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Bistum Dresden-Meißen

Pax Christi informierte sich in Bosnien

Abschiebung

Dresden (tdh/um) - In Sachsen - ähnlich wie in anderen Bundesländern - ist die Ratlosigkeit der noch hier lebenden bosnischen Kriegsflüchtlinge sehr groß, darauf weist die Dresdner Gruppe der katholischen Friedensbewegung Pax Christi hin. Die noch "Geduldeten" erhielten "Abschiebeandrohungen" zum 31. März beziehungsweise zum 31. Juli 1998. Die Tatsache, daß die aus dem Gebiet der jetzigen Republik Srpska kommenden Flüchtlinge nicht in ihre Heimat zurückkehren können - weil das Dayton-Abkommen nicht realisiert wird -, zählt nicht mehr, kritisierte Pax Christi. Weiter weißt Pax Christi darauf hin, daß die ungelöste Frage der Flüchtlinge, wohin sie gehen sollen, viele der Verzweiflung nahebringt. Die Antwort aus den deutschen Ministerien lautet hingegen immer wieder: "Sie sind Bosnier. Wir schieben nur nach Sarajewo, also Bosnien, ab. Alles andere ist kein deutsches Problem."

Um sich selbst ein Bild von der Lage vor Ort machen zu können, organisierte Pax Christi im März eine Fahrt in die Region Sanski Most, in der Nähe der Grenze zur noch versperrten Heimat vieler moslemischer Flüchtlinge. Dort suchen sie Zuflucht, wenn sie Deutschland verlassen müssen. "Bosanski Novi" - dieses Schild am Anfang einer Dorfstraße, wo einst Serben wohnten, weißt darauf hin, daß sich hier jetzt die Einwohner der Stadt Bosanski Novi (heute Republik Srpska) sammeln. Sie leben sehr dicht zusammengedrängt in fremden Wohnungen und täglich kommen neue Flüchtlinge hinzu.

Die Stadt Sanski Most platzt heute aus allen Nähten: Aus 70 Gemeinden mußte sie Flüchtlinge aufnehmen. Im "Amt für Aufbau und Entwicklung" stellten die Pax-Christ-Leute die Frage, wohin die aus Deutschland zurückkehrenden Flüchtlingen gehen können? Die Antwort schilderte die ganze Problematik: "Wo jetzt zwei Familien in einer Wohnung untergebracht sind, muß eben noch eine dritte dazu! Drei Quadratmeter pro Person müssen am Ende auch ausreichen."

Zu diesen katastrophalen Wohnbedingungen kommt eine Arbeitslosenquote von 80 Prozent. Arbeitslosen- und Sozialhilfe gibt es nicht. Und die wenigen, die noch Arbeit haben - wie in den Ämtern - warten oft monatelang auf eine Gehaltszahlung. Die Frage nach dem materiellen Überleben wurde meist mit einem Achselzucken beantwortet und dem Hinweis auf Verwandte, Freunde sowie Helfer im Ausland. Die offizielle humanitäre Hilfe beschränkt sich auf die Grundnahrungsmittel Mehl. Öl, Bohnen, Zucker und ist inzwischen viel geringer als zuvor.

Von der Situation besonders betroffen sind Menschen mit Behinderungen. Ihre Lebenschancen bezeichnete Pax Christi mit gleich Null. Auf dem Gebiet des Kantons Una-Sana gibt es keine Einrichtung für die Aufnahme und Betreuung behinderter Personen ungeachtet der Art der Behinderung. Dies wurde der Pax-Christi-Gruppe schriftlich bestätigt. Zu einer katastrophalen Situation habe es Anfang März geführt, als ein Team aus Deutschland ohne Ankündigung einen bewegungsunfähigen jungen Mann mit einem Krankenwagen nach Sanski Most transportierte und seine sofortige Unterbringung verlangte.

Schlimmer noch als in der Stadt Sanski Most ist die Situation in den bis zu 90 Prozent zerstörten Dörfern. Beispielsweise im etwa 30 Kilometer entfernten Dorf Lusci Palanka. Pax Christi notierte dazu: "Dort leben, besser vegetieren in äußerst miserablen Verhältnissen Überlebende aus dem Massaker-Ort Kosarec. Wovon? Man sieht es ihnen an, daß es am Lebensnotwendigsten fehlt!"

In dem 2000 Einwohner zählenden Ort sterben täglich ein bis zwei Menschen. Das Team einer Ambulanz und eine "Frauengemeinschaft" im Ort bemühen sich um die Menschen so gut es geht - ungeachtet ihrer eigenen großen Probleme. Sie alle kommen aus Kosarac, sind "durch die Hölle gegangen". Die Gruppe aus Deutschland besuchte den einst großen und schön gelegenen Urlaubsort, der jetzt ein unbeschreibliches, überwuchertes totes Ruinenfeld ist.

Interssierte, die sich für Menschen in Bosnien einsetzen oder Projekte finanziell unterstützen wollen, wenden sich bitte an Pax Christi co. Ursula Mai, Am See 15/74 in 01067 Dresden, Tel. 0351 / 49 53 565.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 14 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 05.04.1998

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