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Bistum Görlitz

Militärpfarrer Peter Paul Gregor

Vorgestellt

Pfarrer Paul Gregor mit Landrat Siegfried Wack und Bischof Rudolf Müller (v. l.)Torgelow - "Sandmeer, Waldmeer, gar nichts mehr" - so beschreibt Peter Paul Gregor seine neue Heimat. Als Militärseelsorger hat es den Priester des Bistums Görlitz nach Vorpommern verschlagen. Nun ist sein neues Zuhause in Torgelow, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bundeswehr-Standort Karpin / Eggesin - dem berüchtigten Standort Eggesin. Denn "niemand wollte hierher, schon zu DDR-Zeiten", weiß Gregor. "Hier ist eine verlorene Prärie, weiter kommt nichts mehr." Doch aus diesen Worten spricht wider Erwarten keine Bitterkeit, auch keine Resignation. Stattdessen ein Hauch von Stolz. Denn Pfarrer Gregor stört sich nicht an der "Öde". Im Gegenteil: Ihm sind seit jeher die schwierigen Aufgaben die liebsten: "Ich bin schon immer Frontarbeiter. Die Grenzerfahrungen sind es, die mich interessieren." Dort, wo vorher nicht viel war, sieht er seinen Platz. So war es schon, als er zum Schulbeauftragten der Diözese Görlitz ernannt wurde und in Hoyerswerda das evangelische Gymnasium mit aufbaute und die Lehrpläne für den katholischen Religionsunterricht mit erstellte.

So ist es auch jetzt in Eggesin. Der letzte katholische Militärseelsorger ging vor drei Jahren. "Ich glaube, er ist an dieser Aufgabe verzweifelt", meint Gregor - ohne Arroganz. Denn auch er hat während seiner Dienstzeit, seit September letzten Jahres schon mitbekommen, was er nachdenklich so zusammenfasst: "Wer hier nicht aufpasst, vereinsamt." Eine Art, "aufzupassen" sieht er in der Zusammenarbeit mit seinem evangelischen Amtskollegen. Die ist für ihn sehr wichtig und klappt ausgesprochen gut. Außerdem hat er einen Mitarbeiter, Bernhard Trömer. Der war es auch, der während der letzten Jahre in Eggesin die Stellung hielt. Er unterstützt Pfarrer Gregor vielfältig. Eine wichtige Aufgabe: Dessen Terminkalender zu koordinieren. Eine nicht ganz leichte Aufgabe. Schließlich sind vier Kasernen zu "versorgen". Konkret sind das etwa 4000 Soldaten und 1000 Zivilisten. Dazu kommt das Multinationale Korps in Stettin - dessen Militärseelsorger Gregor ebenfalls ist.

Zu tun gibt es in den Kasernen eine Menge. Neben Gottesdiensten und dem so genannten Lebensunterricht für Soldaten stehen auch Treffen mit Offizieren an. Kernstück der Aufgaben von Pfarrer Gregor sind die Gespräche und persönlichen Kontakte mit den Soldaten. Zum Waffen-Segnen, was manche der "Jungs" von einem Militärseelsorger erwarten, hätte er überhaupt keine Zeit. Oftmals sind junge Soldaten eher skeptisch, wenn sie vom Pfarrer hören, fragen sich, was sie mit "dem" anfangen sollen. Umso überraschender ist es, wenn hinter dem Titel ein sportlich gekleideter Mittvierziger mit Trekking-Hose und Sweatshirt anstatt Soutane oder Ordenstracht erscheint. Einziges Merkmal, das Peter Paul Gregor als Geistlichen "entlarvt" ist der Priesterkragen, den er salopp Tipp-Ex nennt und auch nur deshalb trägt, weil er damit überall erkannt wird. Die Kontrollen bei der Einfahrt ins Kasernengelände, beispielweise, erspart er sich so.

Als einen großen Bonus wertet Pfarrer Gregor, dass er aus der ehemaligen DDR stammt und sich im Osten auskennt. So kommt er schnell mit jungen Soldaten ins Gespräch. Einer sagte einmal: "Ach, Sie sind ja einer von uns". Dieses Vertrauen zeigt sich auch darin, dass nicht selten jemand bei Pfarrer Gregor Rat sucht. "Wenn's um Gewissensfragen geht, bin ich ständig dran." Und Probleme, da ist er sich sicher, haben viele der jungen Männer. "Die entstehen nicht hier. Viele bringen die Probleme von Zuhause mit."

