Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Aus der Region

Über 300 Ehemalige nahmen Abschied

Kolleg Norbertinum

Magdeburg (ep) - "Wenn etwas zu Ende geht, ist dies nicht nur ein herber Verlust, sondern kann auch ein Zeichen der Flexibilität und Wachheit sein für das, was jetzt dran ist." So deutete der Magdeburger Bischof Leo Nowak am vergangenen Samstag die Schließung des Kollegs Norbertinum. Daß dieser Schritt nicht nur ein endgültiges Aus für die langjährige katholische Einrichtung zum Erwerb des Abiturs bedeutet, sondern auch in die Zukunft weisen kann, dafür war der mit diesem Termin verbundene und gut gelungene Tag der Begegnung im Norbertuswerk (NW) ein sicheres Indiz. Mehr als 300 ehemalige Studierende, Dozenten, Mitarbeiter, Rektoren, Spirituale, Vertreter aus den Diözesen und Gäste waren nach Magdeburg gekommen, um trotz Wehmut miteinander einen frohen Tag zu begehen und alte Kontakte neu zu knüpfen

Leo Nowak dankte als zuständiger Ortsbischof allen, die in den zurückliegenden 47 Jahren im Norbertuswerk "gelebt und gewirkt haben". Die dort geleistete Arbeit sei hoch einzuschätzen. Denn die kirchliche Situa-tion im Osten Deutschlands würde sich heute nicht so darstellen, wenn es das Norbertuswerk nicht gegeben hätte, sagte Nowak: "Das alles hat also seinen Sinn gehabt und viel Gutes für die Zukunft bewirkt."

Der Tag begann mit einem Dankgottesdienst, den Bischof Nowak, der Schweriner Weihbischof Norbert Werbs und der Bischof in Rußland, Clemens Pickel, mit der versammelten "Norbertiner-Gemeinde" im Hof der Bildungsstätte feierten. Bischof Pickel, der 1981 im NW sein Abitur ablegte und nach der Wende als Priester nach Marx an der Wolga ging, sagte in seiner Predigt: "Wer von Gott in das NW gelockt wurde, wird sagen, daß Haus war wichtig für mein Leben." Viele seien hier im geistlichen Gespräch, bei der Nachtanbetung, aber auch "im erschöpften Gebet nach einer mißlungenen Prüfung" Gott begegnet. "Gott ruft auch heute jeden Norbertiner, an welchem Platz er auch steht", so Clemens Pickel. "Wir müssen deshalb die Ohren aufsperren, damit wir hören, was Gott von uns erwartet."

Der frühere Regens des Erfurter Priesterseminars und jetzige Jenaer Pfarrer Karl-Heinz Ducke erinnerte in einem Festvortrag zum Thema "Kirche - eine Zumutung für die Gesellschaft?" an die Chance "der kleinen Herde". Eine kleine Kirche habe die Möglichkeit, die Menschen erfahren zu lassen, "daß mein Glaube, mein Christsein für die Kirche eine Rolle spielt". Es stehe der Kirche gut an, "sich in der heutigen Suchgesellschaft mit einzureihen", damit sie "nicht Antworten gibt, die niemand braucht". Andererseits müsse die Kirche aber Präsenz zeigen und sich der Gesellschaft mit ihrem Dienst "zumuten": "Sie muß den Menschen deutlich machen: Du kannst den liebenden Blick Gottes in der Welt wahrnehmen."

Rund 1400 Studierende haben die 1952 eröffnete Ausbildungsstätte besucht, rund 1000 von ihnen legten das Abitur ab, 450 wurden Priester. Zu geringes Interesse am Abitur- beziehungsweise Sprachenkurs haben nun zur Schließung geführt. Für den letzten Rektor des Hauses, Pfarrer Matthias Weise, eine verständliche Entscheidung: "Ich glaube, die Schließung des Seminars für Theologieaspiranten war an der Zeit. Um das Kolleg mit Abitur- und Sprachenkurs ist es mir schon ein bißchen leid." Während die Lehrer ins Norbertusgymnasium übernommen werden, konnten drei Mitarbeiter leider nicht untergebracht werden, bedauert Weise. Das Kolpingbildungswerk werde das im Besitz des Bistums Magdeburg befindliche Grundstück weiter nutzen und von Zeit zu Zeit die Norbertiner zu einem Treffen einladen. Der letzte Direktor des Kollegs, Dieter Müller, dankte der "großen Solidargemeinschaft", die vor allem über das Paderborner Bonifatiuswerk und als stille Beter und Geber die Arbeit des Hauses ermöglichten. Der frühere Rektor und Lehrer Monsignore Wolfgang Quack erinnerte an den mehr als 25jährigen Dienst der Armen Schulschwestern im NW

Der Tag klang mit Kaffee und Kuchen, Dia-Schau und Puppenspiel einiger Dozenten sowie einer lustig-satirischen Beerdigung des NW's durch ehemalige Norbertiner aus.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 28 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 18.07.1999

Aktuelle Buchtipps