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Bistum Görlitz

Altötting-Kapelle auf eigenem Grundstück

Einweihung

Branitz (ks) - Wer kennt sie nicht, die kleinen Kapellen am Wege aus längst vergangener Zeit? Im Urlaub kann man sie in katholischen Gegenden sehen. Viele Katholiken des Bistums Görlitz kennen sie noch aus ihrer schlesischen Heimat. Votivgeschenke, Weihegaben sind sie zumeist, um die Fürbitte der Heiligen zu erflehen, für eine Gebetserhörung zu danken oder ein Gelübde einzulösen

Rechtzeitig zum Beginn des Rosenkranzmonats weihte Bischof Rudolf Müller am 2. Oktober eine solche Votivkapelle im Domänedorf des Fürsten Pückler in Branitz, in unmittelbarer Nähe des Landschaftsparkes bei Cottbus. Diese Kapelle spanne einen Bogen zur größten Cottbuser katholischen Kirche "Maria Königin des Friedens" und sei gleichzeitig ein Gruß nach Altötting, sagte der Bischof. Er äußerte den Wunsch, dass die Kapelle eine "Stätte des Heiles und Segens" werden möge: "Marias Mütterlichkeit ist offen für alle, die zu ihr kommen." Mehr als 100 Gläubige waren zu der Weihestunde gekommen, darunter auch Gäste aus Altötting

Der Erbauer der Kapelle "Regina pacis" möchte nicht namentlich genannt werden. Im vertraulichen Gespräch antwortet er jedoch auf die Frage, was heute einen Menschen dazu bewegt, eine Marienkapelle zu bauen. Nach der Wende habe er den Wert des Gebetes und die Liebe zu Maria neu entdeckt. Die Fürsprache der "Himmelsmutter", wie er sich ausdrückt, habe in seinem Leben viel bewirkt

Pilger aus dem Raum Cottbus sind seit 1991 jährlich zu einer Wallfahrt nach Altötting eingeladen. Konstant 90 Wallfahrer sind es in jedem Jahr. Als die Pilgergruppe 1995 eine geweihte Nachbildung des Gnadenbildes vom Altöttinger Stiftspropst Max Absmayer geschenkt bekam, wusste man zunächst nicht so recht wohin mit dem Geschenk. Die umliegenden Kirchen hatten ihre Marienfiguren. So entstand der Gedanke eines Kapellenbaus

Heute nun steht die Altöttinger Madonna für jedermann erreichbar in der Kapelle Regina pacis. Franziskanerpater Edmund, der in Altötting die Wallfahrer betreut, Schwester Dibora, die Oberin des Instituts der Englischen Fräulein, das die Lausitzer Pilger beherbergt, und Hildegard Polette, die in dem bayrischen Wallfahrtsort für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, waren zur Einweihung nach Branitz gekommen

Die Kapelle mit ihrem ansprechenden Inneren und Äußeren ist vorwiegend aus eigenen Mitteln des Erbauers finanziert. Wesentliche Hilfe dabei waren die Spenden der Altötting-Wallfahrer, der Nachbarn, einiger ansässiger Handwerker und der eigenen Familie. Bis auf die Fenster, das Kupferdach und die Eingangstür ist alles "Ein-Mann-Arbeit". In die Außenwand sind in Kreuzesform fünf faustgroße Findlingssteine aus Lourdes eingelassen. Die sieben kleinen Fenster - die sieben Sakramente symbolisierend - sind in der Erfurter Dombauhütte entstanden, ein Werk von Matthias Jähn

Die Eingangsschwelle ist ein Geschenk aus Altötting. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert. Das "Überbleibsel" nach Renovierungsarbeiten brachten die Wallfahrer im Bus mit nach Cottbus-Branitz. Sicher sind in den Jahrhunderten, die diese Schwelle in der Gnadenkapelle in Altötting gelegen hat, Millionen von Betern darüber geschritten. Das Wallfahrtskreuz, im Inneren des Raumes aufgestellt, weist auf die Wallfahrten seit 1991 hin. Die Marienfigur, elektronisch gesichert in der vergoldeten Altarnische, ist ohne das in Altötting und anderswo anzutreffende Gewand zu sehen. Zwei gepolsterte Betstühle laden zum stillen Gebet und zum Verweilen ein. Über dem Ständer für Votivkerzen befindet sich ein Rauchabzug, der nach außen als Türmchen gestaltet und mit kanadischen Schindeln gedeckt ist. Über der Eingangstür befindet sich ein weiterer kleiner Turm. Das Glockentürmchen macht aus dem Bau auch nach außen hin sichtbar eine Kapelle

Die Besucher des Pückler-Parkes kommen auf dem Weg vom großen Parkplatz fast an der Kapelle vorbei. Sie steht in 03042 Cottbus-Branitz, Kiekebuscher Straße 13 a und ist mit der Stadtbuslinie 15, Haltestelle Branitzer Park, zu erreichen. Zwischen April und September ist sie von 8 bis 20 Uhr, zwischen Oktober und März von 9 bis 19 Uhr offen

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 40 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 10.10.1999

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