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Bistum Dresden-Meißen

Glaube an guten Kern als Basis

Don-Bosco-Jugendhaus

Flöha (jak) - Die Namen klingen für Außenstehende kompliziert: Niederschwellige oder schul- und arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit. Es sind zwei Bereiche mit denen sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des "Platz-Don-Bosco-Jugenhauses" Falkenau beschäftigen. Konkret heißt dies Fürsorge und Engagement für junge Leute im Sinne der Pädagogik Don Boscos. Ursula Walde, von Anfang an in Falkenau dabei, berichtet vom breiten Aufgabenfeld. So verbirgt sich hinter dem Wort "niederschwellige Jugendsozialarbeit" beispielsweise die Möglichkeit für junge Leute oder Kinder, sich miteinander zu treffen. Die "schul- und arbeitsweltbezogene Jugendarbeit" bietet hingegen eine Reihe von Projekten an. "Anliegen ist es, junge Menschen in der Lebensphase des Übergangs von der Schule in die Arbeitswelt, zu unterstützen und zu begleiten", sagt Ursula Walde. Sie fährt fort: "Unser Ziel liegt darin, die jungen Menschen in Schule und Berufsschule zu intergieren und sie zur Ausbildung und zur Arbeit im ersten Arbeitsmarkt zu befähigen und zu stabilisieren."

Seit kurzem unterhält das Don-Bosco-Jugendhaus eine Außenstelle in Flöha bei Chemnitz. "Wir waren schon lange in Flöha aktiv und schließlich kam vom Jugendamt das Angebot, ein Gebäude zu übernehmen", berichtet Susanne Merkwitz, die Leiterin in Flöha. Wie in Falkenau wird unter anderem soziale Gruppenarbeit angeboten, so beispielsweise soziale Trainingskurse. Das Angebot richtet sich an junge Leute, die alleine ihre Probleme nicht in den Griff bekommen. Einige von ihnen müssen per richterlichen Entscheid zu einem solchen Kurs kommen. Dieser soll es den Teilnehmern ermöglichen, neue Erfahrungen zu machen, Erfahrungen, die für die Mädchen und Jungen konkret etwas bringen. Gemeinsam wird über die Fragen nachgedacht, wie es mit Eltern, Lehren und Freunden wieder besser klappt oder wie der Jugendliche mit Wut und Ärger besser klarkommen könnte.

Ähnliche Probleme kommen in den Platz-Angeboten für Schulklassen zur Sprache. Dort reicht es oft aus, das nur ein oder zwei Schüler den ganzen Lernablauf und das Zusammenleben stören. Auf Anfrage kommen die Platz-Mitarbeiter dann in die Klasse, um vor Ort zu überlegen, wie die Probleme lösbar sind. Eine sechste Klasse war von großer Unruhe und Auffälligkeit geprägt. Zwei Tage wurden die Schülerinnen und Schüler dann von ihrer Schule genommen. Ursula Walde machte dabei die Erfahrung, dass die Erwartungshaltung aller größer war als die innere Blockade. Dennoch zeigte sich, dass es zunächst schwierig war, miteinander ins Gespräch zu kommen. Eine Möglichkeit dafür war es, die Kreativität der Schüler zu wecken. So gestaltete man zusammen kleine Skulpturen. Und es funktionierte, der Einstieg in die Kommunikation war gelungen. Dazu Ursula Walde: "Wenn wir an einer Gruppe dran bleiben, müssen wir auch bereit sein, die eigene Methode zu ändern, wir müssen uns auf das einstellen, was ist." So wird diese sechste Klasse weiter begleitet, seit Dezember mit je einer Doppelstunde aller 14 Tage. Zwei der Schüler besuchen inzwischen die soziale Gruppenarbeit. Ein anderes Beispiel ist eine achte Klasse in Niederwiesa. "Konkret ging es dort um die Fragen des Übergangs von der Schule zum Beruf", berichtet Susanne Merkwitz. Eine der dabei gestellten Fragen: "Wie stelle ich mir mein Leben in zehn Jahren vor?" Es geht darum, realistisch auf den Punkt zu bekommen, was ein Schüler werden will.

Im Bereich Ausbildung engagiert sich Platz inzwischen mit einem neuen Projekt. Dabei ist die Anbindung an die Süddeutsche Provinz der Salesianer Don Boscos hilfreich. Konkret geht es darum, Jugendliche bei der Ausbildungsplatzsuche zu unterstützen. In Zusammenarbeit mit den Wohnheimen der Salesianer in Regensburg oder Landshut haben die jungen Leute dann die Möglichkeit, sich in Bayern nach einem Ausbildungsplatz umzusehen. "Der Erfolg ist dabei ziemlich hoch", weiß Susanne Merkwitz zu berichten. Können doch in den vier Tagen, in denen die jungen Leute in den Wohnheimen untergebracht sind, viele Firmen und Handwerker direkt aufgesucht werden. Im Gegenzug haben die Ausbilder auch die Möglichkeit, die Fähigkeiten der jungen Leute direkt vor Ort zu testen und sich auch sonst ein Bild von ihnen zu machen. Nebenbei hat diese Form noch einen großen Vorteil: Die Mädchen und Jungen gehen zur Ausbildung nicht als Einzelgänger in die Fremde, sondern sind dann oft zu zweit oder zu dritt. Und auch die Eltern wissen, wo sie sind, wissen, dass der Einstieg ins Berufsleben begleitet wird.

Wichtig ist den Leuten vom Don-Bosco-Jugendhaus, dass ihre vielfältigen Hilfen auch bekannt werden. Beispielsweise in der "Schulhofpausenaktion". Susanne Merkwitz dazu: "Immer zu Beginn eines Schuljahres fahren wir mit unserem Bus an alle Schulen, wo wir tätig sind. In den großen Pausen bieten wir Spiele an und verteilen unsere Handzettel, damit verbunden ist die Einladung zu einem Fest." Feste gibt es bei Platz übrigens öfter, so am Don-Bosco-Tag Anfang Februar oder zum Platz-Geburtstag immer am 10. Juli. Sind sie doch eine Möglichkeit, Zugang zu den Kindern und Jugendlichen zu finden. Nicht zuletzt sind Feste auch ein guter Ausgleich für die Mitarbeiter, deren Aufgaben oft bis an die Substanz gehen. Denn leicht ist ihre Arbeit für junge Menschen nicht. Immer wieder werden sie mit gesellschaftlichen Schattenseiten konfrontiert, müssen sich mit ihren Auswirkungen - vom Schulschwänzen bis hin zu harter Gewalt - auseinandersetzen. Dabei werden in Flöha und Falkenau die Grundsätze Don Boscos nie aus den Augen verloren. Sätze wie "Glaube an den guten Kern in jedem Jugendlichen" sind keine Floskeln, sondern Basis der Arbeit.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 9 des 50. Jahrgangs (im Jahr 2000).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 27.02.2000

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