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Bistum Dresden-Meißen

Prälat Dieter Grande

Vorgestellt

Prälat Dieter GrandeDresden - "Von der elften Aufgabe bin ich entbunden, zehn habe ich noch, sagte Prälat Dieter Grande, nachdem er vom Amt des Caritasrektors entpflichtet ist. Im Augenblick arbeitet er zum Beispiel mit an einer deutsch-sorbischen Bistumsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Dazu werden Quellen in beiden Sprachen von einer paritätisch zusammengesetzten Arbeitsgruppe erforscht und veröffentlicht. Der erste Band über die Jahre 1918 bis 1933 soll zum Jahresende erscheinen.

Bistumsgeschichte hat der Päpstliche Ehrenprälat und Domkapitular Dieter Grande selbst mitgeschrieben. Als junger Theologiestudent kam er wie über 300 andere im Osten geborene Priester - er stammt aus dem schlesischen Waldenburg - in die DDR. Ob er das jemals bereut habe? "Niemals, ich hatte ein so spannendes Leben," kommt die Antwort prompt. Nach sieben Jahren als Kaplan und Pfarrvikar war Grande weitere sieben Jahre Diözesan-Jugendseelsorger. Jugend und Musik gehörten für ihn wohl zusammen. Seit Ende der 50er Jahre machte er mit Jugendlichen moderne Musik, wie sie in diesem Staat nicht selbstverständlich war, und tourte mit seiner Band durch die Ostbistümer. Denn das Bistum Meißen war "für die Kultur zuständig". Anfang der 60er begannen katholische Jugendliche mit ihm Gospels und Spirituals zu singen, und das Kabarett "Die Dekana(h)tlosen" gäbe es wohl ohne seine Initiative auch nicht. Absolute Steigerung: Beim Katholikentreffen 1987 stellte er noch einmal eine Bigband auf die Beine, führte Regie und füllte - allen Skeptikern zum Trotz - mit einem Musical die Freilichtbühne "Junge Garde" im Dresdner Großen Garten. Wer dort die "Arche Noah" miterlebt hat, denkt sicher noch begeistert an diese Atmosphäre.

Zeitig schon beginnt ein anderer Strang in Dieter Grandes Leben: 1970 wird er Leiter des Pas-toralen Informationsdienstes des Bistums Meißen, das heißt er baut diesen Bereich erst auf, 1972 kann er dann als Sekretär der Pastoralsynode tätig werden. 1988 ernennt man ihn zum Pressesprecher der Berliner Bischofskonferenz und zum Leiter der Pressestelle bei deren Sekretariat. Folgerichtig führte ihn diese Funktion in der Wendezeit zum "Runden Tisch" Berlin, zur Beratung der Publizistischen Kommission der DBK, und nach der Berliner Zeit zur Leitung der Bischöflichen Pressestelle im nunmehrigen Bistum Dresden-Meißen. Auch die Leitung des Katholischen Büros gehört in diese Linie, die sich wohl mit der langjährigen Tätigkeit für die Kommission Justitia et Pax trifft. Der neue Kirchenstaatsvertrag enthält ebenso auch die Handschrift Grandes wie vielleicht auch eine künftige "Charta memoria", ein weitgestecktes Ziel einer Projektgruppe von Justitia et Pax, die sich der Versöhnung und Traumabearbeitung der unter den Konflikten dieser Welt Leidenden widmet.

Die Mitarbeit in der Kommission für Zeitgeschichte und die Aufarbeitung der Stasitätigkeit gegenüber der katholischen Kirche sind zwei Gebiete, die nie so ganz abzuschließen sind, ebenso wie das Weiterdenken im konziliaren Prozess, den Grande von Anfang an mit begleitet hat. Er selber hat sich nie geschont. Er verlangt viel von sich. Auch von anderen. Pausen durch schwere Krankheit waren bei seinem Naturell fast gesetzmäßig. Er ist immer wieder aufgestanden und hat weitergearbeitet. Er würde alles noch einmal machen, manches vielleicht nur etwas lockerer angehen, wenn er's wiederholen könnte, sagt er.

Ob er die Leichtigkeit und die Freude bei den vielen ernsten und wichtigen Tätigkeiten allmählich die Ecke gestellt hat wie das Saxophon, das er früher selber spielte, will ich wissen. "Ganz und gar nicht, was mir nach wie vor große Freude macht, ist der Verkündigungsauftrag an der Kathedrale. Zu Menschen sprechen, ihnen etwas mit auf den Weg geben und womöglich eine Rückmeldung erfahren, das erfüllt mich mit Freude". Wenn er etwas bedauere, dann dass er nur relativ kurze Zeit Kaplan und Pfarrer war.

Am 24. Februar hat Prälat Grande 70. Geburtstag. Ein großer Freundeskreis, viele, die mit ihm gearbeitet haben, gratulieren dankbar.

Ursula Wicklein

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 8 des 50. Jahrgangs (im Jahr 2000).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 20.02.2000

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