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Aus der Region

Paul Becker - Pionier der Sterbebegleitung

Vorgestellt

Paul BeckerSeit 30 Jahren bildet der Bingener Arzt Dr. Paul Becker pflegerisches Personal, Mediziner und Seelsorger für die kompetente Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden aus. Seit 1982 ist er in diesem Anliegen auch im Bereich der DDR / der neuen Bundesländer tätig. Am 19. Januar startet ein neuer Kurs in Erfurt. Der Tag des Herrn stellt den engagierten Mediziner und Christen vor.

Paul Becker widmet sich einem Ziel mit ganzer Kraft: Er möchte, dass viele Menschen in Geborgenheit sterben und ihr Sterben als Teil ihres Lebens vollziehen können. So ist er bestrebt, dieses Anliegen in die Gesellschaft hineinzutragen und Einfluss zu nehmen, dass dies mehr und mehr möglich wird. Über 30 Jahre hinweg hat der Bingener Arzt inzwischen nicht nur viele Schwerkranke und Sterbende in ihren letzten Stunden selbst begleitet, sondern auch zahlreiche Kurse und Seminare gehalten, um Schwestern, Pfleger, Ärzte und Seelsorger für diese Aufgabe zu schulen.

Im November 1982 kam Paul Becker das erste Mal nach OstBerlin. In der Bundesrepublik für eine menschenwürdige Begleitung von unheilbar Kranken und Sterbenden engagiert, war der katholische Mediziner und Psychologe von der Westberliner Caritas-Hauptvertretung gefragt worden, ob er auch in Ostberlin medizinisches Personal für den Umgang mit Sterbenden ausbilden würde. Becker hatte zugesagt. Von da an hielt er neben seinen vielen Seminaren und Kursen in Westdeutschland auch entsprechende Schulungen für Mitarbeiter der katholischen Krankenhäuser in der DDR. "Die Menschen in der früheren DDR sind mir damals ans Herz gewachsen", sagt Becker. "Es war eine schwierige, aber auch spannende Zeit. Ich möchte sie in meinem Leben nicht missen."

Teilnehmer des ersten Kurses waren Diplom-Medizinpädagogen aus Berlin, Erfurt, Halle, Heiligenstadt und Potsdam, die als Multiplikatoren Beckers Erfahrungen bei ihrem Dienst in der Krankenpflegeausbildung weitergeben sollten. So eine Tagung begann freitags um 14 Uhr und endete sonntags gegen 15 Uhr, erinnert sich Dr. Becker. Ziel der Seminare war es, Ärzte und Pflegepersonal für die Bedürfnisse der unheilbar Kranken in ihrer letzten Lebensphase zu sensibilisieren und Erkenntnisse und praktische Tipps weiterzugeben. Bis zur Maueröffnung fanden 25 derartige Seminare in Ostberlin und der DDR statt. Bis zum Herbst 1989 hatten alle Chefärzte und 130 der rund 400 Ärzte der katholischen Krankenhäuser an den Grund- und Aufbaukursen teilgenommen, dazu rund 1000 Schwestern, Pfleger, Sozialarbeiter und in der Seelsorge Tätige. "Die Seminare waren in puncto bewusste Sterbebegleitung sozusagen der Samen für das DDR-Gesundheitswesen", so Becker. Viele von denen, die nach der Wende die Hospizarbeit in den neuen Ländern aufgebaut haben, gehörten zu DDR-Zeiten zu seinen "Schülerinnen und Schülern".

Getagt wurde meistens im damaligen Bischöflichen Bildungshaus in der Berliner Pappelallee. Während die Teilnehmer auch am Tagungsort übernachteten, musste Becker selbst jeweils am Abend wieder nach Westberlin zurück, um am nächsten Morgen per Tagesvisum wieder über die Grenze zu kommen. "Ich bin von den Grenzern mehrmals tüchtig gefilzt worden", erinnert sich der heute 74-jährige an unangenehme Erfahrungen mit den Vertretern des DDR-Machtapparates. Verweigert wurde ihm der Zugang nach Ostberlin jedoch nur zu einer einzigen dieser Tagungen: am 6., 7. und 8. Oktober 1989 - am 40. Jahrestag der DDR - und damit kurz vor dem Mauerfall!

