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Aus der Region

Entsorgung transparent gestalten

Altkleider


Leipzig - Das Frühjahr ist gekommen und leise rieseln bunt bedruckte Zettel handlicher Größe in Briefkästen und Hausflure, die um den jährlichen Ausstoß nicht mehr benötigter Wintergarderobe bitten: Spendenaufrufe für Altkleidersammlungen. Wie Pilze sprießen etwa 2 Wochen später Säcke und Kisten, gefüllt mit tragfähiger Kleidung und lumperartigen Fetzen, aus dem Boden, die darauf warten, von Sammelfahrzeugen abgeerntet zu werden

Etwa eine halbe Million Tonnen Altkleider sammeln so alljährlich karitative Organisationen oder kommerzielle Unternehmen. Doch wie das gesammelte Gut verwendet wird, bleibt den Spendern meist verschlossen. Selbst die von karitativen Organisationen gesammelten Altkleider werden nach Informationen des Dachverbandes FairWertung, einem Zusammenschluß gemeinnütziger, kirchennaher Organisationen, überwiegend an Händler und Sortierbetriebe weiterverkauft. Oft stellen wohltätige Organisationen gegen eine Gebühr einem kommerziellen Sammler ihr Logo zur Verfügung

Es geht jedoch FairWertung nicht darum, diesen kommerziellen Verkauf der Kleiderspenden zu verhindern. Der Verkauf solle jedoch umweltschonend und sozial verträglich organisiert und für Spender der Kleidung transparent werden. Die Erlöse aus dem Verkauf der Altkleider werden für die soziale Arbeit der sammelnden Organisation verwendet. "Die Vorstellung, daß die gesammelte Kleidung direkt von armen Menschen weitergetragen wird, spukt in vielen Köpfen herum", so Petra Schrömgens von FairWertung . "Deshalb legen wir sehr viel Wert darauf, daß im Sammelaufruf der Verkauf des Sammelgutes an erster Stelle genannt wird."

An der bisherigen Verwertung von Altkleidern kritisiert FairWertung vor allem, daß 15 - 20 Prozent des Sammelgutes nach Afrika exportiert und dort auf Märkten verkauft werden. Nach einer Studie des Kölner Instituts für Ökonomie und Ökologie "Südwind" werde durch Altkleiderexporte in entwicklungsschwache Länder die dortige Textilindustrie schwer geschädigt. Gerade in Ländern wie Ghana, Simbabwe und Kamerun seien Altkleiderimporte aus den reichen Industriestaaten ein Grund für die Krise der dortigen Textilindustrie. Auch Exporte nach Osteuropa brächten eine derartige Entwicklung mit sich

Die wohltätigen Vereine, die sich zu dem Dachverband FairWertung zusammengeschlossen haben, vorallem Ortverbände der Katholischen Landjugend, der Katholischen Arbeiternehmerbewegung und des Kolping-Verbandes, verpflichten sich, ihr Sammelgut nur an Betriebe zu verkaufen, in denen eine fachgerechte Sortierung gesichert ist. Auch dürfen maximal 10 Prozent der gesammelten Altkleider nach Afrika exportiert werden. 5 Prozent der Kleidung muß als Spende zur Verfügung gestellt werden. Scharf kritisiert wird FairWertung hingegen vom Fachverband Textilrecycling, dem Zusammenschluß von im Altkleiderhandel tätigen Unternehmen. Das Ziel, Transparenz im Altkleidergeschäft zu schaffen, sei zwar erstrebenswert, doch FairWertung nutze Transparenz zu "Etikettenschwindel", meint Klaus Löwer, erster Vorsitzender des Verbandes

Die Reduzierung von Altkleiderexporten nach Afrika hält Löwer für "volkswirtschaftlich schädlich". Einer Studie der Schweitzer Akademie für Entwicklung (SAD) zufolge, die die These von "Südwind" widerlegt, gäbe es keinen Zusammenhang zwischen Altkleiderhandel und der schlechten Situation in den afrikanischen Ländern. Der Handel mit Altkleidern sei ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, sowohl in Herkunft- als auch in den Zielländern. Er sichere in den von der SAD untersuchten Ländern Ghana und Tunesien über 100 000 Menschen eine Existenz. Der Export schaffe auch Arbeitsplätze hierzulande. Zudem würden die von FairWertung teils durch AB-Maßnahmen neu geschaffenen Arbeitsplätze zu Lasten bereits bestehender Arbeitsplätze bei kommerziellen Sammlern gehen. Grundsätzlich hält Löwer die Trennung zwischen karitativen und kommerziellen Sammlern für sinnvoll, doch brächten - seiner Meinung nach - die gemeinnützigen Organisationen die kommerzielle Branche in Schwierigkeiten

Leonhard Herrmann

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 19 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 10.05.1998

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