Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Magdeburg

Klein, aber hochmotiviert

Sekten in Sachsen-Anhalt

Leipzig (ste) - Sekten oder neureligiöse Gruppen wie "Fiat Lux" oder "Universale Kirche" haben in letzter Zeit wieder verstärkt durch Medienberichte von sich reden gemacht. Viele von ihnen sind auch in Sachsen-Anhalt aktiv. Mit genauen Zahlen tun sich die Experten jedoch schwer, schon allein, weil die Zahlen von der Definition von "Sekte" abhängen. Was läßt sich noch als seriöse Religion betrachten, was ist harmlose Spinnerei und was schließlich gefährliche Scharlatanerie?

Zur Beurteilung ziehen Informationsstellen unter anderem ein praktisches Kriterium heran: die Konfliktträchtigkeit. Der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche, Andreas F../../incke: "Wir beobachten sehr genau: Nach welchen Gruppen wird zum Beispiel viel mehr gefragt, als sie Mitglieder haben." F../../incke ließ sich vom Benno-Hörfunk doch eine Zahl entlocken: "Die Zahl hochproblematischer Gruppen in Sachsen-Anhalt bewegt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unter zehn."

Die - aus Sicht der christlichen Kirchen - klassischen Sekten wie die Zeugen Jehovas haben nach der Wende nicht wesentlich mehr Anhänger gewonnen. Beachtlichen Zulauf habe zur Zeit die esoterische Szene oder ein alternativ-religiöses Milieu

Dies seien häufig eher Strömungen ohne feste Institution, ohne Chef und definiertes Theoriegebäude. Auch wenn die religiösen Ideen auf Außenstehende abstrus wirken, machen hier keine dummen Leute mit. "Man könnte auch spöttisch sagen: Das sind häufig Intellektuelle mit 'nem Stich, aber eben Leute, die schon eine höhere Schulbildung haben," meint F../../incke. F../../inckes Einschätzung trifft sich im wesentlichen mit der von Werner Theisen, Referatsleiter im Magdeburger Sozialministerium, und der des katholischen Sektenexperten Gerald Kluge, Schmochtitz. In Sachsen-Anhalt scheint mit den Ablegern der problematischen Gruppen weniger los zu sein als in anderen Bundesländern. F../../incke: "Man könnte salopp saagen, daß die Menschen hier religiösen Fragestellungen so weit entfremdet sind, daß sie nicht mal auf Sekten reinfallen." Dennoch will er keine Entwarnung geben: "Man hat es im ersten Augenblick mit scheinbar kleinen Zahlen zu tun, aber auf den zweiten Blick dann doch mit hochmotivierten, manchmal auch mit fanatisierten kleinen Gemeinschaften. Und das wiederum muß die Öffentlichkeit sehr ernst nehmen."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 25.10.1998

Aktuelle Buchtipps