Paul Becker selbst war 1971 "per Zufall" auf das Thema "menschenwürdiger Umgang mit Sterbenden" aufmerksam geworden. Damals berichteten die Medien erstmals über die Sterbeklinik St. Christopher in London. Im gleichen Jahr erschien Elisabeth Kübler-Roos' Buch "Interviews mit Sterbenden". Die Problematik begann Becker zu beschäftigen. "Menschen in unheilbarem Zustand zu begleiten und zu therapieren war während meines ganzen Medizinstudiums kein Thema", sagt Becker. "Der größte Misserfolg im Krankenhaus ist schließlich der Tod. Sich um Sterbende zu kümmern, war Sache der Pfarrer." Doch nun wurde herausgestellt, welche Wahrnehmungen, Empfindungen und Wünsche Sterbende haben, und dass man ihnen helfen kann, das Sterben als letzten Lebensabschnitt zu erleben.

Becker hospitierte in der Londoner Sterbeklinik, die heute als eine der Vorreiter der stationären Hospize gilt. "Damals begann ich zunehmend zu verstehen, dass der Arzt neben dem heilenden auch einen lindernden (palliativen) Auftrag haben könnte." Als Chef einer großen Klinik in Limburg und Leiter der angegliederten Krankenpflegeschule führte er die künftigen Krankenschwestern und -pfleger an die Begleitung Sterbender heran. In der Ärzteschaft gab es "viele Schwierigkeiten und Widerstände" zu überwinden, erinnert sich der Mediziner.

Bis heute begleitet Paul Becker selbst Schwerstkranke auf ihrem letzten Lebensabschnitt. "Ich habe bei der Begleitung vieler Sterbender gelernt, das Leben nicht zu vergessen. Es stimmt einfach nicht, dass man im intensiven Umgang mit Sterbenden depressiv werden muss", sagt der 74-jährige. "Lachen gehört zum Leben. Sterben gehört zum Leben. Also darf auch beim Sterben gelacht werden", sagt Becker, und betont, wie oft auch bei den Seminaren über Sterbebegleitung gelacht wird.

Neben seinen zahlreichen Kursen in ganz Deutschland hält Becker auch Vorlesungen an der Universität Mainz. Seinem Anliegen stünden heute viele Menschen aufgeschlossen gegenüber, sagt Becker, der für eine entsprechende Ausbildung auch der Theologiestudenten plädiert. "Erschreckend" sei allerdings, wie wenig Kenntnisse noch immer bei den Ärzten über die Möglichkeiten einer guten Schmerzlinderung vorhanden seien. "Schwerstkranke wurden früher mit Morphium zugeschüttet, damit sie ihr Sterben nicht erleben. Heute wissen wir: Menschen möchten bewusst ihr Sterben erleben und dies ist auch möglich. Allerdings brauchen sie dafür in der Regel einen Begleiter und Schmerzfreiheit, die nur ein Arzt ermöglichen kann." 1987 gründete Becker gemeinsam mit Mitstreitern die Internationale Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand. Inzwischen gibt es Sektionen in Österreich und Italien. In Belgien, der Schweiz und Frankreich sind sie im Entstehen.

Bis heute haben allein in Ostdeutschland an seinen Seminaren gut 1200 Personen teilgenommen. Am 19. Januar beginnt Becker auf Einladung des Instituts für Fort- und Weiterbildung an der Katholischen Fachhochschule Berlin einen weiteren Grundkurs in Erfurt.

Eckhard Pohl

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 2 des 50. Jahrgangs (im Jahr 2000).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 09.01.2000

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