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Bistum Magdeburg

Das Erbe einer christlichen Geschichte

Le Mans/Magdeburg

Le Mans / Magdeburg - Die Hallenserin Brigitte Schmeja berichtet vom Patronatsfest der Diözese Le Mans, an dem sie kürzlich als Vertreterin des Magdeburger Katholikenrates teilgenommen hat: ",Aus dem, was hinter uns liegt, schöpfen; im Heute das Evangelium verkünden.' So lautete das Leitwort der festlichen Eucharistiefeier am Festtag des Heiligen der Diözese Le Mans, des heiligen Julien, am 30. Januar in der Kathedrale der französischen Bischofsstadt. Dieser Gottesdienst war zugleich die Eröffnungsfeier für das Jahr 2000 in der Diözese Le Mans. Eingeladen zu diesem Fest waren Vertreter des Pastoralrates der Partnerdiözese Paderborn und Vertreter des Katholikenrates unseres Bistums Magdeburg als Partnerdiözese von Paderborn. Schon mehrfach hatten Vertreter dieser drei Räte Gelegenheit, in Paderborn sich über die Situation ihrer Kirchen auszutauschen.

Mit Freude wurden wir, die Gäste, empfangen und im Diözesanzentrum l' Etoile aufgenommen. Wir hatten ein intensives Gespräch mit dem derzeitigen Bischof Jacques Faivre von Le Mans, der sich sehr eingehend nach der Situation der Magdeburger Diasporakirche erkundigte. Sein Interesse für die schwierige Lage der katholischen Kirche Deutschlands im Hinblick auf die Problematik der Schwangerschaftskonfliktberatung war sehr groß, dies ist im Hinblick auf die französische Fristenlösung ein sehr beachtetes Phänomen.

Am Samstag, dem 29. Januar, war uns vormittags Gelegenheit gegeben, mehrere Pfarreien zu besuchen. In einem Gespräch in la Chapelle St. Aubin wurde die dortige Arbeit bei Strafgefangenen vorgestellt. Besonders beeindruckte Pfarrer Rembaud mit seinem Engagement und seinem Bemühen, die Botschaft Christi zu den Menschen zu tragen. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, so sein Ansatz, sind aus dem christlichen Evangelium erwachsen. Unsere Aufgabe ist es seiner Überzeugung zufolge, dieses den Menschen wieder bewusst zu machen und danach zu leben.

Am Nachmittag des 29. Januar war eine gemeinsame Arbeitssitzung mit zwölf Mitgliedern des Diözesanpastoralrates von Le Mans einberufen. Sie wurde geleitet von ihrem Vorsitzenden Yves Sallard. Die Zusammenkunft stand unter dem Thema: ,Wie kann die Jugend für den Glauben gewonnen werden?'

Dabei wurde von beispielhaften Experimenten aus der Diözese Le Mans berichtet. Die Vertreter Paderborns beschrieben drei Erfahrungen:

1. Kinder und Jugendliche erleben die Feier unserer normalen Gottesdienste häufig als trist und wenig begeisternd.

2. Die Weitergabe und Feier des Friedenslichtes von Betlehem wurde als sehr positiv empfunden.

3. Jugendgruppen beteiligten sich an der Aktion ,72 Stunden ohne Kompromiss'.

Die Vertreterin von Magdeburg stellte die Diasporasituation - insbesondere in ländlichen Gegenden - dar und beschrieb die aktuelle Diskussion über ein Angebot von Jugendfeiern durch die Kirche an Stelle der ,Jugendweihe'.

Die französischen Teilnehmer fragten interessiert nach der Situation der Jugendverbände in der Diözese Magdeburg und nach Möglichkeiten der ökumenischen Zusammenarbeit. Den Abschluss dieser Zusammenkunft bildete ein gemeinsames Abendessen.

Vor dem Sonntagsgottesdienst bot sich die Möglichkeit zur Besichtigung des Altstadtkerns und der historischen gallo-romanischen Stadtmauer, die etwa 1700 Jahre alt ist. Im Ursprung war das heutige Le Mans die Hauptstadt der keltischen Cenomanen (etwa 400 v. Chr.).

Der festliche Gottesdienst am Sonntagnachmittag im Dom St. Julien bildete den Höhepunkt der Feierlichkeiten. Vertreter der 16 Dekanate der Diözese Le Mans trugen das Symbol des Jubiläumsjahres auf einer Stoffbahn in einer Prozession in den Dom. Für alle sichtbar wurde es im Hohen Chor emporgezogen. Anschließend wurde die Geschichte der Verkündigung des Evangeliums in Frankreich dargestellt. Dies geschah am Anfang durch Missionare, Mönche und Bischöfe. In der Feier wurde dies symbolisch dargestellt, um den Gläubigen bewusst zu machen, dass auch sie den Auftrag haben, das Evangelium heute zu den Menschen zu bringen.

Der Hauptzelebrant, Bischof Georges Gilson, bis vor kurzem Bischof der Diözese Le Mans, feierte die Festmesse mit dem derzeitigen Bischof Faivre, mit Bischof Degenhardt von Paderborn und zwei weiteren Bischöfen.

Mitgestaltet wurde der Gottesdienst durch den Gesang von Chor, Schola und Gemeinde. Die Predigt hielt Bischof Gilson. Er verstärkte noch einmal die Aufforderung an die feiernde Gemeinde: Geht jetzt mit dem Evangelium zu den Menschen!

Zum Abschluss des Gottesdienstes empfingen die 16 Vertreter der Dekanate je eine große Kerze - geschmückt mit dem Symbol des Jubiläums 2000. Die Sendungsworte lauteten: ,Erben eurer Geschichte! Tragt das Licht und das Wort Christi in eure Dekanate!'

Die Begegnung in Le Mans hat alle beschenkt, auch uns Gäs-te. Mit neuen Gedanken zum Jahr 2000 kehrten wir in unsere Diözesen zurück."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 8 des 50. Jahrgangs (im Jahr 2000).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 20.02.2000

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