Wer seine Sorgen loswerden, Hilfe haben will, muss sich bei Gregor an keine Öffnungszeiten halten: Sowohl seine Dienstnummer, als auch seine Privat- und Handynummer sind in jeder Einheit ausgehangen. Das Mobiltelefon ist ständig eingeschaltet.

Überhaupt sind Einsatz und auch Fitness gefragt. Schließlich kommt auch ein Militärseelsorger nicht um die Teilnahme an Manövern herum. So erklärt sich die Tatsache, dass Peter Paul Gregor nicht ohne Musterung nach Eggesin kommen konnte.

Bei all seiner Arbeit ist er von einem überzeugt: "Wenn Gott mich beruft, dann kann ich getrost losgehen. Und weitergeben kann ich auch nur das, was ich bin und von ihm geschenkt bekommen habe. Mehr geht nicht und mehr muss ich auch nicht." Deshalb braucht er die Stunde am frühen Morgen, die er mit Bibellesen, Gebet und Meditation verbringt - eine Tankstelle für seinen Tag.

Und noch etwas braucht er zum Auftanken: klassische Musik. Damit allerdings können Torgelow und Umgebung nicht so recht dienen. Das nächste Orchester ist in Neubrandenburg. Deshalb macht sich der Sohn eines Kapellmeisters hin und wieder auf den Weg nach Berlin, Cottbus oder eben Neubrandenburg. Doch nicht nur die Liebe zur Musik hat ihm der Beruf des Vaters eingebracht. Auch viele Umzüge während seiner Kindheit und Jugend - vielleicht eine Hilfe, als Seelsorger flexibel neue Aufgaben anzugehen. Das jedenfalls hat er schon einige Male getan: Nach seiner Weihe 1980 war er fünf Jahre Kaplan in Finsterwalde. In dieser Zeit war er Ansprechpartner für eine Einheit von "Spatensoldaten", die in Doberlug-Kirchhain stationiert waren. Damals hätte er sich nicht träumen lassen, Seelsorger für "richtige" Soldaten zu werden. Bis 1987 war er Kaplan in Görlitz, später dann in Wittichenau. Hier war er ganz zu Anfang der Wendezeit maßgeblich an der Gründung einer Bürgerinitiative beteiligt. Seit 1992 unterrichtete Gregor Religion für die Gymnasien in Hoyerswerda und die Wittichenauer Mittelschule. Zugleich war er Beauftragter für Schulfragen des Bistums Görlitz - bis er im September vergangenen Jahres die neuen Aufgaben in Torgelow in Angriff nahm. Die pastoralen Nebenstrecken lagen ihm bei all dem immer mehr als die Gemeindearbeit. Gemeindepfarrer - das kann er sich nicht so richtig vorstellen.

"Manchmal", erzählt Peter Paul Gregor, "wird mir schwindelig, wenn ich zurücksehe." Manchen der Schritte in seinem Leben hätte er vorher nicht vermutet. Trotzdem sei im Nachhinein immer ein "großer Bogen" zu erkennen, ein Sinn. Symbol dafür ist eine kleine Skulptur aus Gasbeton, die ihm die Spatensoldaten aus Doberlug-Kirchhain vor Jahren zum Abschied schenkten. Sie zeigt einen Mann, der seinen müden Körper auf eine Schaufel stützt. Als Militärseelsorger gewinnt sie für Gregor jetzt ganz neu an Bedeutung. Das kleine Kunstwerk hat deshalb einen festen Platz in seinem Dienstbüro.

Welche Aufgabe einmal als nächste kommen wird, weiß Peter Paul Gregor nicht. Er hat Gott gebeten, dass sein Leben nicht langweilig wird. Bisher ist er zufrieden. Und "vielleicht", sagt er schmunzelnd, "lande ich ja doch noch mal im Pfarramt."

Juliane Schmidt

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 9 des 50. Jahrgangs (im Jahr 2000).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 27.02.2000

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