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Dichter Albrecht Goes wird 90 Jahre alt

Zurückgeblättert

Der christliche Schriftsteller Albrecht Goes feiert am 22. März seinen 90. Geburtstag. Er hat einmal geschrieben: "Die Welt lebt von dem unscheinbaren Werk der Geduld, dem Lächeln der Versöhnlichkeit, von dem mutigen Vertrauen - nicht ihrer Träumer, sondern der Erschrockenen und der Leidenden."

Vom Erschrecken des Dichters über die Judenverfolgung und über die Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges zeugen vor allem seine drei Novellen "Unruhige Nacht" (1949), "Das Brandopfer" (1953) und "Das Löffelchen" (1985). Sie sind zugleich Zeugnisse bewahrter Humanität und bewahrten Gottesglaubens und haben ihren Schöpfer weltberühmt gemacht. "Unruhige Nacht" wurde 1959 unter der Regie von Falk Harnack verfilmt.

Albrecht Goes wurde 1908 im evangelischen Pfarrhaus von Langenbeutingen in Württemberg geboren. Früh verlor er die Mutter, kam nach Berlin zur Großmutter und besuchte in Steglitz das Gymnasium. Dem Studium der evangelischen Theologie, unter anderem im berühmten Tübinger Stift, folgten 1930 die Ordination durch seinen eigenen Vater und die Vikarsstelle in Echterdingen bei Stuttgart.

1932 erschien, noch im Eigenverlag, der erste Gedichtband. In die Jahre vor dem Krieg fällt der Beginn der Bekanntschaft mit Romano Guardini, Martin Buber und Theodor Heuss. Während Albrecht Goes zum Militär eingezogen war, zuerst als Funker, danach als Lazarett- und Gefängnispfarrer, versteckte seine Frau im Pfarrhaus von Gebersheim bei Leonberg Juden.

Nach dem großen Erfolg von "Unruhige Nacht" ließ sich Albrecht Goes 1953 vom Gemeindedienst befreien und lebt seitdem als freier Schriftsteller. 1954 zog die Familie nach Stuttgart-Rohr, wo Albrecht Goes mit seiner Frau heute noch lebt. Neben Novellen hat Goes kurze Erzählungen, Betrachtungen und immer wieder Gedichte geschrieben. Der Dichter Goes ist kein Sprachexperimentator. Er bewahrt die überkommenen dichterischen Formen und entwickelt sie behutsam weiter. Viel Melodie ist in seinen Versen und in seiner Prosa. Er verwendet Reime, verzichtet aber auf leeres Wortgeklingel: "Dichtung hat zuerst und zuletzt mit der Wahrheit zu tun", hat er selbst gesagt.

Albrecht Goes ist ein genauer, geduldiger Leser und Hörer. Seine vielen Aufsätze über Literatur und Musik sind Ergebnis lebenslanger Beschäftigung mit Kunst. In immer neuen Anläufen versucht er, das Werk von Mozart und Bach, von Goethe und Mörike zu erschließen, zu deuten und zu vermitteln. Er sieht sich in einer langen literarischen Traditionslinie stehen von der Antike bis zu Brecht. Die spe- zielle schwäbische Überlieferung hat er durchaus aufgenommen. Uhland, Mörike und der Warmbronner Bauerndichter Christian Wagner gehören dazu.

Tradition ist für Goes etwas lebendiges, er lebt mit ihr und ist dabei der Gegenwart und der Zukunft gegenüber offen. Bemerkenswert ist seine Unvoreingenommenheit gegenüber neuer Literatur. Albrecht Goes mahnt zum Frieden und zur Wahrhaftigkeit. Er kann immer wieder von neuem erschrecken über den Zustand der Welt. Aber er fühlt sich auch geborgen, weil er die Welt von Gott gehalten weiß. "Flüchtige, zitternde Herrlichkeit" nennt er das menschliche Leben 1952 in einem Aufsatz über Eduard Mörike. Damit ist die Haltung umrissen, in der er lebt und schreibt

Jürgen Israel

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 22.03.1998

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