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Bistum Görlitz

150. Ordensjubilum

Franziskanerinnen von Reute

Hoyerswerda (fun) - Man nehme etwas Hilfsbereitschaft, Liebe zu den Menschen, Offenheit und mische dieses unter die Leute. Das Rezept der Franzikanerinnen von Reute scheint aufzugehen. Die vier Ordensschwestern sind in Hoyerswerda stadtbekannt. "Sie kennen mich nicht, aber ich kenne sie", sagte einmal ein Patient zu Schwester Magdalena, die im Krankenhaus als Seelsorgerin arbeitet.

Schwester Magdalena gehört zu den Franzikanerinnen von Reute, die in diesem Jahr das 150. Jubiläum ihrer Ordensgründung feiern. Sie lebt zusammen mit drei Mitschwestern seit 1991 in Hoyerswerda. Gekommen sind sie aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wo die meisten Ordensschwestern leben. Ansonsten gibt es seit 1964 Schwestern in Indonesien und seit 1992 in Nordbrasilien.

Die Franziskanerinnen von Reute arbeiten in Kindergärten, Krankenhäusern, Alten- und Behindertenheimen, Sozialstationen und tun viel in der religiösen Bildungsarbeit. So ist es auch in Hoyerswerda: Schwester Man-freda leitet das katholische Kinderhaus, Schwester Rebekka ist Leiterin der Caritassozialstation und kümmert sich um kranke Menschen. Schwester Magdalena arbeitet als Seelsorgerin und Schwester Hildegard leitet verschiedene Senioren- und Helferkreise und ist für den Haushalt zuständig. Je nach Veranlagung haben die vier Schwestern diese Aufgaben übernommen.

"Wo Kinder sind, da ist es immer schön", erklärt Schwester Manfreda. Und damit ist alles klar: Sie geht auf bei ihrer Arbeit im offenen Kinderhaus. Seit April 1992 gibt es die bis vor kurzem einzige religiöse Kindereinrichtung in Hoyerswerda, die "unheimlich viel Zulauf hat". Schwester Manfreda: "Sehr viele Eltern wollen ihre Kinder zu uns schicken. Obwohl nur ein Drittel der Kinder getauft sind, reißen sich alle Eltern darum, daß ihre Kinder in dem Kinderhaus christlich erzogen werden. Wir haben aber nur 90 Plätze, so daß vielen von ihnen abgesagt werden muß." Dennoch sei es keine Eliteeinrichtung. "Es ist vielmehr eine Glücksfrage." Ausgesucht werden die Kinder am Anfang jeden Schuljahres nach den Kriterien: katholisch, evangelisch getauft und danach nach sozialen Aspekten. "So kommt es, daß wir sehr viele Akademikerkinder und Kinder aus sozial schwachen Familien haben", sagt Schwester Manfreda.

In dem offenen Kinderhaus werden Kinder von einem halben Jahr bis zum Ende der vierten Klasse (Ende der Grundschule) betreut. In dem umgebauten und sanierten Plattenbau werden die Kinder mit Montessoriepädagogik erzogen. Das bedeutet, daß die Gruppen nicht nach Alter, sondern nach Familien und Freundschaften aufgeteilt sind. So kann es sein, daß in einer Gruppe ein sechs Monate altes Kleinkind und sein zehnjähriger Bruder sind. Um diese sogenannten Familiengruppen kümmern sich zehn Erzieherinnen, die alle katholisch sind und momentan sechs Praktikantinnen, die nicht getauft sind. "Das wollten wir so, denn durch sie wird unser Glauben ständig hinterfragt. Und das ist wichtig", ist Schwester Manfredas Meinung.

Mit Atheisten kommt auch Schwester Magdelena zusammen. Bei ihrer Arbeit als Krankenhausseelsorgerin hat sie oft die Erfahrung gemacht, daß Menschen, die eigentlich nichts mit der Kirche zu tun haben, die Krankenhausseelsorge von einer Ordensschwester wünschen. "Jeden zweiten Tag bekomme ich eine neue Liste mit den Patienten. Darauf ist vermerkt, wer ein Gespräch wünscht und wer katholisch ist." Doch ganz genau richtet sich Schwester Magdalena nicht danach. Wenn sie einen Patienten besucht, geht sie nicht nur zu ihm, sondern spricht auch mit den Zimmergenossen. Auch die Katholiken, die keine Seelsorge wünschten, besucht sie. Dabei wurde sie selten wieder weggeschickt. Bei einem Krankenhaus mit knapp 700 Betten, fällt es Schwester Magdalena jedoch nicht immer leicht, alles zu schaffen. "Man muß dann abwägen und spüren, wie lang das Gespräch sein muß. Manchmal gucke ich auch nur kurz vorbei und verspreche, morgen wiederzukommen, weil es anderen sehr viel schlechter geht."

Neben den persönlichen Gesprächen und Besuchen, hat Schwester Magdalena dafür gesorgt, daß die Patienten mitten im Krankenhaus einen Raum der Stille finden können. "In der kleinen Kapelle können sie mit sich und Gott allein sein. Viele sind sehr dankbar dafür, auch wenn bei den meisten am Anfang Berührungsängste da sind", erzählt Schwester Magdalena, die für die Schaffung der kleinen Krankenhauskapelle, die immer offen ist, vieles getan hat.

Obwohl die vier Franziskanerinnen von Reute in Hoyerswerda schon vieles auf die Beine gestellt haben, geben sie keine Ruhe. Beim Mittagessen, zu dem sie alle zusammenkommen, wird immer Neues beratschlagt. Momentan organisiert vor allem Schwester Manfreda mit dem Hoyerswerdaer Pfarrer Joseph Hoffmann den Umbau eines Plattenbaus für den Jugendtreff "Offene Tür". Ende des Jahres soll das Gebäude ganz in der Nähe des Kinderhauses fertig sein.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 25 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 21.06.1998

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