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Aus der Region

Gedenken an die russischen Märtyrer des 20. Jahrhunderts

Partnerschaftsaktion Ost

Vorschlag für einen Gemeindeabend

Thema: Spuren Gottes in Russland / Gotteserfahrung von heiligen Menschen - Erfahrungen der Partnerschaftsaktion Ost

Die Leiden der Christen Russlands von 1917 bis 1982

Die völlige Vernichtung des Glaubens und aller Gläubigen war eines der ersten Ziele der Bolschewiki/ Kommunisten. Sie führten deshalb besonders in den Jahren bis 1941 einen gnadenlosen Vernichtungsfeldzug gegen die orthodoxe Kirche.

Von 55 000 orthodoxen Gotteshäusern waren 1940 nicht einmal mehr 500 in kirchlicher Nutzung. Die 1025 Klöster, 57 Priesterseminare und 4 Akademien (Zahlen von 1914) wurden schon Mitte der 20er Jahre geschlossen.

Von 163 Bischöfen (1914) waren bis 1926 mehr als 80 umgebracht, verhaftet, verbannt. Im Jahre 1943 amtierten nur noch 4 Bischöfe. Allein 1937 wurden 85 000 Geistliche getötet, im Jahr darauf waren es 21 500.

In den 70 Jahren Sowjetmacht wurden rund 200 000 Angehörige des Klerus hingerichtet, oft grausam ermordet.

Vertreter der Partnerschaftsaktion Ost unseres Bistums Magdeburg besuchten die Erschießungsstätte bei der Ortschaft Butowo, südlich Moskaus. Hier wurden allein im Zeitraum vom 8. August 1937 bis zum 19. Oktober 1938 20 762 Menschen erschossen, unter ihnen auch Metropolit Serafim, der inzwischen heilig gesprochen wurde.

Die Zahl der Märtyrer wird nie in ihrer wahren Größenordnung bekannt werden. Dass es sich um Opfer in vielfacher Millionenhöhe handelt, ist unbestritten.

Die Märtyrer

Am Orthodoxen Theologischen Institut St. Tichon wird intensiv an der Geschichte der Märtyrer des 20. Jahrhunderts gearbeitet. "Die Auseinandersetzung mit der Tapferkeit dieser Menschen, die dem Bösen nicht nachgaben und ihr Leben für das Gute und die Liebe opferten, ist für uns eine wichtige Lebenshilfe. Die Märtyrer sind ein Vorbild, wie man inmitten des Triumphs des Bösen sein Leben gestalten und auf christliche Art das Böse nicht mit Bösem vergelten sollte, das damit nur mächtiger wird, sondern mit Liebe." Es ist eine heilige Pflicht gegenüber den Opfern einer in diesem Maße noch nie dagewesenen Verfolgung der Orthodoxen Kirche und des Glaubens in Russland, in dankbarer Liebe derer zu gedenken, die den Glauben um den Preis ihres Lebens bezeugt haben und die mit dem Blut, das sie vergossen haben, das kirchliche Leben verteidigt und gestärkt haben.

"Die Lebensbeschreibung der Märtyrer zu sammeln, zu bewahren und bekanntzumachen, das ist eine wichtige Aufgabe unserer Zeit und unsere Pflicht vor Gott und den Menschen. Ein Volk, das das Andenken an seine Vergangenheit bewahrt hat, kann auch auf eine Zukunft hoffen. Die Zeugnisse von der Lebensweise unserer neuen Heiligen sind das beste Mittel für eine gute Unterweisung unserer jungen Generation."

Die Heiligen

Wegen ihres besonderen Lebens, ihrer Güte und Aufrichtigkeit, ihres Bekennertums und des ungebrochenen Märtyrertods wurden einige Neumärtyrer von Konzilen der Russisch-Orthodoxen Kirche in die Schar der Heiligen eingereiht.
Zu den am meisten verehrten Heiligen gehört Elisabeth, eine geborene Prinzessin von Hessen- Darmstadt. Sie genoß schon zu Lebzeiten wegen ihrer liebenswürdigen Art und ihres sozialen Engagements hohes Ansehen. Ihre Lebensbeschreibung haben wir der aktuellen russischen Literatur entnommen, sie ist als Anlage beigefügt

Metropolit Serafim wurde am 9. Juni 1856 geboren. Er stammte aus einer hochangesehenen Petersburger Familie von Seefahrern und schlug zunächst eine militärische Laufbahn ein. Seit frühester Kindheit zeichnete er sich durch tiefe Religiosität aus, und nachdem er schon als Achtjähriger seine Eltern verloren hatte, suchte er, nach seinen eigenen Worten, Trost in der Religion. Als 35jähriger verließ er die Armee, wurde Diakon, später Priester. Einige Jahre nach dem frühen Tod seiner Frau überließ er die Erziehung seiner 4 Töchter Vertrauenspersonen und wurde Mönch. Im Jahre 1905 wurde er Bischof, später Erzbischof und Metropolit.

