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Bistum Görlitz

In DDR-Gefängnissen waren keine Gespräche erlaubt

Gefängnisseelsorger Bernhard Walter

Forst - Nach 30-jähriger Tätigkeit als Seelsorger an Gefangenen im Nebenamt ist Pfarrer Bernhard Walter aus Forst Ende Juni auf eigenen Wunsch durch den Görlitzer Bischof von dieser Aufgabe entpflichtet worden

Im Rückblick auf diese Zeit schreibt Pfarrer Walter: "Am 29. Juni 1969 sandte mich Bischof Gerhard Schaffran zum ersten Mal ins Gefängnis in Cottbus. Den Tag vergesse ich nicht mehr, weil einer der Inhaftierten die Lesung aus der Apostelgeschichte vorlas, wo Petrus befreit wird. Über die Jahre der DDR-Zeit war ich dann jeden Monat einmal zur heiligen Messe drin, streng bewacht und ohne jede Gesprächsmöglichkeit mit den Inhaftierten. Meist waren es Männer, die sogenannte Republikflucht begangen hatten..

In der Wendezeit war ich im Beirat des Gefängnisses. Später ging beides nicht mehr; so entschied ich mich, weiter als Seelsorger in der Anstalt zu bleiben und übernahm auch noch Luckau. So bin ich nun seit fast acht Jahren in der JVA Cottbus jeden Montag drei bis vier Stunden und zweimal im Monat sonntags ähnlich lange, dazu kommt die JVA Luckau, wo ich einmal monatlich am Sonntag drei Stunden bin." Weiter schreibt Pfarrer Walter: "Diese Aufgabe ist mir ans Herz gewachsen, obwohl ich am 29. Juni 1969 mit Zittern und Zagen gegangen bin."

Die seelsorgliche Betreuung von Menschen im Strafvollzug zu DDR-Zeiten war kein leichtes Unterfangen und kann mit den jetzigen Bedingungen einer regulären Gefängnisseelsorge, wie sie in Westdeutschland schon seit Jahrzehnten praktiziert wird, nicht verglichen werden. Dem Seelsorger blieb nur der für einmal im Monat genehmigte Gottesdienst im Gefängnis. Dieser fand in der Strafvollzugsanstalt Cottbus in der Regel im Kinosaal oder in der Kantine statt. Für den Pfarrer waren die Besuche immer eine Gratwanderung. Er wollte die christliche Glaubensbotschaft vermitteln, mit dem geistlichen Anspruch der Hilfestellung für die Gefangenen. Denen war der Gottesdienstbesuch nur genehmigt worden als Teilnahme an einer "kulturellen Veranstaltung", und oft genug wurde diese untersagt

Pfarrer Walter hat in aller Redlichkeit und Treue diese Aufgabe, die unentgeltlich ausgeübt wurde, unter vielen Schwierigkeiten durchgestanden

Darüber schreibt Pfarrer Nikolaus Trzewik aus Spremberg, der ebenfalls seit DDR-Zeiten und bis heute Gefängnisseelsorger ist: "Wir als Gefängnisseelsorger hatten zu DDR-Zeiten keine weitere Möglichkeit der Kontaktnahme zu Gefangenen, geschweige denn Gesprächsmöglichkeiten, aber menschliche Zuwendung ist das erste, was von einem Seelsorger in diesem Aufgabenbereich erwartet wird. Dies recht und geradlinig zu tun, war das stete Bemühen von Pfarrer Walter."

Es gibt eine Reihe von ehemaligen Gefangenen, die zum Teil von der Bundesrepublik "freigekauft" wurden und sich sehr wohl an Pfarrer Walter und seinen "bescheidenen Dienst" erinnern und ihm im Nachhinein dankten

Zur Verabschiedung von Pfarrer Walter soll es noch eine Andacht oder einen Gottesdienst und einen kleinen Empfang geben. Neben Vertretern aus der Konferenz der katholischen Seelsorger in den Justizvollzugsanstalten sollen dazu ehemalige und jetzige Gefangene, ein Vertreter des Landes-Justizministeriums, Anstaltsleiter, Bedienstete und andere Gäste eingeladen werden. Zum Nachfolger in der nebenamtlichen Aufgabe des Gefängnisseelsorgers in den JVA Cottbus und Luckau ist zum 1. Juli Pater Bronislaw Marecik aus Lübben ernannt worden

Bernd Richter

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 33 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 22.08.1999

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