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Bistum Erfurt

Rumänischer Bischof zu Gast

Bistumswallfahrt

Erfurt (bip/tdh) - "So bunt, wie ihr jetzt vor mir auf dem Domplatz steht, so bunt und vielfältig ist Gottes Geist in den Menschenherzen am Werk", sagte Bischof Joachim Wanke den fast 10 000 Gläubigen aus allen Regionen der Diözese, die bei schönstem Herbstwetter an der Erfurter Bistumswallfahrt teilnahmen. Gekommen waren aber auch Gäste aus den angrenzenden Diözesen und aus Bistümern anderer Länder. Mit Beifall begrüßten die Wallfahrer Bischof Petru Gherghel aus der rumänischen Diözese Iasi sowie Gäste aus den Diözesen Timisoara und Lugoj sowie aus Bratislava.

Die Wallfahrt stand unter dem Leitwort "Mittendrin und trotzdem anders: Leben aus dem Geist". Bischof Wanke griff es in seiner Predigt auf und fragte: "Mittendrin - ja, das ist richtig. Aber: Trotzdem anders? Bemerkt man wenigstens an einigen Stellen unseres Lebens ein Anderssein?" Wenn mancher Zeitgenosse mit wehmütigem oder hämischen Unterton sage: "Naja, wir wußten es ja immer: Christen sind auch nur Menschen!" stimme das wohl, so Wanke. Doch Christen sollten zumindest Menschen sein, die trotz ihres Versagens im einzelnen wenigstens anders sein wollen

Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen zum deutschen Bundestag sagte der Bischof: "Mir ist weniger wichtig, was einer eine Woche vor den Wahlen sagt, als was in seinen Überzeugungen, in seinem Leben, in seinem ganzen Charakter erkennbar wird: Ist das einer, der dienen will, oder will er sich nur selbst bedienen? ,Mittendrin im Geschäft der Politik - und trotzdem anders!' Ist das ein Wahlkriterium?"

Die Welt brauche dringend Menschen, die den Geist Christi bezeugen, ihn anderen erschließen und ihm Glanz und Anziehungskraft geben, so der Bischof. "Ohne uns wird die Welt mit Sicherheit nicht besser. Die bessere Politik, die wir uns von den Politikern wünschen, fängt im eigenen Inneren an, bei dir und bei mir mit der Umkehr zur Wahrhaftigkeit, zur Opferbereitschaft, zur Solidarität, zur Versöhnung, mit der Umkehr zum Nächsten und zu Gott! Auf solche ,Menschen der Umkehr' ist jede gute Politik angewiesen. Fordern wir von ihr, was wir von uns selbst fordern! Wenn das viele, ja alle tun, braucht uns vor der Zukunft nicht bange zu sein. Darum meine Bitte: Bleibt mittendrin - und trotzdem anders!"

Zu Beginn der Abschlußveranstaltung waren in einem szenischen Anspiel grau gekleidete Gestalten mit weißen Masken auf der Suche nach dem Leben. "Hier ist das Leben" riefen ihnen die Genüsse unserer modernen Zeit zu: Disco, Mallorca, Bungeespringen. Und die Gestalten hetzten von einem Angebot zum anderen. "Hier ist Leben" warben Kranke und Behinderte, warben soziale Dienste um Hilfe und Mitarbeit. Und die Gestalten wurden nachdenklich. Natürlich wollen auch Christen etwas vom Leben haben, aber Leben ist mehr als nur Kick und Spaß. Eulenspiegel hielt den Gestalten seinen Spiegel hin und sagte auffordernd: "Spiegel zeige klar, wo jetzt meine Chance war"

Bischof Petru Gherghel aus der Diözese Iasi sprach während der Abschlußveranstaltung vom Wirken des Heiligen Geistes. Der Geist sei nicht nur Gabe, sondern auch Geber. Er sei den rumänischen Christen Begleiter in der langen Periode des Totalitarismus gewesen und habe ihnen den Glauben erhalten

In der Mittagspause gab es wie jedes Jahr zahlreiche Zwischenveranstaltungen. Zum Bischofsgespräch in der Brunnenkirche waren ältere Wallfahrer, die als Deutsche früher in Rumänien gelebt hatten, und junge Leute, die in jüngster Zeit bei Hilfsprojekten in Rumänien mitgewirkt hatten, gekommen. Bischof Gherghel informierte über die gesellschaftliche und kirchliche Situation in Rumänien. In der voll besetzten Predigerkirche sprach Thüringens Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel über die Tugenden der Demokratie. Einen bunten Spiel- und Bastel-nachmittag mit Mal- und Schminkwettbewerb veranstaltete die Kinderseelsorge für die kleinen Wallfahrer

Die Kollekte der Bistumswallfahrt ist für Rumänien bestimmt. In der Diözese Iasi sollen mit dem Geld Kindergärten und -heime unterstützt werden

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 39 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 27.09.1998

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