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Der hl. Mauritius

Konsolen in St. Sebastian

Mauritiusdarstellung in goldener RüstungDer heilige Mauritius zeigt sich in einem der südlichen Gewölbesimse des Chorraumes, zumindest seit der letzten Restaurierung in goldener Rüstung, mit Fahne und Schild, und wie der Name (maurus = schwarz) sagt, als Schwarzer. Der tapfere christliche Führer der Thebäischen Legion und Soldatenmärtyrer ist Reichspatron der ottonischen und salischen Kaiserzeit. Daher wohl der Adler auf seinem Schild. "An seinem Altar in St. Peter wurde dem gekrönten Kaiser das Schwert überreicht", heißt es in Hiltgart I. Kellers "Lexikon der heiligen und der biblischen Gestalten" (Reclam-Verlag Stuttgart 1991). Wohl weil die Errichtung des alten Erzbistums Magdeburg auf Kaiser Otto den Großen zurückgeht, wird er als Patron des Erzbistums, des Domes, und des Mauritius-Klosters von Magdeburg verehrt und dargestellt. Die wohl älteste erhaltene Darstellung in Magdeburg, eine Steinfigur in Kettenrüstung, findet sich im Dom und stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sein Standbild am Altar des Domes stammt von 1467. Unsere Darstellung in der Sebastianskirche ist zwischen beiden anzusiedeln. Ob er seinen linken Arm und den Schaft seiner Fahne schon während des Brandes im 30-jährigen Krieg, beim späteren Einsturz der Gewölbe oder erst beim Bombenangriff des 16. Januar 1945 verlor, ist nicht zu ergründen.

Heute verbindet uns die Mauritiusdarstellung in besonderer Weise mit der evangelischen Domgemeinde, mit der wir gemeinsam sein Fest am 22. September begehen. Nicht nur geschichtlicher Rückgriff sondern auch ökumenisches Zeichen ist es, wenn Mauritius heute neben Norbert, Gertrud und Mechthild als Patron des 1994 neu errichteten Bistums Magdeburg gefeiert wird. So passt er besonders gut in die Kathedrale.

Was wissen wir von der Geschichte und der Legende des heiligen Mauritius? Schon aus dem zweiten Jahrhundert wird uns berichtet, dass Gruppen von Gläubigen gemeinsam den Martertod erlitten. Vor allem waren die christlichen Soldaten im römischen Heer dem Zugriff der Verfolger ausgesetzt. In der östlichen Kirche wird so besonders das Gedächtnis der 40 Märtyrer von Sebas-te gefeiert, die lateinische Kirche gedenkt vor allem der so genannten "thebaischen Legion". Dass solche Märtyrergruppen besonders verehrt wurden, hängt mit dem Wandel der Frömmigkeit in der Spätantike zusammen, in der man eine etwas primitive Vorstellung von der unterstützenden Kraft der Heiligen und ihrer Reliquien hatte. Im Bewusstsein vieler Christen verstärkte sich nämlich die Fürbitte der Heiligen mit ihrer Zahl, wenn man sie gemeinsam als Gruppe um Unterstützung anflehen konnte. Auf diesem Hintergrund muss auch die Verehrung der Märtyrergruppe um den heiligen Mauritius gesehen werden. Mauritius und seine Gefährten (Candidus, Exsuperius, Victori Innozenz, Vitalis) werden als Mitglieder der so genannten "thebaischen Legion" genannt. Der Name der Truppe will besagen, dass die Mitglieder dieser Einheit aus Oberägypten stammten, aus einer Landschaft, in der das Christentum sich schon frühzeitig ausgebreitet hatte. Wenn das Martyrium dieser Soldaten in Agaunum in der Schweiz (dem heutigen Saint Maurice, östlich vom Genfer See) stattfand, so muss es sich vor dem Jahr 293 ereignet haben. Denn in diesem Jahr übernahm der Vater Konstantins die Herrschaft in diesem Gebiet. Von ihm aber wird berichtet, dass er niemanden wegen seines christlichen Glaubens habe hinrichten lassen. Angeblich hatte das Martyrium folgenden Anlass: Die Truppeneinheit (Legion) soll vom Kaiser Maximian gezwungen worden sein, gegen Glaubensgenossen vorzugehen. Die christlichen Soldaten weigerten sich, dem Befehl nachzukommen. Um sie zum Gehorsam zu zwingen, ließ Maximian jeden Zehnten niederhauen. Dadurch war der Widerstand noch nicht gebrochen; so ließ er die Dezimierung wiederholen. Unter den Hingerichteten waren Mauritius und seine Gefährten. Mauritius wird als "primicerius" bezeichnet, das ist eine unbestimmte Charge, vielleicht war er Stabsoffizier. Der Bericht über das Martyrium des Mauritius und seine Gefährten stammt von der Hand des Bischofs Eucherius von Lyon. Er hat wohl Überlieferungen gekannt, die sich bis in die Zeit des heiligen Ambrosius zurück verfolgen lassen. Für die Echtheit des Kerns der Überlieferung spricht die frühe Verehrung der Gruppe am Ort ihrer Hinrichtung; sie reicht bis ins vierte Jahrhundert hinab. Es ist also anzunehmen, dass hier Soldaten wegen ihres christlichen Glaubens ihren Tod gefunden haben. Ÿhnliches Vorgehen gegen Soldaten wird zu Beginn der Verfolgung unter Diokletian aus anderen Gebieten des römischen Reiches berichtet. Über dem Grab des Märtyrers Mauritius wurde bald eine Kirche errichtet. Spätere Umbauten und Erweiterungen führen bis auf den heutigen Tag in der Abtei Saint Maurice die Tradition der Verehrung der Soldatenmärtyrer weiter. Von der Spätantike an ist die Stätte ein viel besuchter Wallfahrtsort. Mauritius wird seit dem späten Mittelalter in der Kunst als schwarzhäutiger Soldat oder Ritter dargestellt. Die mittelalterlichen Ritterorden und Soldaten hatten ihn zu ihrem Patron erwählt.

Herr, unser Gott, Du hast dem heiligen Märtyrer Mauritius und seinen Gefährten die Kraft gegeben, dem Glauben an Christus treu zu bleiben. Gib auch uns den Mut, dir mehr zu gehorchen als den Menschen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Andreas Ginzel / tdh

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 9 des 50. Jahrgangs (im Jahr 2000).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 27.02.2000

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