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Die Macht der Liebe

Mechthild von Hackeborn (Teil III)

Mit einem Gedenkjahr erinnert das Bistum Magdeburg derzeit an Mechthild von Hackeborn, eine der drei großen Mystikerinnen von Helfta. Der Tag des Herrn veröffentlicht den letzten Teil eines Beitrags von Dr. Hildegrund Keul, in dem sie sich mit der Heiligen und ihrer Botschaft beschäftigt:

Daß Mechthild von Hackeborn die unbekannteste der drei heiligen Frauen von Helfta ist, liegt auch daran, daß ihre Sprache heute nicht mehr so leicht zugänglich ist; sie bedarf der Anstrengung der Übersetzung. Aber Mechthild vertritt eine Botschaft, die auch heute noch wichtig ist: Sie glaubt an die Macht der Liebe. Auch sie hat - wie so viele Menschen heute - die Erfahrung gemacht, daß ihr die Anstrengung des Alltags, der Kampf mit der Krankheit und die Mühsal des Lebens alle Kräfte raubt. Sie kennt das tiefsitzende Gefühl des Ungenügens, weil sie nicht allen Anforderungen im Kloster gerecht wird, weil wichtige Arbeit unerledigt bleibt, weil Menschen, die auf ihren Beistand warten, enttäuscht werden. Mechthild aber bringt ihre Sorge vor Gott und erhält eine Antwort, die auch den Menschen von heute in ihrer Überforderung Mut machen kann

Eine solche Verheißung widersteht der drohenden Resignation und schenkt neue Kraft. Sie macht fähig, dem Alltag geduldig und beharrlich das Leben abzuringen. Es ist die Stimme der Liebe, die diese Verheißung ausspricht: "Verwirre dich nicht, ich werde alle deine Versäumnisse aufrunden." Die Liebe ist es, die an die Quelle des Lebens zurückführt und den Alltag zu seiner schöpferischen Kraft befreit

Die Mystik bringt Gott zur Sprache, und zwar ausgehend von den Lebensproblemen der Menschen hier und heute. In dieser Fähigkeit liegt die Kraft, mit der die Mystik auch über die Jahrhunderte hinweg wirksam sein kann. Gott spricht zu der Mystikerin: "Ich bin das Verständnis im Ohr der Hörenden, durch welches sie verstehen, was sie hören." Auch heute machen Menschen die Erfahrung, daß sie aneinander vorbeireden, bei bestem Willen dennoch nicht verstanden werden, zu keiner gemeinsamen Sprache finden. "Das Verständnis im Ohr der Hörenden" - es ist wahrhaftig nicht selbstverständlich, sondern es ist eine Gnade. Mechthild von Hackeborn hat diese Erfahrung bereits vor mehr als 700 Jahren gemacht

Die Mystik der Frauen von Helfta ist ein verborgener Schatz im steinigen Acker mittelalterlicher Sprache und Spiritualität. Dieser Schatz kann in seiner Bedeutung zum Tragen kommen, wenn er entdeckt und gehoben wird. Dazu braucht es aber die Erinnerung an die Mystikerinnen von damals

Mechthild von Hackeborn ist am 19. November 1299, also vor 700 Jahren, gestorben. Dieses Datum nimmt das Bistum Magdeburg zum Anlaß, um an die Mystik von Helfta und ihre Verheißung des Lebens zu erinnern. Das "Mechthild-von Hackeborn-Jahr" wurde im vergangenen November in Helfta eröffnet. Es wird begleitet von Veranstaltungen in Helfta, aber auch an anderen Orten des Bistums, die die Botschaft der Mystikerinnen zu entschlüsseln helfen. Das Wochenende vom 20. bis 21. November diesen Jahres soll dann ein Fest zu Ehren der Mystikerin das Mechthild-Jahr beschließen. Vielleicht sind die Zisterzienserinnen, die in Helfta an die Klostertradition des Mittelalters anschließen und dort einen neuen Konvent gründen wollen, zu dieser Feier bereits in Helfta eingezogen

Dr. Hildegund Keul

Zitat:

Ein andermal, da sie bitteren Herzens überdachte, wieviel von Gott geschenkte Zeit sie unnütz vertan und Gottes Gaben als Undankbare fruchtlos verzehrt, sprach die Liebe zu ihr: "Verwirre dich nicht. Ich werde alle deine Schulden wieder einholen und alle deine Versäumnisse aufrunden."

Mechthild von Hackeborn, Strömendes Lob 48

Veranstaltung: "Begegnung mit drei Mystikerinnen des Mittelalters: Gertrud die Große, Mechthild von Magdeburg und Schwester Hadewig" am 16. / 17. April in der Begegnungs- und Bildungsstätte St. Gertrud in Helfta (Referentin: Äbtissin Assumpta Schenkl O.Cist.) Informationen und Anmeldung: Begegnungs- und Bildungsstätte St. Gertrud, Kloster Helfta, Lindenstraße 36, 06295 Eisleben (Schwester Gerburga); Tel. 0 34 75 / 71 54 50 oder 77 20 10

Buchtip: Michael Bangert / Hildegund Keul: Vor dir steht die leere Schale meiner Sehnsucht. Die Mystik der Frauen von Helfta, Leipzig, St.-Benno-Verlag, ISBN 3-7462-1259-6, Preis: 24,80 Mark

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 11 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 21.03.1999

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