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Aus der Region

Aus der Caritas-Arbeit in Komlo

Hilfsaktion

In einem Alter, in dem andere in den Ruhestand gehen, begann für den ungarischen Priester János Szalay ein völlig neuer Lebensabschnitt. Mit 65 Jahren übernahm er 1988 die Leitung der Diözesancaritas in Pecs. Seitdem sind 10 Jahre vergangen und für János Szalay bleiben oft nur wenige Stunden am Tag, um zur Ruhe zu kommen.

In den vergangenen zehn Jahren wurden zuerst die Flüchtlinge aus Rumänien von der Caritas betreut, dann die aus dem zerfallenden Jugoslawien. Dabei blieben die eigenen sozialen Probleme oft zurück. Zeit, sich um diese zu kümmern haben Dr. Szalay und seine Mitarbeiter eigentlich erst in den letzten Jahren gefunden. Doch was da aufgebaut wurde, kann sich sehen lassen: 13 Caritasgruppen mit rund 400 Mitgliedern.

Doch János Szalay könnte noch mehr gegen die wachsende Not in seinem Land tun, wenn nur das Geld da wäre, die Dinge auch zu finanzieren. Doch Ungarns katholische Kirche ist arm, darüber können auch große, heute überdimensionierte Pfarrhäuser und einst prächtige Bischofspaläste nicht hinwegtäuschen. Diese Hinterlassenschaften - deren Unterhalt zudem teuer ist - sind ein Überbleibsel aus der Zeit, in der die Kirche durch die Patronate reicher Adliger finanziert wurde. Doch dieses System ist längst Geschichte, so sind Kirche und Caritas immer mehr auch auf Unterstützung durch die Gläubigen angewiesen.

Beispielsweise für die Arbeit der Caritasgruppe in Komló. Der Ort nördlich von Pecs gelegen sollte einst eine sozialistische Bergarbeiterstadt werden. Doch nach der gesellschaftlichen Wende wurden die Kohlegruben geschlossen, die Menschen in die Arbeits- und Perspektivlosigkeit entlassen.

Dr. János Szalay ist stolz, daß in Komló heute die stärkste ehrenamtliche Caritasgruppe der Diözese Pecs arbeitet. Die Gruppe unterhält eine große Wohnung als Anlaufstelle. Besonders den Kindern gilt die Hilfe der Komlóer Gruppe. Sie kommen auf einige Stunden zusammen um den tristen Alltag einmal hinter sich zu lassen. Es wird gespielt, gesungen und - ganz praktisch - haben die Mädchen und Jungen in den Caritasräumen auch die Möglichkeit sich zu baden. Dazu verteilt die Caritas Essen und einmal in der Woche auch gebrauchte Kleidung. Ein anderes Projekt ist ein kleines Haus am Stadtrand, wo die Caritas einer Zigeunerfamilie ein neues Zuhause gab. János Szalay erzählt: "Es ist eine unglückliche Familie, der Vater ist arbeitslos und die Mutter schwer krank. Und die drei kleinen Kinder haben fast überhaupt keine Perspektive."

Über die Situation in Ungarn kann Pfarrer János Mólnár Auskunft geben, der nur wenige Kilometer von Komló entfernt in Magyarszek lebt. Er verweist darauf, daß die ungarische Kirche 1996 einen Sozialhirtenbrief vorlegte, der die Situation unverfälscht wiedergibt. Seiner Meinung nach hat das Land nur dann eine Zukunft, wenn sich die politisch Verantwortlichen von den ausufernden Strukturen des "Wildkapitalismus" trennen. "Wir brauchen eine Gesellschaft des Teilens, eine Gesellschaft in der Gott und Menschenliebe nicht nur theoretische Begriffe bleiben, sondern gelebt werden", fordert Mólnár, der einst in die erste bürgerliche Regierung als Minister einziehen sollte, sich aber für seinen Beruf als Seelsorger entschied. János Mólnár erinnert daran, daß die derzeitige Regierung aus Sozialisten und Liberalen zu großen Teilen diejenigen sind, die schon vor 1989 das Land beherrschten. Die ehemaligen Kommunisten, die heutigen Sozialisten hatten das Geld, sich nach der Wende in die Wirtschaft einzukaufen und so eine neue wirtschaftliche Macht zu begründen. Jetzt kommt es darauf an, so Pfarrer Mólnár, alle Kräfte in der Gesellschaft, die sich zu Christentum und Humanismus bekennen zu einen, um eine Wende in der Politik zu erreichen. Es muß Schluß sein mit einer Entwicklung, in der die früher Armen immer ärmer und die früher Wohlhabenden immer reicher werden.

Die Gesellschaftskritik von Pfarrer Mólnár teilt auch Diözesancaritasdirektor János Szalay. Aus seiner Arbeit kennt er das Gesicht eines unzivilisierten Kapitalismus, die Verelendung ganzer Bevölkerungsgruppen. Aber Szalay weiß auch, daß es zuerst an den Ungarn liegt, diese Entwicklung zu ändern. Daher favorisiert er eine Änderung der Mentalität. Es kann nicht alles vom Staat erwartet werden. Jeder ist an seiner Stelle verantwortlich, etwas für eine gerechtere Gesellschaft zu tun. Holger Jakobi

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 22.03.1998

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