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Aus der Region

Werke von Hildegard Henrichs in vielen Gemeinden bekannt

Künstlerporträt

Der Mensch kann trotz eigener Lebenskreuze im Glauben zu einer tiefen inneren Freude finden. Davon ist die Erfurter Künstlerin und Christin Hildegard Hendrichs fest überzeugt - und bestrebt, anderen Menschen von dieser, ihrer Überzeugung und den Gründen dafür zu erzählen

Von Beruf Bildhauerin hat Hildegard Hendrichs ihr Leben lang mit Holz, Kupfer, aber auch Leinwand und Farbe christliche Motive gestaltet: So sind zahlreiche Darstellungen des Lebens, Sterbens und der Auferstehung Jesu entstanden. Viele Male hat die Künstlerin Franz von Assisi abgebildet. Zudem hat sie aber auch Darstellungen der heiligen Hedwig, der Gottesmutter Maria, der heiligen Elisabeth, Pfingstbilder und viele andere Werke geschaffen. "Mich drängt es, die Frohe Botschaft, die Christus uns gebracht hat und deren Wahrheit ich in meinem persönlichen Leben erfahren habe, durch meine Bilder den Menschen nahezubringen", sagt die Bildhauerin, die in diesem Sommer 75 Jahre alt geworden ist

Wer mit Hildegard Hendrichs näher ins Gespräch kommt, dem erzählt sie bald die Geschichte von der "Vollkommenen Freude": "Als ich Anfang 20 war, las ich in einem Buch eine Erzählung über ein Gespräch des heiligen Franziskus mit seinem Mitbruder Leo über die ,Vollkommene Freude': Zunächst zählt Franziskus seinem Bruder vieles auf, was nicht die ,Vollkommene Freude' ist: alle Schätze der Welt besitzen, alle Sprachen sprechen, alle unheilbar Kranken heilen, so gut predigen, daß alle Menschen zum christlichen Glauben finden. Dann aber kommt er auf den Punkt: ,Die ,Vollkommene Freude'', so erzählt er Bruder Leo, ,besteht darin, aus Liebe zu Christus, unserem gekreuzigten Herrn, alle Widerwärtigkeiten des Lebens zu ertragen: Mühsal, Nichtverstandenwerden, Unrecht, Zurückgesetztwerden, Krankheit und alle inneren und äußeren Schmerzen". Frau Hendrichs: "Ich habe mir damals beim Lesen sofort das Wichtigste der Geschichte aufgeschrieben und dann fast jeden Tag gebraucht, weil ich sehr empfindlich war, und ich brauche die Geschichte bis heute."

"Zur ,Vollkommenen Freude' zu finden, das ist natürlich ein lebenslanger Prozeß", sagt Hildegard Hendrichs. "Entweder verzweifeln wir in unserer Not, verbittern, drehen uns immer um uns selbst und um Menschen, die uns wehgetan haben. Oder wir schauen hin zu Christus, unserem gekreuzigten Herrn, und ertragen alles aus Liebe zu ihm. Das bringt innere Ruhe, Gelassenheit, ja Freude aus der erfahrenen Liebe Gottes. Wie oft wäre ich in meinem Leben in Verzweifelung gefallen, hätte ich diese Geschichte nicht gekannt", so die gläubige Christin. "Eigentlich ist es ja die gelebte Erfahrung mit dem Wort Jesu: ,Wer mir nachfolgen will, der nehme täglich sein Kreuz auf sich.' Oder auch die Erfahrung des heiligen Paulus: ,Mitten in der Trübsal sind wir voller Freude.'" Zuerst tue das jeweilige Kreuz natürlich sehr weh, drücke und sei unverständlich, sagt die Beterin. "Es kommt darauf an, immer wieder von sich selbst wegzuschauen, und die Not, die einem widerfährt, Gott hinzuhalten. So kann man der großen Liebe Gottes begegnen, die uns zu ihm zieht und aus der wir in jeder Situation leben können."

So, wie sich das Leben eines Menschen im Kontakt mit Christus wandelt, so habe sich auch die Gestalt ihres Christusbildes gewandelt, sagt die Bildhauerin. Zunächst habe für sie durch die Erfahrungen des Weltkrieges, der Notzeit und persönlichen Leids das Bild des Schmerzensmannes im Vordergrund gestanden. Je mehr es ihr im Laufe der Jahre gelungen sei, sich der frohmachenden Botschaft Jesu von der Liebe Gottes zu jedem Menschen bewußter zu werden, um so heller seien auch die Farben ihrer Bilder geworden. "Diese Liebe habe ich in den Bildern Christi, die ich in Holz, Kupfer oder Öl gestaltet habe, immer wieder darzustellen und das Ergriffensein davon in den von mir geschaffenen Gesichtern der Heiligen auszudrücken versucht."

Ihre selbst erfahrene innere Freude "machte sich plötzlich aber auch in kleinen musikalischen Kompositionen Luft", wie die gläubige Künstlerin erzählt. "Die Erfahrung, daß das Kreuz, das man in Liebe aus den Händen Gottes annimmt, zur Freude führt, und das einem dabei eine große Kraft heiligen Geistes geschenkt wird, hat mich plötzlich zum Singen geführt." Meist durch Evangeliumstexte oder christliche Festinhalte angeregt, entstanden Lieder und musikalische Meditationen, die die Künstlerin nach der Wende auch in drei Bändchen im Münsterschwarzacher Vier-Türme-Verlag veröffentlicht hat. Um anderen Menschen von ihrer Erfahrung mit Christus und seiner Botschaft zu erzählen, bietet Hildegard Hendrichs in katholischen und evangelischen Gemeinden Bildmeditationen an. Auch in diesen Tagen ist sie in Westdeutschland unterwegs. Zudem organisiert sie regelmäßig Treffen und Exerzitien für die Mitglieder der Franziskanischen Gemeinschaft

Anläßlich ihres 75. Geburtages am 7. Juni schrieb der Erfurter Bischof Joachim Wanke: "Es ist Hildegard Hendrichs sehr zu danken, daß sie durch ihre Kunst Menschen den Zugang zum Geheimnis des Kreuzes Christi eröffnet hat. Wovon ihr Werk eindrücklich kündet, wird manchen eine Hilfe sein, mit den eigenen Lebenskreuzen besser umgehen zu können. Möge der Künstlerin selbst die Freude des mit Christus bestandenen Kreuzes stets erfahrbar bleiben."

Eckhard Pohl

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 40 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 04.10.1998

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