüßte er, dass die Katholiken in der Erklärung zur Rechtfertigungslehre zum ersten Mal offiziell gesagt haben, sie wollten mit den Christen der evangelisch-lutherischen Kirchen "in versöhnter Verschiedenheit" leben.

Die Beschäftigung mit Bernhard von Clairvaux, insbesondere mit seinen Impulsen für das Gebetsleben und seiner Beziehung zu Christus als Gekreuzigtem, könne für die evangelische Kirche fruchtbar sein, sagte Hirschler. Nicht zuletzt könnten evangelische Christen von Bernhard lernen, dass Glaube sich nicht auf eine gedankliche Ebene beschränken könne, sondern Gestalt annehmen müsse. Unter anderem erinnerte der Altbischof an ein Wort Bernhards, das sich bereits bei Paulus und später auch bei Luther findet: "Ich möchte nichts wissen außer Christus, und den als Gekreuzigten". Er appellierte an die evangelischen Teilnehmer der Tagung, die Möglichkeiten des Zisterziensererbes zur Missionierung zu nutzen. Insbesondere Klosterführungen böten sich als missionarische Gelegenheit an, bei der man sowohl die geistigen Schätze der Zisterzienser als auch die Entdeckungen der Reformation weitergeben könne.

"Den evangelischen Kirchen ist mit den Zisterzienserklöstern ein großer Schatz zugewachsen, vor allem im ideellen Sinne", sagte auch Dr. Wolfgang Huber, der Landesbischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, der beim Eröffnungsgottesdienst des Treffens predigte.

Die Idee zu den Treffen war 1990/91 entstanden, als die evangelische Kirchengemeinde am bayrischen Zisterzienserkloster Heilsbronn an den 900. Geburtstag Bernhards von Clairvaux erinnerte. Pfarrer Paul Geißendörfer hatte daraufhin 1993 zu einem ersten Treffen nach Heilsbronn eingeladen. Spätere Treffen fanden mit einer steigenden Zahl von Teilnehmern unter anderem in Chorin, Bad Doberan und Amelungsborn statt. Nach wie vor laufen bei Geißendörfer, der mittlerweile im Ruhestand lebt, die organisatorischen Fäden der Bewegung zusammen, die sich bewusst keine institutionelle Form geben will.

Bei den Begegnungen ist den Teilnehmern vor allem die Gemeinschaft wichtig, aber auch der Austausch über Themen wie die spirituelle Ausrichtung der Kirchenführungen und Ökumene oder die Vorbereitung von Publikationen. Unter anderem ist eine Deutschlandkarte mit allen evangelischen Zisterziensergemeinden und -gemeinschaften herausgegeben worden.

Zum Kreis der evangelischen Zisterziensererben gehören die erwähnten Männerkonvente ebenso wie engagierte Kirchengemeinden, neugegründete evangelische Gemeinschaften wie in Volkenroda oder Bad Doberan und einige norddeutsche Frauenklöster. Ein katholischer Benediktiner aus der Abtei Münsterschwarzach nahm als Vertreter einer Forschungsgruppe teil, die sich dem untergegangenen Zisterzienserkloster Ebrach im Steigerwald widmet.

So unterschiedlich wie die Gemeinschaften ist auch die Art und Weise, wie sie zisterziensischen Traditionen lebendig zu halten versuchen, angefangen von kirchenmusikalischen Veranstaltungen, wie sie auch in Doberlug gepflegt werden, bis hin zu regelmäßigem Stundengebet in den evangelischen Konventen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 23 des 50. Jahrgangs (im Jahr 2000).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 04.06.2000

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