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Aus der Region

Kirche hat Imageverlust erlitten

Tschechischer Bildungsminister

Gotha / Erfurt / Magdeburg (dw) - Die deutschen Vertriebenenverbände sollten klar sagen, was sie von der tschechischen Seite eigentlich wollen, sagte der tschechische Bildungsminister Jan Sokol am 8. Juni in Gotha. Bisher hätten sich die Gespräche zwischen Sudetendeutschen und Tschechen häufig auf einer Ebene des allgemeinen Klagens bewegt und sich deshalb keiner Lösung nähern können. Wenn die Vertriebenenverbände ihre Ziele konkret benennen würden, könnte das ein Ausgangspunkt für Gespräche sein.

Professor Jan Sokol hielt sich auf Einladung der Katholischen Akademien der Bistümer Magdeburg und Erfurt einige Tage lang in Deutschland auf. Sein Vortrag vor Gothaer Katholiken, Kreis- und Stadträten über die gesellschaftliche und kirchliche Lage in Tschechien war eine Station seines Besuchsprogrammes.

Der parteilose Katholik, der für die christdemokratische Partei in der Übergangsregierung seines Landes sitzt, zählt zu den tschechischen Politikern, die sich stets laut dazu bekannt haben, daß den Deutschen durch die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg Unrecht geschehen sei. In einem Interview mit der Thüringischen Landeszeitung bekräftigte er diese Auffassung, wandte sich gleichzeitig aber dagegen, die Vertreibung der Deutschen historisch isoliert zu betrachten. Man könne sie nicht aus dem Gesamtzusammenhang der deutschen Besatzung herausnehmen.

Im Blick auf die deutsch-tschechische Versöhnung erinnerte er daran, daß die tschechische Regierung Deutschland 1990 das Angebot gemacht habe, den Sudetendeutschen, die keine Nazis waren, eine doppelte Staatsbürgerschaft zuzuerkennen. Dieses Angebot sei nicht aufgegriffen worden, weil es nicht ins gesamtpolitische Konzept der Bonner Regierung paßte, bedauerte Sokol.

Selbstkritisch ging der Mitunterzeichner der Charta 77 mit der eigenen Kirche um: Sie habe zu stark auf den Forderungen nach Rückgabe von Gebäuden und Ländereien beharrt und damit ihrem eigenen öffentlichen Ansehen geschadet. Die katholische Kirche habe sich nicht darum bemüht, alternative Modelle zur Finanzierung kirchlicher Arbeit auszuhandeln.

Als Bildungsminister hatte Jan Sokol entsprechende Vorschläge gemacht, etwa die Einführung einer Kultursteuer wie in Italien oder die staatliche Übernahme der kirchlichen Denkmalpflegekosten.

Derzeit wird etwa die Hälfte der kirchlichen Einnahmen von Kirchenrenovierungen geschluckt. Nach derzeitiger Regelung bekommen die tschechischen Bistümer Geld vom Staat, mit dem sie auch ihre Personalkosten decken. Diese Zahlungen sind bis kurz nach der Jahrtausendwende befristet.

Weitere Programmpunkte in Jan Sokols Besuchsprogramm waren die Teilnahme am ersten Tag der Akademie des Bistums Magdeburg, Gespräche mit dem Erfurter Bischof Joachim Wanke, dem thüringischen Kultusminister Dieter Althaus und dem Rektor des philosophisch-theologischen Studiums in Erfurt. Der Philosphieprofessor Sokol wird als möglicher Nachfolger des tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Havel gehandelt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 25 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 21.06.1998

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