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Aus der Region

Diakon Höhne: Mission ist Dialog

Weltmissionssonntag

Am 25. Oktober feiern wir katholischen Christen den Weltmissionssonntag. Das diesjährige Thema lautet: Versöhnung. Was aber ist Versöhnung? Man könnte sagen, sich gegenseitig die Hand geben und Frieden schließen. Aber genau das ist nicht immer einfach

Am Beispiel von fünf afrikanischen Ländern wird dies besonders deutlich: Algerien, Liberia, Mosambik, Südafrika und Sudan. Eingeladene Missio-Gäste aus diesen Ländern vermitteln in allen Diözesen Deutschlands die Situation der Menschen vor Ort. In unserem Bistum Erfurt dürfen wir Pater Thieu Haumann aus den Niederlanden begrüßen. Er ist Mill-Hill-Missionar und war 35 Jahre in Afrika, davon die letzten acht Jahre im Südsudan. Dort herrschen Krieg, Hunger und Elend, aber die Menschen sind voller Hoffnung. Sie geben nicht auf! Das Christentum im Südsudan lebt

Wichtig aber ist es, daß wir von der Kirche im Südsudan Kenntnis haben. Das ist die Vorbedingung für jede Solidarität. Als Missionar hat Pater Thieu dort nicht immer nur gute Erfahrungen gemacht. Aber ein guter Freund hat ihm eine einleuchtende Lebensregel empfohlen: "Thieu, schreib deine negativen Erfahrungen in den Sand und haue die positiven in Stein, so daß sie für alle sichtbar werden." Und so hat er seine Erlebnisse zwar nicht in Stein gehauen, aber mit dem Computer zu Papier gebracht, damit viele Menschen erfahren, wie die Christen im Südsudan leben

In seinem Buch "Unterwegs zum Frieden - Begegnungen mit Menschen im Sudan" schreibt Thieu: "Sie haben oft leere Hände, aber dennoch haben sie uns Menschen in Europa viel zu geben." Und über die Lage im Kriegsgebiet befragt, zitiert er ein afrikanisches Sprichwort: "Ein Mensch überlebt nicht deshalb, weil er es schafft, alle seine Feinde zu töten, sondern weil es ihm gelingt, immer mehr Freunde zu gewinnen."

Jetzt erkenne ich, daß Mission keine Einbahnstraße zwischen uns und den Menschen im Südsudan ist, sondern ein Dialog zwischen beiden Kontinenten werden kann und muß. Überall wo Menschen Pater Thieu zuhören, sind sie beeindruckt von seinen Ausführungen und Erzählungen und wenn er damit endet, könnte man eine Nadel zu Boden fallen hören. Ganz besonders wichtig ist der Wiederaufbau von Schulen und Bildungseinrichtungen im Südsudan, meint Thieu, denn diese sind bewußt durch die Regierungstruppen des Nordens zerstört worden. Er weiß, wovon er spricht, er war jahrelang mit der Ausbildung der Katecheten im Lande beauftragt

Im Januar kommenden Jahres wird Pater Thieu wieder in den Sudan zurückkehren und weiter als Vermittler zwischen den Kontinenten wirken. Und so wollen wir ihn nicht nur mit unseren guten Wünschen und Gebeten begleiten, sondern auch unseren ganz persönlichen Beitrag zur Unterstützung der Menschen in Afrika durch unsere Spenden leisten. In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten und und uns alle verbindenden Weltmissionssonntag

Diakon Rudolf Höhne, Missio-Diözesan-Referent im Bistum Erfurt

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 25.10.1998

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