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Bistum Erfurt

OP-Saal ist heute Speiseraum

Luisenheim Jena

Jena (jk) - Erst Internistenpraxis, dann Geburtsklinik, später Lazarett und Frauenklinik und schließlich christliches Altenheim: Das Luisenheim in Jena hat eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. Jetzt feiert es 100jähriges Jubiläum. Die Luisenklinik, so hieß das Haus bis 1991, wurde 1898 im Auftrag eines Internisten gebaut. Seit Bestehen des Hauses arbeiten dort Vinzentinerinnen vom Mutterhaus in Fulda, zuerst als OP- und Krankenschwestern. 1938 kaufte das Mutterhaus in Fulda die Klinik. Eine Frauenklinik mit Entbindungsstation entstand. Außerdem arbeiteten hier nacheinander ein Chirurg, ein HNO- und ein Augenarzt. Bis 1971 kamen in der Luisen-Klinik 7344 Kinder zur Welt. Außer in den Kriegsjahren: In dieser Zeit diente die Klinik als Reservelazarett. Wieder waren es Vinzentinerinnen, die sich um die Pflege kümmerten

Zu DDR-Zeiten duldete die Regierung stillschweigend die private Frauenklinik. Jedoch war klar, daß - nachdem die dort arbeitenden Ärzte in Pension gehen würden - auch die Klinik aufgelöst werden mußte. Das geschah 1971. Die Vinzentinerinnen überlegten sich, was nun mit der großen Villa geschehen sollte. Schließlich entschlossen sie sich, sie als Altenheim für die alten Ordensschwestern zu nutzen. Weil dann noch Kapazitäten frei waren, nahm der Orden auch Frauen aus Jena und Umgebung auf, die ihren Lebensabend hier verbringen wollten. Im ehemaligen OP-Saal ist nun der Speisesaal, ein ehemaliges Krankenzimmer mit Platz für vier Betten ist inzwischen die Hauskapelle

Seit 1991 leitet Schwester Winfrieda Maria Petersen das Luisenheim. Die inzwischen 68jährige war vorher 26 Jahre OP-Schwester in Erfurt. Als über 60jährige absolvierte sie für das Luisenheim eine Heimleiterausbildung in Paderborn. Dort war sie die älteste Auszubildende. "Ich dachte damals, ich kann nicht so in diese Arbeit hineingehen", begründet die Schwester ihren Entschluß zu dieser Ausbildung. Acht Ordensschwestern leben im Luisenheim. Insgesamt 26 Heimplätze gibt es. Da bleibt Zeit für Gespräche und Raum für Privatsphäre. Im Heim selber klingelt deshalb oft das Telefon. Täglich gäbe es vier bis fünf Anfragen, ob ein Zimmer oder zumindest ein Bett im Altenheim frei ist. Von einem christlichen Haus werde einfach mehr erwartet, meint Schwester Winfrieda Maria: "Geborgenheit und Liebe, und später auch mal eine ordentliche Sterbebegleitung"

Regelmäßige Gottesdienste, das Kreuz im Speisesaal und ein Tischgebet sind äußere Zeichen des gelebten Glaubens. Allerdings ist Religionszugehörigkeit keine Bedingung für die Aufnahme. Schwester Winfrieda Maria glaubt, daß "die Leute hier spüren, daß man sie annimmt, wie sie sind, und daß sie Vertrauen haben können". Im Luisenheim leben derzeit acht Frauen, die über 90 Jahre alt sind. Die älteste ist die 97jährige Amalie Mey. Sie lacht über die Frage, wie es ihr hier gefalle und sagt zur Heimleiterin: "Aber Schwester, das wissen sie doch. Alle sind sehr nett und die Betreuung ist so gut. "

Eigentlich sollten alle Bewohner schon im Herbst 1994 in einen Neubau umziehen. Nachdem die Baufirma bankrott ging, ruhen die Bauarbeiten. Die meisten Heimbewohner störe das nicht, meint Schwester Winfrieda Maria. "Sie wollen hier gar nicht weg ". Eine alte Villa mit einem großen Garten und hohen Bäumen hat eben so gar nichts von einer sterilen, krankenhausähnlichen Atmosphäre.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 02.08.1998

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