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Bistum Dresden-Meißen

Methode Wanderdüne

Kommunikation zwischen den Geschlechtern

Leipzig (ak) - "Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen". Diesem Loriot-Zitat widersprach Daniela Bartsch dann doch am Ende ihres Vortrags "Kommunikationsprobleme zwischen Mann und Frau". Es war fast schon ein Selbstläufer-Thema, das kürzlich rund 50 Studiosi in die Katholische Studentengemeinde Leipzig lockte. Die Studentin an der Leipziger Fachhochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur stützte dabei ihre Ausführungen auf die Thesen-Mixtur von zehn international anerkannten Gegenwartsschriftstellern, vor allem auf diejenigen von Deborah Tannen

Eine "pieksende" Metapher des Philosophen Arthur Schopenhauer verdeutlichte zunächst das Kommunikations-Grundübel von Frau und Mann: Auch Stachelschweine wollen im Winter zusammenrücken, weil sie frieren. Weil ihre Stacheln ein enges Kuscheln jedoch verhinderten, rückten sie immer wieder voneinander ab. Diese Metapher sei übertragbar auf die Menschen mit ihrem Bedürfnis von Unabhängigkeit und Verbundenheit. Unabhängigkeit präge dabei vor allem die westeuropäischen und nordamerikanischen Kulturen, der Hang nach Verbundenheit mit der Familie und dem Clan dagegen zumeist diejenigen der anderen Kontinente

Wenn sich Männer unterhielten, dann ginge es meistens um das "heimliche Aushandeln" einer Hierarchie, wer denn mehr Recht habe, so Bartsch. Frauen strebten im Gespräch dagegen mehr nach Harmonie und Konsens. Der Diskussionsstil von Männern gleiche einer "Wanderdünenmethode", der Schritt für Schritt eine Zielrichtung im Blick habe. Frauen änderten dagegen die rhetorische Richtung ständig. Der Nebeneffekt: Männer hätten große Probleme, nach der Erwerbstätigkeit persönliche Kontakte weiterzupflegen und Frauen müsse unterstellt werden, sich ewig unterhalten zu können, ohne dabei wirklich Nennenswertes zu sagen


Untersuchungen hätten darüber hinaus ergeben, daß beim Reden Väter häufiger als Mütter ihre Kinder unterbrächen und daß bei Mädchen häufiger eingehakt würde als bei Jungen. "Und ist es wirklich nur Gedankenlosigkeit, wenn in der Öffentlichkeit Mikrophone nur auf den Frequenzbereich von männlichen Stimmen ausgerichtet sind?" fragte Bartsch in die Runde.


In der Öffentlichkeit überwögen nach wie vor die Wortbeiträge der Männer, im Privatleben dagegen redeten Frauen eindeutig mehr. Den Begriff "Vertrautheit" definierten "sie" und "er" ebenfalls unterschiedlich: Während Frauen den Begriff eher nach der Anzahl der pro Abend ausgetauschten Wörter bemäßen, strebten Männer mehr nach "schweigsamer Zweisamkeit durch entspannende Intimität". "Paare verbringen pro Woche durchschnittlich nur 19 Minuten mit Gesprächen", verdeutlichte Bartsch.


Die Referentin flocht immer wieder Zitate von Deborah Tannen ein, beispielsweise einen weitverbreiteten Dialog nach langjähriger Partnerschaft: Sie: "Nach all dieser Zeit solltest du eigentlich wissen, was ich will, ohne daß ich es dir erst lang und breit erklären muß!". Er: "Nach all dieser Zeit sollten wir eigentlich in der Lage sein, uns offen zu sagen, was wir wollen!"


In der anschließenden Diskussion betonte eine Studentin, daß sich Männer in der "Werbephase um eine Frau" weibliche Verhaltensmuster stark aneigneten, die sie im Laufe der Zeit dann wieder mehr und mehr ablegten. Einem Kommilitonen fiel auf, daß vor allem viele Engländer in der zuvor von der Referentin angesprochenen "Meta-Sprache" miteinander kommunizierten, also viele nichtssagende Phrasen verwendeten. Einig waren sich alle Anwesenden darüber, daß der Umgang mit dem anderen Geschlecht keinesfalls religiöse Wurzeln habe, sondern je nach Kultur ein individuelles Sozialisations-Phänomen darstelle

Wörtlich widersprach Daniela Bartsch zuguterletzt dem Loriot-Zitat folgendermaßen: "Wenn wir das unterschiedliche Gesprächsverhalten unserer Parner akzeptieren und unsere Erwartungen nicht zu sehr fixieren, können wir diese Behauptung sehr wohl entkräften." Ein Student konnte sich draufhin seine persönliche und ehrliche Meinung nicht verkneifen, indem er sich "outete", daß er nach all dem Gesagten den Eindruck habe, nunmehr fast schon eine Frau zu sein. Woraufhin die Referentin zur allgemeinen Erheiterung retourkutschierte: "Ich wollte dir heute abend nicht beweisen, daß du eine Frau bist."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 19 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 10.05.1998

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