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Aus der Region

Bischof Wanke würdigt seinen Lehrer Prof. Schürmann

Jubiläum

Schuermann Erfurt - In Dankbarkeit gegen Gott und mit großer Freunde feiert Monsignore Professor Dr. Heinz Schürmann am 2. April 1998 sein Diamantenes Priesterjubiläum. Heinz Schürmann wurde 1913 in Bochum geboren. Nach der Schulzeit in Dortmund und den philosophischen und theologischen Studien in Paderborn und Tübingen wurde er 1938 durch Erzbischof Dr. Caspar Klein im Dom zu Paderborn zum Priester geweiht.


Nach kurzer akademischer Lehrtätigkeit als Privatdozent an der Universität Münster ließ sich Schürmann an das unter vielen Schwierigkeiten begründete Philosophisch-Theologische Studium Erfurt berufen, an dem er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1978 nach 50 Semestern akademischer Lehrtätigkeit als Ordinarius für Neutestamentliche Exegese wirkte. Dieser Schritt im Februar 1953 aus dem "Westen" in die damals stalinistische DDR war ein Schritt ins Ungewisse - und ein Schritt, der sich für die Ortskirchen im Raum der DDR als großer Segen erwies. Noch heute ist jener Generation theologischer Lehrer und Priestererzieher, die damals von Königstein, Münster und Paderborn kommend die Erfurter Hochschule und das Regeional-Priesterseminar faktisch aus dem Nichts aufbauten tiefer Respekt und Dank zum Ausdruck zu bringen. Gern erinnere ich mich an einen Satz meines Lehrers Heinz Schürmann, der mich seit meinen Studientagen in Erfurt, als ich von ihm in die Welt des Neuen Testaments und der Theologie eingeführt wurde, begleitet: "Für das Theologiestudium sind entscheidend die Ordnung des Studiums, der Zustand der Lehre und die Person des Lehrers."


Gerade in der Theologie sind Lehre und Lehrer nicht zu trennen. Heinz Schürmann verkörpert für mich und viele Priester meiner Generation den Professor, der in seinem Amt als theologischer Lehrer und Forscher immer auch ein "Zeuge" der Wirklichkeit war, die er uns vom Katheder her zu erschließen suchte.


Schürmanns theologisches Forschen und Fragen kam stets aus einer zutiefst geistlichen, ich möchte beinahe sagen mystischen Verwurzelung im Gottesthema. Sein Arbeiten war bei aller sauberen wissenschaftlichen Methodik immer auf die konkrete Kirche und ihren Auftrag in dieser Zeit ausgerichtet, also kein theologisches Glasperlenspiel fernab der Fragen, die heute wache Seelsorger und Christenmenschen umtreiben.


Für mich und viele andere war und blieb der neutestamentliche Lehrer Heinz Schürmann immer auch ein geistlicher Lehrer. Sein Diamantenes Priesterjubiläum ist Anlaß, voller Dankbarkeit in aller Öffentlichkeit zu sagen: Niemand kann ermessen, was uns Heinz Schürmann als Priesterpersönlichkeit, als spiritueller Lehrer und Weggefährte in der kirchlichen Armseligkeit der DDR-Jahre an geistlicher Substanz, an Zuversicht und innerer Stärkung vermittelt hat. Sein Kommen damals von Paderborn und Münster und sein Bleiben bei uns bis heute ist ein entsprechendes Zeichen einer Solidarität mit unseren östlichen Ortskirchen. Daß uns DDR-Katholiken dieses Land nicht zu einem theologischen Ghetto wurde, sondern trotz allem zu einem Ort vielfältiger Kommunikation mit der theologischen und kirchlichen Entwicklung des damaligen Westens, ist neben vielen anderen auch Heinz Schürmann zu verdanken.


Noch heute greife ich gern zu einem Büchlein meines Lehrers, dessen erste Auflage in Heinz Schürmanns erste akademische Lehrjahre zurückreicht: Worte des Herrn. Es ist vielen ein Wegbegleiter auf ihrem persönlichen Weg der Nachfolge Christi geworden, bis heute. Daß Heinz Schürmann uns die in der Schrift überlieferten verba Domini - die Worte des Herrn - als immer neu sprechende und auch die Kirche weckende viva vox - als lebendige Stimme - Jesu erschlossen hat, ist das kostbarste an seinem Dienst als theologischer Lehrer. Paulus schreibt den Thessalonichern: "Ihr habt das Wort trotz großer Bedrängnis mit der Freude angenommen, die der Heilige Geist gibt" (Thess 1,6). Heinz Schürmann weiß selbst am besten, daß die Aufnahme des Wortes Gnade ist. Daß sie Freude bereitet, meine ich aus seinem Leben erkennen zu können. Und für dieses Zeugnis sei ihm von Herzen gedankt.



Bischof Dr. Joachim Wanke

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 14 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 05.04.1998

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