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Bistum Dresden-Meißen

Nutzung für Gottesdienste bleibt

Garnisonskirche Dresden

Am 20. August verkaufte die Bundesrepublik Deutschland als Eigentümer die Garnisonskirche im Norden der Elbestadt. Käufer ist ein privater Investor aus der Oberpfalz / Freistaat Bayern. Der katholische Teil der Kirche wird seit dem Zweiten Weltkrieg als Gemeindekirche für Dresden-Neustadt genutzt. Der Tag des Herrn sprach zum Verkauf mit dem Justiziar des Bistums Dresden-Meißen, Ordinariatsrat Christoph Pötzsch:

Frage: Eine Kirche, besonders in dieser Größe, ist doch eigentlich kein Objekt des Immobilienmarktes. Wie und warum kam es zum Verkauf durch die Bundesrepublik?

Pötzsch: Die Ursache liegt in den Eigentumsverhältnissen begründet. Ursprünglich Reichsvermögen und der evangelischen und katholischen Militärseelsorge gewidmet, ist die Kirche nach der Wende logischerweise der Bundesrepublik Deutschland zugeordnet worden. Leider sahen sich sowohl Bundesfinanz- als auch Bundesverteidigungsministerium nicht willens und inåer Lage, die Kirche zu behalten, da sie kein für den Bund verwertbares Eigentum darstellt. Auch drückte wohl die Sanierungslast. Auf Dauer schien insbesondere die Sanierung nur durch eine Privatisierung realisierbar zu sein, zumal der Investor noch bebaubare Umgebungsflächen erwerben konnte

Frage: Hätte nicht das Bistum Dresden-Meißen oder die Evangelische Landeskirche die Garnisonskirche erwerben können, um die kirchliche Nutzung auf Dauer zu sichern?

Pötzsch: Beide Kirchen sind mit der Herrichtung ihrer im Eigentum stehenden Sakralbauten so stark gefordert, daß es nicht vorstellbar war, noch eine Kirche vom Ausmaß der Garnisonskirche und einem zwischen 15 und 20 Millionen Mark geschätzten Sanierungsaufwand zu übernehmen. Dazu kommt, daß eine kirchliche Nutzung nur noch durch die Ortspfarrei erfolgte und die evangelische Kirche ihre Widmungsrechte seit 1968 ruhen läßt. Der übergroße Raumanteil ist eh schon seit Jahrzehnten fremdbenutzt, beispielsweise durch die Sächsische Landesbibliothek

Frage: Was bedeutet die Privatisierung der Kirche für die katholische Pfarrgemeinde und das Bistum?

Pötzsch: Wohlgemerkt - privatisiert wurde die Immobilie; die unentgeltliche Nutzung des katholischen Kirchenraumes für Gottesdienste bleibt unangetastet und wurde durch ein kompliziertes Vertragsgeflecht auf Zukunft hin gesichert. So trägt der Eigentümer die Baulast, der Verpflichtete für die Ansprüche der Kirchen bleibt allerdings weiterhin der Bund, der letztlich die Vertragserfüllung zu gewährleisten hat. Somit bedeutet die jetzige Konstellation für die Pfarrgemeinde die Weiterführung der bisherigen Nutzung in vollem Umfang, verbunden mit der Aussicht auf baldige bauliche Verbesserung

Frage: Welche Erwartungen hat das Bistum Dresden-Meißen an den Investor?

Pötzsch: Die zuständige Oberfinanzdirektion, die für den Verkauf der Immobilie zuständig war, hat Seriosität und Liquidität des Investors geprüft. Wir vertrauen darauf, zumal sich der Investor auch schriftlich verpflichtet hat, die Verwendung der nichtgottesdienstlich genutzten Räume der Garnisonskirche wie auch der unmittelbaren Umgriffsflächen nur so wahrzunehmen, wie es für die Nähe zu einem Gotteshaus zumutbar ist. Überdies sind wir durch die Behörden des Bundes rechtzeitig über die Verhandlungen mit dem Investor informiert worden, so daß wir keinen Grund zu Mißtrauen haben

Frage: Viele haben sich in den vergangenen Jahren für den Erhalt der Kirche eingesetzt. Was bedeutet dieser Verkauf für diese engagierten Menschen?

Pötzsch: Sicher ist der Gedanke an eine "privatisierte" Kirche gewöhnungsbedürftig. Ich glaube aber, daß alle mit der jetzigen Lösung zufrieden sein können. Für uns allein war es das Ziel, daß die Nutzung als Gottesdienstraum für die Dauer gesichert ist und für die Bausubstanz eine Perspektive aufgezeigt wird. Diese Ziele wurden erreicht. Dies wird der Ortspfarrgemeinde Sicherheit geben. Das nunmehr von allen Seiten begrüßte Verhandlungsergebnis ist letztlich ein Resultat des Engagements von vielen. So sollte der Einsatz des "Fördervereins Simultankirche St. Martin e.V." wie auch der Bundestagsabgeordneten Christa Reichard (CDU) ausdrücklich hervorgehoben werden

Interview: Tag des Herrn

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 38 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 20.09.1998

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