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Aus der Region

Kultusminister Matthias Rößler

Interview

Sachsens Kultusminister Matthias Rößler (CDU) äußerte sich kürzlich in Aue zur Verantwortung von Staat und Kirche für die Werteerziehung. Der Tag des Herrn sprach mit ihm:

Frage: Herr Minister, Sie sprachen von christlichen Werten, die im Rahmen des Religionsunterrichts eine wichtige Rolle in der Bildung junger Menschen spielen. Welche sind das?

Rößler: Im wesentlichen ist das die christliche Nächstenliebe, die so alt ist wie das Christentum selbst und eine zentrale Bedeutung für die Religion hat. Heute begegnet uns der Begriff als Solidarität wieder. Gerechtigkeit ist ebenfalls ein zentraler Wert des Christentums, der Bildungsziel und gesellschaftliche Aufgabe ist. Auch die Achtung vor der Schöpfung Gottes, also den Umweltschutz, vermittelt das Christentum

Frage: Unterscheiden sich konfessioneller Religionsunterricht und Ethikunterricht bei der Werteerziehung?

Rößler: Der Ethikunterricht vermittelt die säkularisierten Werte des Christentums. Es handelt sich dabei im Grunde um den allgemeinen Wertekatalog des Abendlandes, vor allem geprägt von Christentum, Humanismus und Aufklärung. Dennoch ist er weltanschaulich neutral. Beide Fächer verbindet also eine beachtliche Schnittmenge und eine sehr ähnliche Zielsetzung bezüglich der Werte, die sie vermitteln sollen

Frage: Wie verhält es sich angesichts der von Ihnen beschriebenen engen Zusammenarbeit von Kirche und Staat in Bildungsfragen mit der Trennung von Kirche und Staat?

Rößler: Natürlich gibt es die Trennung von Kirche und Staat. Doch beide können ebenfalls sinnvoll zusammenarbeiten, eine - wie die Erfahrung zeigt - positive Konstruktion. Deutschland ist bei dieser Frage nicht gleichzusetzen mit Frankreich oder Amerika. Bei der Zusammenarbeit von Kirche und Staat - zum Beispiel im Bildungsbereich - haben wir eine spezifische Tradition, die sich bewährt hat. Ohne die Kirchen fiele ein Großteil der Jugendarbeit sowie der gesamte Religionsunterricht weg. Schließlich sind die Kirchen wichtige Partner bei der Restaurierung der durch zwei totalitäre Systeme schwer geschädigten Gesellschaft

Frage: Ist es nicht utopisch, von einer produktiven Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche zu sprechen, wenn weite Teile der Bevölkerung sich in bezug auf die Kirchen als unbeteiligt sehen?

Rößler: Zum einen ist unsere säkularisierte Gesellschaft nicht ein Stern im luftleeren Raum, sondern auch in Sachsen ist das christliche Abendland in seiner historischen und aktuellen Dimension prägend und bis heute gegenwärtig: etwa in der religiösen Kunst und im Volksbrauchtum. Dies konnte auch die DDR nicht wirklich ausmerzen. Aber es besteht ein sogenannter Tradierungsabriß, da aufgrund der kirchenfeindlichen Politik der DDR ein Großteil der Kirchenmitglieder austrat und die Kirchen in ihre Nischen verwies. Heute besteht ein Nachholbedarf an Wissen über Religion und Kirche. Zum anderen müssen wir uns folgendes klarmachen: Immer profitieren mehr Menschen von der Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche als nur die beteiligten Kirchenglieder. Dafür gibt es viele Beispiele. Mit an erster Stelle der schulische Religionsunterricht, an dem zahlreiche Schüler teilnehmen, die keiner Kirche angehören. In den angesehenen kirchlichen Schulen in freier Trägerschaft profitiert ein hoher Prozentsatz nichtchristlicher Schüler von dem Engagement seines christlichen Trägers. Weiter fühlen sich viele andere zu den Angeboten der kirchlichen Jugendarbeit hingezogen. Und die kirchlichen Kindergärten, Bildungsangebote, Krankenhäuser und Beratungstellen stehen ebenfalls jedermann offen. Hieran ist zu sehen, wie sich die Erwartungen der "säkularisierten Gesellschaft" entwickelt haben und die Last der vielen freien Trägerschaften der Kirchen von immer weniger Mitgliedern finanziell abgefangen werden muß. Die Kirchen haben in unserer Gesellschaft eine Stabilisationsfunktion, die ihre quantitative Bedeutung überragt. Deshalb bemühen wir uns um eine produktive Zusammenarbeit in unserer gemeinsamen Verantwortung für die Menschen

Interview: Leo Herrmann

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 51 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 20.12.1998

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