Das ganze Leben des Bischofs war von Barmherzigkeit geprägt. Schon als Soldat galt seine Aufmerksamkeit denen, deren Gesundheit während des Militärdienstes ruiniert worden war. Er gründete einen Wohltätigkeitsverein zur Unterstützung von Soldaten, die nicht pensionsberechtigt auf Grund ihrer Krankheit dienstuntauglich geworden waren. Metropolit Serafim kümmerte sich um Waisenkinder, deren Eltern im Krieg ums Leben gekommen waren. Er ermöglichte eine umfangreiche kostenlose medizinische Versorgung, um das Schicksal von Verwundeten zu mildern. Während des Russisch-Japanischen Krieges wurden auf seine Fürsprache hin Sanitätszüge gebildet, für die er selbst auch Spenden sammelte.

Metropolit Serafim maß dem Gemeindeleben große Bedeutung bei. Dazu hielt er es für notwendig, dass in den Gemeinden religiöse Schulen, Bibliotheken und Essenausgaben organisiert würden.

Im Jahre 1922 wurde er als 66-Jähriger erstmals verhaftet und zu 4 Jahren Verbannung verurteilt. Er lebte zunächst zurückgezogen, war dann aber von 1929 bis 1933 wieder als Metropolit in Leningrad tätig. All sein Tun war vom Evangelium getragen und an seiner Gegnerschaft zum kommunistischen Regime ließ er niemals Zweifel aufkommen. Auch im Ruhestand, in den er 77jährig eintrat, und in einem Kloster bei Moskau verbrachte, blieb er trotz Krankheit aktiv. Um ihn scharten sich Freunde, Anhänger und Schüler. Als 81jähriger wurde er im Herbst 1937 erneut verhaftet. Er war so schwerkrank, dass die Mitarbeiter des NKWD ein Fahrzeug der Schnellen Medizinischen Hilfe rufen mußten. So wurde er auf einer Trage ins Taganer Gefängnis in Moskau gebracht. Am 11. Dezember 1937 wurde er in Butowo erschossen.
Kurze Zeit vor seiner Verhaftung sagte Metropolit Serafim:

"Die orthodoxe Kirche durchlebt gegenwärtig eine Zeit der Prüfungen. Wer jetzt der heiligen apostolischen Kirche treu bleibt, wird gerettet werden. Viele werden jetzt auf Grund der Verfolgungen von der Kirche abtrünnig, andere verraten sie sogar. Aber es ist aus der Geschichte bekannt, dass es auch früher Unterdrückung und Verfolgung gegeben hat, aber immer haben sie ein Ende gefunden und das Christentum hat gesiegt. So wird es auch mit diesen Verfolgungen werden. Sie werden enden, und das orthodoxe Christentum wird erneut triumphieren. Jetzt leiden viele für den Glauben. Das ist wie Gold, das im geistlichen Feuer der Prüfungen gereinigt wird. Danach wird es so viele heilige Märtyrer geben, die wegen ihres Glaubens an Christus gelitten haben, wie es bisher in der ganzen Geschichte des Christentums nicht dagewesen ist."

Fragen zur Diskussion

Spuren von Gott, Gotteserfahrungen in Russland- gibt es die überhaupt?
Sind Leid und Tod notwendige Voraussetzung für die Berührung mit Gott?
Führen Taten der Barmherzigkeit zu Gotteserfahrungen?
Aufrichtigkeit und Widerstand gegenüber allem Bösen, ist das schon Gotteserfahrung?

Zur Organisation

Bei der Partnerschaftsaktion Ost liegt ein reicher Wissensschatz über die Unterdrückung der Russisch-Orthodoxen Kirche, über die Neumärtyrer und neuen Heiligen vor, auch umfangreiche Literatur (neue russische Erstausgaben) und Farbdias sind vorhanden. Wir erwarten Ihre Anfrage, bzw. Einladung zur Gestaltung von Veranstaltungen in Ihrer Gemeinde.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 5 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 07.02.1999

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