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Aus der Region

Nur keine Angst vor der Zukunft

Pater Damian Meyer

Woche für Woche erscheint "sein Kasten" mit wachmachenden Themen. Die Zeilen sollen ein positiver Impuls sein, aber auch als Lebenshilfe und Ermunterung dienen. Die kurzen Texte laden ein, "Auf Zwei Minuten" einmal zu reflektieren und sich gedanklich auf etwas einzulassen, wofür im Alltagsleben sonst keine Zeit mehr bleibt. Pater Damian Meyer, der Geistlicher Beirat beim Tag des Herrn ist, schreibt seit dreieinhalb Jahren für diese katholische Wochenzeitung. Als jüngstes von vier Kindern wurde er im Dezember 1935 in Diepholz, südwestlich von Bremen geboren. Nach dem Abitur 1957, beschloss er Priester zu werden und begann noch im gleichen Jahr mit dem Noviziat bei den Dominikanern in Wahlburg bei Kassel. Anschließend studierte er sieben Jahre Theologie und Philosophie in Brühl. Von 1963, dem Jahr seiner Priesterweihe, bis 1965, studierte er weiter in C../../incinatti/USA und ging danach in die Mission nach Taiwan, wo er bis 1988 blieb. Zu seinen Hauptaufgaben zählten dort unter anderem die Arbeit mit Jugendlichen, aber auch die Pfarrarbeit und die religiöse Erwachsenenseelsorge. Zeitweise arbeitete er auch als Deutschlehrer an einem Junior College für 16- bis 20jährige im Süden Taiwans

Die folgenden vier Jahre arbeitete der Dominikaner, dessen große Leidenschaft schon seit seiner Kindheit die Ornithologie ist, als Assistent des Ordensmeisters in Rom und knüpfte so auf vielen Reisen Kontakte zwischen Provinzen, in denen der Orden ansässig ist. Nach einem Jahr als Seelsorger in der Pfarrgemeinde von Walberberg, kam er Ende 1993 nach Leipzig, in den Dominikanerkonvent St. Albert. "Was mir hier besonders an den Ostdeutschen gefallen hat, ist der freundliche und höfliche Umgang mit Fremden", schwärmt Pater Damian Meyer. Aufgefallen sei ihm aber, dass das Bewusstsein der Menschen in Westdeutschland mehr an der Kirche und deren Traditionen hänge, als hier im Osten und dass die Mehrheit Glauben und Kirche eher gleichgültig gegenüberstehe

Pater Damian Meyer arbeitet unter anderem seit viereinhalb Jahren als Gefängnisseelsorger in der Untersuchungshaftanstalt in Leipzig. "Die Gefangenenseelsorge ist allerdings nur sinnvoll bei denen die wirklich Hilfe suchen", berichtet er. Viele der Häftlinge, die 23 Stunden am Tag eingesperrt sind, wenn auch nicht immer allein, suchen meist nur Abwechslung im tristen Gefängnisalltag. Die Arbeit in der Gefängnisseelsorge muß nicht ausdrücklich religiös sein, betont der Dominikaner. Es ist wichtig, auf die ernsthaft Interessierten einzugehen und ihnen im Einzelgespräch wirksam zu helfen. Daneben bietet Pater Damian aber auch Gruppengespräche bei Kaffee und Kuchen an, in denen spezielle Themen, wie zum Beispiel Frieden, Freiheit oder Liebe angesprochen werden. Manchmal, so erzählt er, stellen ausländische Gefangene auch ihr Heimatland vor

Wichtig ist es Pater Damian jedoch, dass sich die Häftlinge auf die Gruppenarbeit vorbereiten und sich intensiv mit dem vorgegebenen Stoff befassen, so dass sie sich auch einmal ablenken können. Außerdem wird dreimal in der Woche ein Gottesdienst in der U-Haft Leipzig angeboten, zu denen ungefähr 15 bis 30 Häftlinge kommen. Natürlich ist ein Gottesdienst im Gefängnis immer schwierig, denn die Teilnehmer sind meist nur passiv bei der Sache, Lieder oder Gebete können sie nicht. Seine Hauptaufgaben bei der Arbeit mit Häftlingen sieht Pater Damian Meyer im Zuhören, im Mut machen und im Stärken des Selbstbewußtseins der Menschen, die ihm ihre Schicksalsgeschichte erzählen. "Man wird bei manchen Geschichten innerlich ganz klein und demütig, sie machen traurig", gesteht er und wird dabei ein wenig nachdenklich

Aber aus diesen und anderen Erfahrungen - beispielsweise aus seinen Beobachtungen in der Straßenbahn - entstehen die Gedanken für den Kasten "Auf Zwei Minuten". Anregend sind für ihn aber auch Gedankengänge aus Sachbüchern oder chinesischen Weisheiten. "Die Idee zu einem Thema zu haben geht meist sehr schnell, aber ein geeignetes Beispiel zu finden dauert manchmal sehr lange", fährt der 64jährige fort. Was sich Pater Damian vor allem für die Zukunft wünscht, sind mehr pastorale Gespräche als Bereicherung und vor allem schriftliche Echos die sowohl Kritik als auch Anregung enthalten können, denn bei mehr als 320 bereits veröffentlichten Beiträgen ist es schwierig sich beispielsweise nicht zu wiederholen, oder immer wieder "brandaktuelle" Sachverhalte zu beleuchten

In einem seiner jüngsten Beiträge schrieb Pater Damian zum Thema Jahrhundert- und Jahrtausendwechsel, ein Thema was eigentlich aktueller und abwechslungesreicher nicht sein kann. Auf die Frage, wie sich Kirche ihren Weg nach 2000 Jahren zukünftig durch die multikulturelle und multireligiöse Gesellschaft bahnen kann, antwortet Pater Damian, dass die Kirche ihre Schätze und Reichtümer einfach wieder "neu verpacken" muß und attraktiver präsentieren sollte. "Viele Menschen suchen vielleicht genau nach den Dingen, die sie in der Kirche finden könnten. Aber sie gehen zu den falschen Quellen!" Solche Schätze die Pater Damian meint, sind zum Beispiel die Sakramente, aber auch die spirituellen Reichtümer, wie das Gebet oder die Antwort auf die Sinnfrage

Dass das Jahr 2000 anstehe bedeute gar nichts, meint Pater Damian Meyer. "Das ist kein richtiges Datum." Außerdem kann die Geburtsstunde des Christentums sowieso nicht genau festgelegt werden. Wichtig ist und bleibt nur, dass das Gute bewahrt wird, so dass die Menschen von der Kirche auch etwas lernen können, denn "die Kirche ist nicht am Ende!"

Anett Blaschka

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 29.08.1999

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